Ein Bild aus vergangenen Tagen: Die Schüler der Friedensschule haben im schuleigenen Schwimmbad Unterricht. Jetzt sollen sie möglicherweise ins Bad der nahegelegenen Lebenshilfe ausweichen. Foto: Archiv Kratt

Erstmals seit Veröffentlichung wird das drohende und heiß diskutierte Aus des Friedensschulbads nun auch politisch behandelt. Mit einer Beschlussvorlage informieren Verwaltung und Bäder VS jetzt die Stadträte – und wollen sich über ihr weiteres Vorgehen nun doch absichern.

VS-Schwenningen - In der vergangenen Woche noch hatte Gregor Gülpen, Geschäftsführer der Bäder VS (BVS), bei einem Pressetermin betont, dass die anstehende, rund dreimonatige vorübergehende Schließung keinesfalls das eindeutige Aus des Friedensschulbads bedeuten würde, vielmehr sei es eine Probephase, weil in Zeiten der Energiekrise nicht drei Hallenbäder gleichzeitig betrieben werden könnten.

 

Probe- soll auf Regelbetrieb umgestellt werden

In der Verwaltungsvorlage für die nächste Gemeinderatssitzung am Mittwoch, 21. September, in der der aktuelle Sachstand rund um das seit den Sommerferien geschlossene Bad erläutert wird, geht der Tenor seitens der BVS allerdings wieder in eine klare andere Richtung. Es wird deutlich, was mit Vereinen und Aufsichtsrat bereits besprochen wurde: Die Bäder VS werden das Friedensschulbad definitiv nicht mehr betreiben. Bekannterweise soll in der dreimonatigen Probephase von Ende September bis Januar 2023 der Vereinsbetrieb auf das Neckar- sowie auf das Villinger Hallenbad umgestellt, die dortigen Bedingungen entsprechend optimiert und angepasst werden. Das Bad der Lebenshilfe nahe der Friedensschule könnte deren Schülern mit Schwimmzeiten zur Verfügung stehen. Ab Januar wechselt dann der Probe- in einen Regelbetrieb, so die Verwaltungsvorlage, die Betriebsbereitschaft des Friedensschulbads ist ebenso bis Ende Januar sichergestellt. Bis Dezember wird den betroffenen Vereinen sowie der Stadt VS die Möglichkeit eingeräumt, zu prüfen, ob sich der Betrieb in Eigenregie weiterführen lässt.

Kritik wird entschieden zurückgewiesen

Stadt und Bäder VS nutzen die Vorlage aber auch, um die "emotionale Sichtweise" darzulegen – und auf diejenigen Punkte einzugehen, die von vielen Bürgern und Vereinsvertretern zunächst kritisiert worden waren: "Außer Zweifel steht für die BVS, dass die Zusammenlegung den Komfort aller Badegäste einschränkt...", heißt es im Verlauf der Vorlage, ebenso wie beim Fazit: "Emotional ist ein herber Einschnitt für unsere Badegäste zu erwarten." Dabei wird auch auf die Petition eingegangen, die kurz vor den Sommerferien zum Erhalt des Friedensschulbads gestartet wurde und mittlerweile mehr als 3000 Unterschriften generieren konnte. "Die BVS nimmt jede Unterschrift ernst", so der Kommentar in der Vorlage.

Einschränkungen werden prognostiziert – für alle

Die mit der Petition verbundene Aussage, dass infolge der Schulbad-Schließung "Kinder nicht mehr schwimmen lernen", entspreche nicht der Realität, "denn kein Kind wird wegen der Zusammenlegung der Bäderbetriebe vom Schwimmen lernen abgehalten. Es wird im Gegenteil ein zuverlässiger Zugang zu einer modernen Schwimmeinrichtung ermöglicht, welcher im Friedensschulbad auf Grund ihrer technischen Situation dauerhaft nicht gewährleistet werden kann", so die BVS. Auch die Formulierung "Wassersportarten können nicht mehr ausgeführt werden (ohne Mehraufwand)" stimme nicht: "Alle Wassersportarten können weiter betrieben werden. Eventuell zu einer anderen Uhrzeit und in einer anderen Schwimmhalle. Teilweise wurden die Trainingszeiten sogar erweitert. Der Mehraufwand ist wirtschaftlich sogar geringer", sagen die BVS. Gleichzeitig wird aber am Schluss betont: "Die Allgemeinheit wird sich einschränken müssen, da durch die Mehrfachnutzung natürlich weniger Wasserfläche vorhanden sein wird. Wir werden zusammenrücken und einen Teil des heutigen Standards abgeben müssen, damit das große Ganze erhalten bleiben kann."

