Gut gefüllt sind mittlerweile die Urnenkreise (Hintergrund). Vorne ist das Urnenhochgrab zu sehen. Foto: Liebau

In der jüngsten Sitzung des Technischen- und Umweltausschusses stellte Landschaftsarchitekt Jochen Dittus von der AG Freiraum ein erstes Konzept für die Neugestaltung des Friedhofs der Uhrenstadt vor.

Furtwangen - Zunächst aber verwies Bürgermeister Josef Herdner darauf, dass dieses Konzept zunächst Diskussionsgrundlage sei – er bitte darum, die Gestaltungsideen in die Fraktionen zu tragen – eine Umsetzung werde dann gemeinsam im Gemeinderat beraten und beschlossen.

Hintergrund der Betrachtungen ist die Tatsache, dass die Urnenkreise 1, 2 und 4 bereits belegt sind, im Urnenkreis 3 nur mehr 19 Felder frei sind, auch bei den Baumbestattungen sei nur noch ein Rohr frei. In den Urnenstelen und -wänden seien nur noch drei Kammern frei, auch das Urnenhochgrab verzeichnet nur noch neun freie Rohre.

Immer mehr Feuerbestattungen

Gerade in den letzten Jahren sei die Zahl der Feuerbestattungen stetig gestiegen, dagegen hätten die Sargbeisetzungen deutlich abgenommen. Im Jahr 2020 hätten 70 Urnenbeisetzungen und gerade mal 19 "normale" Bestattungen stattgefunden.

Künftig, so die Vorstellung des Landschaftsarchitekten, soll der Friedhof einen eher parkähnlichen Charakter bekommen, der gestalterisch auch zum Verweilen einlade. Dabei nimmt er die Formensprache der Urnenkreise auf, lockert sie aber durch Stauden und Gebüsch auf und sorgt zugleich für mehr Abgeschiedenheit der einzelnen Felder. Dabei hatte er vor allem die freien Rasenflächen im Westteil des Friedhofs im Blick – relativ lang, aber eher schmal. Die Urnengrabstätten selbst könnten in verschiedenen Varianten geboten werden, pflegefrei mit individuellem Grabschmuck, Gemeinschafts- und Einzelgräber, gemeinschaftliche Grabstelen oder individuelle Einzelgrabsteine und natürlich auch anonyme Grabfelder.

Stefan Schonhardt (CDU) fand, nachdem er sich die Gestaltungen eindringlich zu Gemüte geführt habe, die parkähnliche Gestaltung wunderschön. "Aber das ist mit einem immensen Pflegeaufwand verbunden, ein Gärtner ist damit völlig überfordert, zudem ist das mit enormen Kosten verbunden", sah er die Sache pragmatisch. "Wir müssten da einen Spagat zwischen Parklandschaft und Pflegeaufwand hinbekommen", pflichtete ihm der Bürgermeister bei. Die bisherigen Rondelle seien verhältnismäßig pflegeleicht. Er wies noch einmal drauf hin, dass das vorliegende Papier eine Diskussionsgrundlage sei.

Auch Ulrich Hättich (SPD) sah eine wunderschöne imposante Gestaltung, die aber mit großem Aufwand und damit einer Gebührenerhöhung verbunden sei. "Wir müssen uns bewusst sein, dass so eine 50-Prozent-Deckung der Gebühren nicht erreichbar ist", mahnte er. Zudem meinte er, dass die im Haushalt vorhandenen Mittel von 80 000 Euro eher nicht ausreichten – und dass bei sechs Monaten Winter auf 1000 Metern Höhe das Gros der Pflanzen nicht geeignet sei. Dieser Ansicht schloss sich auch Roland Thurner (UL) an: "Wir haben eine nur kurze Vegetationszeit" – er wolle die alten Bäume und die Flächen weitgehend erhalten, nicht unbedingt als Rasen, der ökologisch wenig sinnvoll sei.

Ingo Hermann (Freie Wähler) empfand das Konzept als sehr ansprechend, die eher langweilige bisherige Gestaltung werde aufgewertet. Die Frage laute: "Was ist es uns wert?" Zudem stellte er fest, dass Barrierefreiheit nicht gegeben sei durch den Rasen. Das sei zwar nicht optimal, so Dittus, aber möglich, umwelttechnisch sei sie besser als eine flächige Versiegelung. Außerdem meinte er, sei der Friedhof generell nicht barrierefrei.

Kosten sind ein "Riesenthema"

Auch Odin Jäger (FW) fand die Planung "supertoll", allerdings seien die Kosten ein Riesenthema – und die Hecken machten ihm Angst. Für die Pflege der Flächen empfahl er Mähroboter. "Sind die Mitarbeiter mit dem Konzept vertraut?", kam als Frage an Ayten Sancak als Leiterin der Friedhofsverwaltung. Dies sei der Fall, das Konzept werde aber zwiespältig betrachtet, die Mitarbeiter seien nicht voll begeistert. Durch die fehlenden Umrandungen werde die Arbeit schwieriger. "Wir müssen eine gemeinsame Lösung finden", stellte sie fest.

Josef Herdner merkte an, dass weitere Urnenfelder gebraucht würden – dann stelle sich die Frage, ob man einen reinen Friedhof oder eine Fläche zum Verweilen wolle. "Nehmt das auch mit in die Fraktionen", empfahl er abschließend, ein Beschluss wurde nicht gefasst.