Mehr Kosten für die letzte Ruhe: Die Balinger Verwaltung will die Gebühren für die Grabnutzung anheben. Nur ein Ortschaftsrat widerspricht dem Vorhaben.
Ein Satz des Fraktionsvorsitzenden der Grünen hallt am Dienstagabend besonders lange nach. „Sterben kostet nicht nur das Leben, sondern inzwischen auch ordentlich viel Geld.“ Damit bringt Erwin Feucht die Debatte um die Erhöhung der Grabnutzungsgebühren auf den Punkt.
Die Balinger Verwaltung schlägt vor, diese ab 2026 um fünf Prozent zu erhöhen. Im November diskutierten die Ortschaftsräte darüber – und stimmten größtenteils für den Vorschlag der Stadt. Mit einer Ausnahme: Heselwangen lehnte Ziffer 1 des Antrags einstimmig ab.
80 Prozent Kostendeckung wird deutlich verfehlt
Im Mittelpunkt der Kritik stand die Nachkalkulation für 2024 und die Vorausberechnung für 2026. Trotz einer Erhöhung der Gebühren im Jahr 2024 decken diese nach der jüngsten Berechnung nur knapp 65 Prozent der Kosten. Das langfristige Ziel von 80 Prozent wird damit deutlich verfehlt.
Für 2026 rechnet die Stadt erneut mit hohen Kosten: Insgesamt sind mehr als 1,4 Millionen Euro eingeplant, davon rund 1,3 Millionen Euro gebührenfähig. Sollten die Gebühren steigen, erwartet die Stadt Einnahmen von 942 678 Euro, ohne Anpassung wären es nur 870 073 Euro.
Der größte Kostenblock sind die Grabnutzungsgebühren, die rund 74 Prozent der Gesamtkosten ausmachen. Da 2025 keine Erhöhung erfolgte und die Kosten weiter steigen, schlägt die Verwaltung nun eine Anhebung vor.
Ortschaftsrat Heselwangen übt Kritik
Zu Beginn der Sitzung des Verwaltungsausschusses bezeichnete Endingens Ortsvorsteher Thomas Meitza das Thema als schwere Kost. „In Heselwangen war man der Meinung, der Zuschlag sei zu massiv.“ Er selbst hält die Erhöhung auf zwei Jahre verteilt hingegen für vertretbar.
Meitza schlägt im Rathaus einen Zuschlag für bestimmte Leistungen vor, etwa für relativ hohe Mauern mit Urnennischen. Die Stadt plant einen Zuschlag für Mauernischen und Urnenkammern, weil deren Anlage besonders teuer ist.
Dieser beträgt 603 Euro für die bauliche Investition und 149 Euro für die Abdeckplatte – zusammen also 752 Euro. Die Nutzung der Leichenhallen soll hingegen nicht teurer werden.
So viel kosten Bestattungen in Balingen
In der Balinger Kernstadt und den Stadtteilen gibt es insgesamt 13 Friedhöfe mit mehr als 9000 Grabfeldern. Nach aktuellem Stand vergibt die Stadtverwaltung jährlich 466 Nutzungsrechte für Bestattungen und Verlängerungen.
Die Kosten für eine Bestattung variieren: So kostet eine Erdbestattung von Personen ab 10 Jahren 870 Euro pro Person. Eine Urnenbestattung in einem Erdgrab liegt bei 570 Euro, in einer Mauernische kostet sie 200 Euro.
Die Grabnutzungsgebühren in der Eyachstadt unterscheiden sich analog dazu, je nach Grabform. Ein Reihengrab kostet derzeit 1990 Euro pro Jahr, ein Urnenreihengrab 1230 Euro, das Urnengrab in der Mauernische liegt bei 1120 Euro.
Ein Wahlgrab ist am teuersten: Hinterbliebene müssen mit Kosten zwischen 3320 und mehr als 6600 Euro rechnen. Das hängt davon ab, ob die verstorbene Person in einem einfachen oder einem doppelten Wahlgrab beerdigt wird. Ein Urnenwahlgrab in der Friedhofsmauer liegt derzeit bei 1550 Euro.
Die ruhigste Parkanlage der Stadt
Bei der Gestaltung der Balinger Friedhöfe, insbesondere des Stadtfriedhofs, habe man darauf geachtet, den Grüncharakter zu erhalten, sagt Baudezernent Michael Wagner am Dienstagabend.
Im Grunde sei der Friedhof zugleich die ruhigste Parkanlage inmitten der Stadt. Er sei weiterhin ein Befürworter der Urnennischen in Mauerwänden, am Rande des Friedhofs, betont er auf Nachfrage.
Die Stadt sei aber bereit, sich über den Vorschlag zu unterhalten, Urnennischen in Zukunft auch inmitten des Friedhofs zu platzieren. Aber erst dann, wenn die vorhandenen Nischen belegt sind.
Grünen-Stadtrat Erwin Feucht regt zudem an, zehn bis 15 weitere Bäume zu pflanzen. Die Nachfrage nach Urnengräbern steige, die Gräber würden kleiner – dadurch entstünde mehr freie Fläche. Die Friedhöfe leisten einen Beitrag zum Umweltschutz. „Es ist ein Habitat für viele Vögel.“
Finales Votum am 16. Dezember
Die Verwaltung hält die Anpassungen für notwendig. Je mehr Geld aus dem allgemeinen Haushalt für die Friedhöfe zugeschossen werden muss, desto weniger bleibt für andere Aufgaben der Stadt übrig.
Am Ende fällt die Vorberatung der Ausschussmitglieder am Dienstagabend für die neue Kalkulation und die damit einhergehende Erhöhung der Grabnutzungsgebühren einstimmig aus. Damit ist der Weg für eine Änderung geebnet; die finale Entscheidung trifft der Gemeinderat aber erst am 16. Dezember.