Möglichkeiten zum Erhalt beziehungsweise zur Sanierung des Friedensschulbads hat die BVS in den vergangenen Wochen prüfen lassen, und dazu sogar auf "Die Bädermeister", eine vom Schwenninger Schwimmclub vorgeschlagene und auf (kleine) Bäder spezialisierte Beratung des Württembergischen Schwimmverbandes, zurückgegriffen. Doch der Bericht, der auch den betroffenen Vereinen vor einigen Tagen zugänglich gemacht wurde, bringt ernüchternde Zahlen und Schlussfolgen mit sich: Die Stadtwerke beziehungsweise der Bäderbetrieb müssten aus wirtschaftlicher Sicht eine Schließung andenken.

Sanierungskosten viel höher als gedacht

Zudem müssten die künftigen Eigentumsverhältnisse überprüft werden, weil die Friedensschule städtisches Gebäude ist, der kleine Teil an Lehrschwimmbecken aber dem Bäderbetrieb gehört. "Hier wäre zu überlegen, ob die Stadt diese Fläche nicht wieder in ihr Eigentum übernehmen sollte", meinen die Experten. Noch aussagekräftiger erscheint aber ihre Prognose hinsichtlich der Kosten bei einer notwendigen Sanierung: Bei dem Weiterbetrieb des Lehrschwimmbeckens mit dem Einsetzen eines neuen Edelstahlbeckens in das vorhandene Becken sowie der Gebäudesanierung mit Erneuerung der gesamten Technik, Fassaden und Revitalisierung von Umkleiden und Sanitärbereichen müsse man von rund 2,5 bis drei Millionen Euro ausgehen. Die BVS hatte bisweilen rund 400 000 Euro angesetzt. "Dies ist ein eindeutiges Signal, die Zusammenlegung auch politisch gemeinsam zu tragen", heißt es vonseiten der Verwaltung, wenngleich die Sanierung mit 45 Prozent im Zuge des Bundesprogramms gefördert werden könnte. "Die Zusammenlegung ist wirtschaftlich, ökologisch und prozessual sinnvoll und berücksichtigt die aktuelle Energie-Lage in Deutschland", so die Vorlage abschließend. Die weitere Vorgehensweise muss jetzt noch von den Mitgliedern des Gemeinderats abgesegnet werden.

Kommentar: Nachholbedarf

Von Mareike Kratt

Die Diskussion um die Schließung des Friedensschulbads könnte jetzt, nach den Sommerferien, wieder an Fahrt aufnehmen. Und dabei wollen Stadt beziehungsweise Bäder VS (BVS) das nachholen, was sie vor den Ferien eindeutig verpasst haben: Mit einer ausführlichen Vorlage für die nächste Gemeinderatssitzung wird nicht nur aus faktischer und emotionaler Sicht Stellung zu den Ergebnissen und Aktionen bezogen. Es werden endlich auch die Stadträte als Vertreter der Bürger mit ins Boot geholt. Eines scheint aber endgültig: Die BVS wird das Schulbad definitiv abstoßen. Die einzige Chance auf einen Weiterbetrieb liegt bei den (Förder-)Vereinen. Eine Unterstützung ist diesen laut eigener Aussagen vonseiten der BVS sicher. Bleibt abzuwarten, wie weit der Atem der Vereine und Aktivisten in Zeiten der Energiekrise reicht – und vor allem die finanziellen Mittel.