Das Schwimmbad in der Friedensschule in Schwenningen bewegt seit einigen Wochen die Gemüter der Bürger der Doppelstadt. Foto: Kratt

Die Initiative zum Erhalt des Schwenninger Friedensschulbads ist auch in den Sommerferien fleißig dabei, Bürger zu mobilisieren. Rund 3500 Unterschriften sind für die Petition schon gesammelt. Jetzt wird mit einem offenen Brief an den Gemeinderat appelliert.

Villingen-Schwenningen - "Entscheiden Sie sich mit uns für den Erhalt des so dringend gebrauchten Bades, stimmen Sie mit uns gegen die fortwährende ›Schließeritis‹ in Schwenningen, kämpfen Sie mit uns für den Erhalt dieser liebenswerten Stadt, lassen Sie Schwenningen nicht im Stich!", heißt es am Ende des ausführlichen Schreibens, das den Gemeinderatsmitgliedern in den Ferien zugeschickt worden ist.

Es lohnt sich zu kämpfen

"In vielen Gesprächen mit Bürgern an unseren Infoständen haben wir festgestellt, dass es sich lohnt um das Bad zu kämpfen", meint Michael Schopfer, Mitbegründer derjenigen Initiative, die sich kurz vor den Sommerferien für den Erhalt des von der Schließung bedrohten Friedenschulbads gegründet hatte, optimistisch.

"Denn wir sehen nicht mehr ein, dass hier fortwährend Institutionen wie eben das Friedenschulbad geschlossen werden", heißt es in dem Brief weiter. Es geht also vor allem ums Schwimmbad, es geht es aber auch um die grundsätzliche Situation und "bedenkliche Entwicklung" im Stadtbezirk Schwenningen.

Viele Brennpunkte in Schwenningen

In den zahlreichen Bürgergesprächen sei deutlich geworden, was gerade in Schwenningen alles falsch läuft: erhöhte Kriminalität, Clangehabe im Mauthepark und LGS-Gelände, Drogenkriminalität, zerschlagene Schaufenster, Leerstände, Brandruinen, ein inzwischen wieder maroder Marktplatz oder keine Fortführung und Fertigstellung der Fußgängerzone Muslen – "man könnte die Beispiele ins Unendliche führen".

Das alles gipfele nun in der Schließung des Hallenbades Friedensschule, gerade im Jahr des 50-jährigen Jubiläums von VS. Scheinbar seien OB Jürgen Roth und Bäderchef Gregor Gülpen der Meinung gewesen, dass sie mit derartigen klammheimlichen Entscheidungen durchkommen, ohne dass sich die Bürger der Stadt regten. "Aber da haben sie sich getäuscht."

Diese Fakten werden aufgelistet

Schopfer und seine Mitstreiter rund um Yvonne Hauser, Robert Grüneis und Elisabeth Weber listen die Fakten auf, die in den vergangenen Wochen zur Sprache gekommen sind: Alleine in Schwenningen gebe es rund 1600 Grundschüler, und bereits heute könne jeder zweite Zehnjährige nicht schwimmen. Die Wartelisten bei den Schwimmvereinen, beim DLRG und bei privaten Schwimmtrainern sind übervoll. Laut einer Info des Schwenninger Schwimmclubs bekomme ein zum Schwimmkurs angemeldetes, heute vierjähriges Kind mit sechseinhalb Jahren einen Platz. Dies liege daran, dass es keinerlei Möglichkeiten gibt, um weitere Kapazitäten zu bilden. Mit der Schließung des Friedenschulbades werde sich diese Situation weiter verschlimmern. Synchronschwimmen wäre zudem im Neckarbad wegen der geringen Wassertiefe gar nicht möglich.

Eine Sünde an Kindern und Jugendlichen

"Die Stadt Villingen-Schwenningen steht unserer Meinung nach in der Pflicht, jedem lernwilligen Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, das Schwimmen zu erlernen", heißt es dann in der Stellungnahme, und weiter: "Kommunalpolitiker, die Bäder stilllegen, versündigen sich an Kindern und Jugendlichen".

Die weggefallenen Kapazitäten ins Neckarbad oder ins Hallenbad Villingen zu verschieben, seien nicht umsetzbar: In Villingen sei das Hallenbad bereits jetzt zwei Tage wegen des Schulsports für die Öffentlichkeit geschlossen, von Abtrennungen für die Schwimmsportvereine wie DLRG und SSC ganz zu schweigen. Dies werde und könne auch im Neckarbad nicht ohne massivste Beschränkungen vonstatten gehen.

Jetzt sind kreative Ideen gefragt

Die Stadtwerke begründeten die Schließung mit stark gestiegenen Energiekosten und einem Investitionsvolumen von 400 000 Euro. "Sind diese Zahlen aus der Luft gegriffen? Gibt es hier belastbare Zahlen und Voranschläge, wie man auf diese Summe kommt?" Hier werde eine genauere Aufklärung gefordert – ebenso, dass "erst einmal alle Hebel in Bewegung gesetzt werden", um die Schließung zu verhindern. Kreative Ideen seien nun gefragt, unter anderem Fördertöpfe von Bund und Land abzugreifen, zudem Überlegungen in Richtung Sponsoring, Benefizveranstaltungen, Verlosungen, Vereinsgründung, Übergabe an Schwimmvereine oder einen Bad-Förderverein.

In Schwenningen wird zu wenig getan!

Schließlich wird der Bogen wieder zu den allgemeinen Aktivitäten im Stadtbezirk Schwenningen gespannt, in dem laut der Friedensbad-Protestler zu wenig getan werde: Die Neckarhalle sei zu 70 Prozent ungenutzt, das Eisstadion sei zwar zur Multifunktionsarena umgestaltet worden, "aber außer Eishockey und einmal Bülent Ceylan, nichtsnichtsnichts". Der Marktplatz sei als Eventplatz gestaltet worden und der Muslenplatz habe sogar eine Tribüne zur Stadtkirche hin, werde aber außer zur Kulturnacht nicht genutzt. Man lasse Schwenningen vergammeln und verrotten. "Hat Schwenningen Kultur nicht verdient? Und ist das Recht und die Möglichkeit schwimmen zu können, nicht auch Kultur, die gefördert werden muss?"