Gewerkschaften und der SPD-Kreisverband haben anlässlich des weltweiten Antikriegstags zu einer Friedenskundgebung aufgerufen. Mit dabei war auch der prominente Friedensaktivist Jürgen Grässlin. Dennoch kamen nur wenig Teilnehmer.
An Deutlichkeit kaum mehr zu überbieten forderte eine Kundgebung in Freudenstadt am 1. September – dem weltweiten Antikriegstag – von der Bundesregierung nachhaltige Schritte für den Frieden. „Eine neue Phase der Abrüstung und Entmilitarisierung muss eingeleitet und für kommende Jahrzehnte müssen neue Friedensverträge über konventionelle und atomare Abrüstung geschlossen werden“, so Friedensaktivist Jürgen Grässlin.
Zur Kundgebung aufgerufen hatten DGB Nordbaden, die IG Metall und der SPD-Kreisverband Freudenstadt. Angesichts der nur etwa 60 Zuhörer auf dem oberen Marktplatz zeigten sich die Veranstalter eher enttäuscht über die Resonanz, war doch mit Jürgen Grässlin einer der bekanntesten Rüstungsgegner und Friedensaktivisten Deutschlands gekommen.
Lob für die Freudenstädter
Der Autor von über 20 in mehrere Sprachen übersetze Bücher hatte für den Antikriegstag eine spezielle Rede vorbereitet. So bekundete Grässlin, dass er schon seit seiner Lehrertätigkeit in Sulz viele Verbindungen zum Raum Freudenstadt „und seinen wunderbaren Menschen“ pflege. Den Friedensfreunden in Freudenstadt bescheinigte er, auf dem richtigen Weg zu sein.
Die einstündige Kundgebung wurde begleitet mit Liedern von Theodor Ziegler und Harald Geserer, dazu gab es Grußworte von Moderatorin Christa Dengler sowie Hans Lambacher vom SPD-Kreisverband. Zudem erlebten die Teilnehmer die Premiere des Liedes „Die Welt braucht Frieden“, von Ziegler. Das Lied endet mit den Zeilen: „Es gibt keinen Weg zum Frieden, Frieden ist der Weg allein. Hey, Ihr Leute, in Berlin seht’s doch endlich ein, die Zeitwende muss in Richtung Frieden sein.“
„Die Welt braucht Frieden“ ist auch der Titel einer Erklärung des DGB zum Antikriegstag und war zugleich das Motto der Kundgebung. Holger Egger aus Freudenstadt erklärte als ehemaliger Verdi-Landesvorsitzender, dass Friedensfreunde keine Utopisten, sondern Realisten seien. Egger: „Immer mehr Waffen bringen keinen Sieg, sie verlängern den Krieg, das Sterben und Leiden. Die Ukraine hat unsere volle Solidarität. Aber wer glaubt, eine Atommacht besiegen zu können, ist ein Fantast. Wir brauchen Diplomatie, Gespräche und Verhandlungen. Wir werden keine Ruhe geben –auch ich werde keine Ruhe geben“.
Jürgen Grässlin zeigte sich dankbar für die klaren Worte der Gewerkschaften. Er schilderte drastisch die Auswirkungen und Folgen von derzeit 28 Kriegen: 100 Millionen Flüchtlingen weltweit, 100 000 Tote, davon 20 000 Zivilisten, allein im Krieg in der Ukraine.
Grässlin warnte eindringlich vor einem Atomkrieg, dem die Welt so nahe sei wie noch nie. Zudem warnte er vor dem Irrglauben, dass immer mehr Waffen Frieden schaffen würde. Er forderte die Bundesregierung auf, Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine, aus Weißrussland und Russland generell Asyl zu gewähren.
Aufruf zum Handeln
Mit Hinweis auf die von Bundeskanzler Olaf Scholz verkündete Zeitenwende und das 100-Milliarden Euro Sondervermögen für Aufrüstung der Bundeswehr rief Grässlin auf zur „Zeitenwende der Zeitenwende“ und damit zum aktiven Einsatz für Frieden: „Jetzt ist nicht die Zeit, um sich still und leise ins Privatleben zurückzuziehen. Jetzt ist die Zeit gekommen zum aktiven Handeln, zur vehementer Einmischung in die politischen Diskussionen auf allen Ebenen, zum gewaltfreien und kreativen Widerstand gegen die Zerstörung unseres Planeten“.