Vor 100 Jahren wurde die Trossinger Friedensschule eingeweiht. Am Samstag, 20. Juli wird dieses Jubiläum nun samt Festakt und Schulfest gebührend gefeiert. Foto: Ingrid Kohler

Zum Jubiläum der Trossinger Friedensschule ist eine 100-seitige Festschrift erschienen, die beim großen Schulfest am kommenden Samstag erworben werden kann. Zur Feier des Tages gibt es außerdem einen Festakt im Konzerthaus.

Am Samstag, 20. Juli, wird mit einem feierlichen Festakt im Konzerthaus und einem großen Schulfest auf dem Gelände der Friedensschule ein ganz besonderes Jubiläum gefeiert – die Friedensschule wird 100 Jahre alt.

 

Dieses Gebäude hat eine einzigartige Geschichte, die der Trossinger Historiker Karl-Martin Ruff in einem Beitrag im Buch „Architektur, Bildhauerei, Fotografie, Grafik, Malerei in Trossingen“, das im Jahr 2008 erschienen ist, dokumentiert hat.

So wurde am 1. November 1924 der damals modernste Schulneubau in Württemberg, die Trossinger Friedensschule, feierlich eingeweiht.

Für Zeiten des Friedens

Hinter der Namensgebung stand das Bestreben ihrer Erbauer, dass die Kinder, die in diesem Hause lernen würden, aus Krieg und Unsicherheit glücklicheren Zeiten des Friedens entgegengehen sollten.

Zuvor, in der Kaiserzeit, hatte man in den Schulen Gehorsam und Disziplin ganz groß geschrieben, und ein Schulhaus war oft kaum von einer Kaserne zu unterscheiden. Zu Beginn der 1920er-Jahre genügten die bisherigen Trossinger Schulgebäude den steigenden Schülerzahlen der aufstrebenden Industriegemeinde in keiner Weise mehr.

Altes Schulhaus zu klein

Besonders war das alte Schulhaus auf der Löhr viel zu klein geworden, der Fabriklärm störte den Unterricht, und es mangelte den Schülern an Licht und Luft. Der Gemeinderat beschloss deshalb, die alte Schule um 40 000 US-Dollar an die Firma Hohner zu verkaufen, die zu einem Neubau noch einmal die gleiche Summe beitragen wollte.

Regierungsbaumeister Dr. Richard Döcker aus Stuttgart, der sich auch als Architekt der dortigen Weißenhof-Siedlung und Vertreter der „Neuen Sachlichkeit“ einen Namen gemacht hat, wurde Sieger in einem Architektenwettbewerb. Nach seinen Plänen entstand unter der Bauleitung von Ortsbaumeister Achauer das „Sammelschulgebäude“, das ein Haus für verschiedene Schularten werden sollte.

Grundstein 1923 gelegt

Bei der Grundsteinlegung am 8. November 1923 wurden eine Beschreibung des Schulneubaus, eine Schilderung der gegenwärtigen Zeitverhältnisse, Münzen, Getreide und andere Dokumente in eine Kassette eingelegt. Der Architekt des neuen Gebäudes wollte das neue Schulgebäude nicht einfach als massigen Klotz mit einer prunkvollen Fassade neben die kleinen Häuser der Friedensstraße stellen. Deshalb wurde das Schulhaus mehrfach abgewinkelt und nicht überall gleich hoch gebaut.

Bewusste Architektur

Von der Hausmeisterwohnung auf der einen und der Turnhalle auf der anderen Seite steigt das Dach bis zum höchsten Punkt beim Uhrturm an. Das Satteldach mit dem spitzen Giebel erinnert an heimatliche Bauformen. Dabei sind aber Backsteine und Beton als wichtige Baumaterialien bewusst sichtbar gelassen.

Die Nischen an den Haupteingängen sollen die Näherkommenden gleichsam zum Eintreten auffordern. Die Bedeutung der Eingänge wird noch durch Inschriften betont, die auf die pädagogische Aufgabe des Hauses hinweisen. So liest man am Südportal die Worte: „Jugend-Freude-Sonne, Alter-Reife-Glück“. Am Ostportal steht in Stein gehauen: „Wachsen-Werden-Blühen, Wagen-Wissen-Können.“

Ein Aufzug und ein Brunnen

Die Stockwerke sind durch einen Aufzug miteinander verbunden, zu jener Zeit eine völlige Neuheit im Schulbau. Ebenso die elektrische Uhrenanlage, die Drahtglaswände und die Wasserspülung in den Toiletten. Aus einem Brunnen in der Pausenhalle konnten die Schulkinder zum mitgebrachten Vesper frisches Trinkwasser schöpfen. Nicht immer sind es Schüler und ihre Lehrerinnen und Lehrer gewesen, die hier ein- und ausgingen. Bei Kriegsende im Jahr 1945 machte die näher rückende Front die Verlegung des Reservelazaretts Emmendingen in die Friedensschule notwendig, und nach dem Krieg verwandelte sich das Haus in eine französische Kaserne.

Sechs Bildungseinrichtungen in den 1950er Jahren

Erst seit 1950 dient sie wieder der Bildung der Jugend. Wie sehr der Friedensschule die Bezeichnung „Sammelschulgebäude“ zukam, zeigt die Belegung des Hauses in den 1950er Jahren. Damals waren hier nicht weniger als sechs verschiedene Bildungseinrichtungen untergebracht: Die evangelische und katholische Volksschule, die Frauenarbeitsschule, die Gewerbeschule, die Handelsschule und zuletzt die Oberschule, aus der das spätere Gymnasium hervorgegangen ist.

Heute sind es die Schülerinnen und Schüler der dreizügigen Grundschule Friedensschule und der Grundschulförderklasse, die hier unterrichtet werden. Außerdem wird ein Teil des Gebäudes von der Volkshochschule genutzt.

Festschrift mit 100 Seiten

Zum Jubiläum ist nach der Idee und Koordination von Schulleiterin Sandra Heizmann eine 100-seitige Festschrift erschienen mit Beiträgen von Susanne Irion, Martin Häffner und Sandra Heizmann. Anneliese Burgbacher steuert Anekdoten aus den 1950er- bis 1970er-Jahren bei, Regina Götz einen Beitrag über die Friedensschule als Grundschule, Florian Rabus berichtet über den Hagelschaden 2006 und Jens Kistenfeger über die Volkshochschule. Außerdem sind in der Festschrift Klassenfotos aus dem Jahr 2024 abgebildet.

Im Rahmen des Schuljubiläums am Samstag, 20. Juli kann diese Festschrift für fünf Euro erworben werden.

Der Festakt findet am Samstag, 20. Juli um 11 Uhr im großen Saal des Konzerthauses statt mit Grußworten, Festrede, sowie Beiträgen von Schülern und Kollegium.

Ab 12.30 Uhr beginnt dann das große Schulfest auf dem Gelände der Friedensschule mit Bewirtung durch den Elternbeirat, Verkauf von Schüler-Produkten aus der Projektwoche und Produkten der New Bright School, der Partnerschule aus Uganda.

Historisches und Glücksrad

Es gibt ein Glücksrad mit Preisen, Infos über die Volkshochschule und den Förderverein der Friedensschule. In den Klassenzimmern werden die Ergebnisse der Projektwoche präsentiert. Es gibt ein historisches Klassenzimmer mit Fotos, Stadtarchivar Martin Häffner bietet Hausführungen an. Außerdem gibt es vielfältige Auftritte und Vorführungen im Musiksaal und in der Schulturnhalle.