Bei instrumentaler Begleitung durch Mark Finnern (von rechts) und mit Moderatorin Barabara Olowinsky sangen die Gäste aus binationalen Partnerschaften Michaela Schottenbauer (von links), und Jean-Marc Hergott, Anne-Marie Beaurier-Storz, Christine Gay-Rupp sowie Anne und Thomas Herzog gemeinsam mit dem Publikum zweisprachige Friedenslieder. Foto: Baumgartner

Der Frieden in Europa ist durch bewusste Annäherung gewachsen: Mögen gelernt und geküsst hatten sich nach den Weltkriegen nicht nur die einstigen Erbfeinde Deutschland und Frankreich, sondern auch binationale Paare der Nachbarstaaten.

Bei der Friedensdekade hatte der Frauenbeirat Schramberg einen thematischen Abend namens „Deutschland küsst Frankreich“ im Schlossfoyer organisiert.

 

Kennengelernt hatte sich einige der befragten Paare durch den Austausch im Rahmen von deutsch/französischen Städteparterschaften. Die von den jeweils damaligen Staatschefs Charles de Gaulle und Konrad Adenauer ins Leben gerufenen politisch und kulturell Verbindungen zur Überwindung deutsch/französischer Ressentiments auf beiden Seiten, hatten offenbar ihre Ziele auch in der Eheanbahnung nicht verfehlt, wie die Gäste berichteten.

Die vormalige Französischlehrerin am Schramberger Gymnasium, Barbara Olowinsky, moderierte die Gesprächsrunde der Lebenspartner auf sehr persönliche Weise. So musste Thomas Herzog seinen Urlaub in Frankreich verlängern, weil sich damals „etwas angebahnt“ hatte mit seiner späteren Ehefrau Anne, einer Freundin seiner Brieffreundin.

Städtepartnerschaft als Grundlage

Beim Schüleraustausch zwischen Rouen und Hannover, so berichtete Christine Gay-Rupp aus Sulgen, habe sie einst ihre "erste Liebe" getroffen - und zog in der Folge 1976 nach Lehrte (bei Hannover).

Netten Gast getroffen

„Einen sehr netten Gast“ traf eine weitere Französin als sie 1976 in der Gastronomie Geld verdiente, um dort Zeit für sprachliche Feinheiten beim Deutsch zu finanzieren. Die Sprache wollte sie eigentlich für einen Beruf in der französischen Tourismusbranche anwenden. Doch sie heiratete den „netten Gast“ und blieb.

Schüleraustausch im Elsass

Um spätberufene Liebe ging es beim damaligen Deutschlehrer in Frankreich Jean-Marc Herrgott und der Französischlehrerin in Deutschland Michaela Schottenbauer, als sie sich beim Schüleraustausch ihrer Schützlinge erstmals im Elsass trafen. „Jetzt bleibe ich bis zum Schluss in Schramberg, wenn ich darf“, so der Ehemann mit ironischem Seitenblick zu seiner Frau, die ein „Ach was“, zurückgab.

Verschiedene Emotionen

Olowinsky kitzelte unterschiedliche Erfahrungen der Paare beispielsweise bei der Reaktion deren Familien auf die ausländischen Ehepartner heraus. Wenn überhaupt Ablehnung, dann war sie zumeist von der Kriegsgeneration in der eigenen Familie gekommen. Der Stachel der Diffamierung des Partners als barbarischer „Boche“ saß bei einer Französin tief. Bei einer anderen im Publikum ließ das „Herzlich Willkommen in unserer Familie“, des deutschen Schwiegervaters sogar Tränen der Rührung aufsteigen.

Manches hat sich gewandelt

Ein Wolfacher Paar wusste von stummer Ablehnung im Gemeinschaftsraum einer Wanderhütte noch in den 1970er-Jahren. „Doch heute spielen wir – Franzosen und Deutsche – gemeinsam und mit viel Gelächter Gesellschaftsspiele.“ Wie für viele andere waren Ressentiments der Familien wie beim Ehepaar Herzog kein Thema mehr. „Für uns war Reisefreiheit durch Schengenabkommen und Euroeinführung ein Grund zur Freude“, so Thomas Herzog.

Differenz bei Pünktlichkeit

Allein die unterschiedlichen Auffassungen von Pünktlichkeit und Ordnung empfanden einige Ehepartner als vermeintlich typische kulturelle Differenzen. Gelte die französische „Quart d’Heure“ als Viertelstunde der Höflichkeit, kämen die Deutsche lieber eine halbe Stunde zu früh. Wobei das Vorurteil durch eine überpünktliche Französin und ihren deutschen Ehemann sogleich widerlegt wurde.

Toleranz und Respekt

Ein Rezept zum Gelingen deutsch französischer Beziehungen konnten die Paare nicht geben: Nicht nur eine Ehe brauche im allgemeinen Toleranz und Respekt, waren sie sich mit dem Publikum einig.

Zum Schluss des kurzweiligen Abends im binationalen Austausch dankte die Vorsitzende des Frauenrats, Dorothee Golm, dem musikalischen Begleiter der gemeinsam gesungenen, zweisprachigen Friedenslieder Mark Finnern sowie der Ideengeberin, Mitorganisatorin und Moderatorin Barabara Olowinsky und lud die Gäste zur Fortführung des Abends ins Schlosscafé und zu deutsch/französischen Häppchen ein.