Der Wunsch geht von klassischen Reihengräbern, wie hier am neuen Friedhof Sulz, hin zu pflegeärmeren Formen, beispielsweise Urnen- oder Baumbestattungen. Foto: Schneider

Eine Parkanlage mit gewundenen Wegen Bäumen- und Rasenbestattung statt klassischer Reihengräber – so könnten Friedhöfe aussehen, die der gewandelten Bestattungspraxis Rechnung tragen. Deshalb wird ein Konzept für die elf Anlagen erarbeitet.

Dass der Wandel in der Bestattungskultur auch in Sulz angekommen ist, macht Jörg Haug, Leiter des Friedhofswesen, im Ausschuss Technik und Umwelt deutlich.

 

„Ein großes Thema sind Baum- und Parkbestattungen“, stellt er im Gremium aktuelle Veränderungen dar. Auch würden vermehrt anonyme Urnengräber und Rasenbestattungen nachgefragt.

Ein Friedhofentwicklungskonzept

Auch gebe es Wünsche nach einem Kolumbarium – also einer Urnenwand. „Die klassische Erdbestattung wird hingegen weniger“, weist Haug auf eine Veränderung hin.

Dem will man in Sulz Rechnung tragen und deshalb ein neues Friedhofsentwicklungskonzept in Auftrag geben.

Nicht alles überall machbar

„Der Wandel hin zu pflegeärmeren Gräbern schafft Platz für Urnenbestattungen“, nennt Sabrina Glöckler, Leiterin der Bürgerdienste, eine Möglichkeit.

Doch sei nicht auf allen der elf Friedhöfe in der Kernstadt und den neun Teilorte alle Bestattungsformen umsetzbar. Deshalb wolle man ein Entwicklungskonzept für alle Friedhöfe erarbeiten lassen, das die verschiedenen Wünsche und Möglichkeiten darstelle.

Raum für Neues

Bob Rikken, Kommunalberater vom Ingenieurbüro Gförer aus Empfingen, erläutert seine bisherigen Erfahrungen mit der Umgestaltung bei Friedhöfen. „Der Wunsch geht zu einer parkähnlichen Entwicklung mit Aufenthaltscharakter, so dass die Angehörigen in schöner Umgebung bei ihren Verstorbenen sein können.“

Um diese Veränderungen anzugehen, sei es wichtig zu wissen, welche Gräber in den nächsten Jahren aufgelöst werden und somit Raum für neue Möglichkeiten schaffen – der so genannte Abräumplan.

Datenauswertung nötig

So könnten auf den freien Flächen statt herkömmlicher Reihengräbern Laufwege, Aufenthaltsecken oder Orte für Urnenbestattungen angelegt werden.

„Jedes Segment eines Friedhofs kann seine eigene Identität erhalten“, geht Rikken auf die unterschiedlichen Möglichkeiten ein.

Doch zuerst müssten die aktuellen Daten aus der Friedhofssoftware ausgewertet werden, um eine entsprechende Grundlage für die Planung zu schaffen.

Workshop und Konzept

Als nächstes stünde dann ein Termin mit der Arbeitsgruppe aus Ortschaftsräten, Friedhofsgärtner und Verwaltung an, um so ein Konzept für alle elf Friedhöfe zu entwerfen.

„Der Workshop mit der Gruppe kann im Frühjahr 2025 sein“, nennt der Kommunalberater einen Zeitpunkt. Die Ausarbeitung hingegen sei erst im dritten oder vierten Quartal des Jahres zu erwarten. „Es braucht Zeit, die elf Pläne zu erstellen“, erläutert er.

Neue Bestattungsformen kennenlernen

Die Sorge, dass nicht alle Bestattungsformen in den Teilorten umgesetzt werden können, nimmt er mit Verweis auf den Friedwald Horb/Empfingen. Dort Bestattete seien oftmals von weiter her. „Nicht die unmittelbare Nähe zum früheren Wohnort, sondern die Art der Bestattung ist den Menschen wichtig“, folgert er.

Auch die Stadt will sich informieren. So werde man einen“Friedhof der Zukunft“ besuchen, um neue Bestattungsformen kennenzulernen. „Wir sollten uns nicht nur im bisherigen Horizont bewegen“, erklärt Glöckler.

Entscheidung fällt einstimmig

Haug ergänzt, dass das Problem der mangelnden Breite bei den aktuellen Friedhöfen bekannt sei, da die Abmessungen für Rollstühle oder Rollatoren zu gering seien. Eine Verbesserung könne im Zuge der Neukonzeptionierung erfolgen.

Das Gremium stimmt dem Beschluss, die Entwicklungsplanung für 37 984,80 Euro an das Büro Gförer zu vergeben, einhellig zu.