Einen seltenen Blick ins Innere der Ebinger Friedhofskapelle konnten Interessierte am Tag des offenen Denkmals werfen – eine Gelegenheit, die viele Besucher wahrgenommen haben. Foto: Soudani

Drei Stunden lang war am Tag des offenen Denkmals die Ebinger Friedhofskapelle geöffnet. Über 100 Besucher nutzten die seltene Gelegenheit, sie zu besichtigen.

Empfangen wurden die Gäste von Lieselotte Probst, Alfred Stauß, Fritz Leibfritz und Peter Schiedel, rührigen Aktivisten des „Arbeitskreises Friedhofkapelle Ebingen“, der sich seit Jahren um die Erhaltung der Friedhofskapelle einsetzt.

 

An einem Stehtisch lagen Informationsmaterialien und ein Gästebuch bereit, in das sich jeder eintragen und gegebenenfalls das Anliegen des Arbeitskreises unterstützen konnte.

Anders als bei manch anderem Kulturdenkmal, das an diesem Nachmittag die Türen öffnete, war die Geschichte, welche die Gäste zu hören bekamen, primär eine des Verfalls.

Die Ebinger Friedhofskapelle von außen Foto: Soudani

Der Arbeitskreis Friedhofkapelle Ebingen hat den Abbruch verhindert

Die Friedhofskapelle war 1899 von der evangelischen Kirchengemeinde im Jugendstil erbaut worden und später mehrfach saniert und baulich verändert worden. Bis 1981 diente sie als Aussegnungshalle, nach dem Bau von Krematorium und neuer Aussegnungshalle in der süd-westlichen Ecke des Friedhofs fiel sie in den Dornröschenschlaf.

1988 war dann erstmals von einem Abbruch die Rede, worauf sich ein „Arbeitskreis Friedhofskapelle“ bildete. Dieser leistete erfolgreich Widerstand gegen das Ansinnen und 1990 ging die Kapelle per Schenkung in dessen Eigentum über.

Bis 2001 wurden 400 000 Mark in das Gebäude investiert; dann wechselte es erneut den Eigentümer und gehörte fortan der Stadt Albstadt, die sich jedoch vertraglich verpflichtete, das historische Gebäude instandzuhalten.

Warum Wasser in das Gebäude drang, darüber scheiden sich die Geister

Was das bedeutete, war allerdings Interpretationssache. Die Stadt investierte nicht annähernd so viel Geld in die Kapelle, wie es sich der Arbeitskreis gewünscht hätte. Aus der Regenrinne floss – laut Stadt aufgrund einer fehlerhaften Konstruktion, laut Arbeitskreis wegen mangelnder Pflege – Wasser ins Gebäude.

In Folge dessen faulte die Fußpfette, auf der die Aufständerung der Gewölbe aufruhte, und diese lasteten nun – Fachmann Alfred Stauß erläuterte es jedem, der es wissen wollte – statt auf der Außen- auf der Innenkuppel, wie an den durchgebogenen Rundstahleisen unschwer zu erkennen ist.

Fragt sich, wie lange die Konstruktion das noch aushält. Die Frage ist an die Stadt gerichtet, die finanziell allerdings so klamm ist wie selten zuvor.

Jürgen Gneveckov: „Verträge müssen eingehalten werden“

Dem Vernehmen nach zieht Oberbürgermeister Roland Tralmer in Erwägung, Albstädter Handwerker mit ins Boot zu holen und etwa deren hoffnungsvollen beruflichen Nachwuchs mit der Wiederherstellung der Kapelle zu betrauen: Entsprechende Gespräche würden – durchaus aussichtsreich – geführt, seien aber noch nicht abgeschlossen.

Die Befürworter einer Grundsanierung verhehlten ihren Argwohn nicht und stellten die Frage, ob sich mit einem solchen Vorgehen eine gleichfalls angestrebte Förderung durch das Landesamt für Denkmalpflege und gegebenenfalls die Deutsche Stiftung Denkmalschutz vereinbaren lasse.

Mit großem Interesse nahmen die Besucherinnen und Besucher übrigens die Einträge von Tralmers Vorvorgänger zur Kenntnis, der den Arbeitskreis mittlerweile selbst unterstützt. „Pacta sunt servanda“, merkt Jürgen Gneveckow mit Blick auf die Vereinbarung von 2001 an. „Verträge müssen eingehalten werden.“