In neuem Glanz erstrahlt die Stadtkirche nach ihrer Renovierung, die fast zwei Jahre dauerte. Foto: Sannert

Fast zwei Jahre lang wurde das Innere der Freudenstädter Stadtkirche aufwendig saniert. Hellere Farben lassen den Kirchenraum jetzt höher und freundlicher erscheinen und die neue Technik macht nun auch Live-Übertragungen der Gottesdienste möglich.

Freudenstadt - Die Stadtkirche, die dem Land Baden-Württemberg gehört, und die von der evangelischen Kirchengemeinde Freudenstadt genutzt wird, ist eine Winkelhaken- und damit eine ganz besondere Kirche. Die Innensanierung, mit der im August 2019 begonnen wurde, kostet insgesamt 2,93 Millionen Euro. Das Land übernimmt davon rund 1,64 Millionen Euro. Den Rest muss die Kirche aufbringen. Nach Abzug der Zuschüsse von Landeskirche und Kirchenbezirk bleiben noch 840 000 Euro an der evangelischen Kirchengemeinde Freudenstadt hängen, die auch aus Spenden und Opfergaben finanziert werden.

"Wir haben schon länger Rücklagen gebildet", sagt Dekan Werner Trick, der für jede Gabe dankbar ist. Bevor das Land, das durch den Landesbetrieb Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Pforzheim, mit der Innensanierung loslegen konnte, musste die Stadtkirche erst einmal ausgeräumt werden.

Sämtliche Kirchenbänke und die Ausstellung zur Geschichte wurden abgebaut und der Taufstein sowie die beiden Orgeln eingepackt und verhüllt. Lesepult und Kruzifix brachte die Kirchengemeinde sicher im Alpirsbacher Kloster unter. Altarkreuz, Kerzen und Paramente wurden in das Gemeindehaus Ringhof gebracht, wo während der Bauzeit die Gottesdienste stattfanden.

Decken neu gestrichen

Die Bodenplatten aus Sandstein sowie das Parkett wurden zuerst entfernt. Einige der Sandsteinplatten konnten wiederverwendet werden, der Rest ist neu. Unter der Kirchendecke wurde ein Gerüst aufgestellt, um die 17 Engelsfiguren aus Sandstein reinigen und die Decken im nach Osten ausgerichteten "Männerschiff" sowie im "Frauenschiff", das gen Norden zeigt, neu streichen zu können. Die imitierten Gewölberippen sind jetzt nicht mehr braun sondern weiß, so wie sie ursprünglich nach dem Wiederaufbau waren.

Um die Emporen und die Kanzel anzugleichen, erhielten auch sie statt des grauen Farbtons einen weißen Anstrich. Die vorhandenen Pendel- und Wandleuchten wurden mit dezenten Deckenstrahlern ergänzt, um die Stadtkirche auch am Abend besser auszuleuchten. An den Stellen, an denen die Kirchenbänke standen, wurde ein Estrich eingebracht, darauf ein Parkettboden verlegt und schließlich die überarbeiteten und aufgefrischten Kirchenbänke wieder eingebaut.

Jetzt sind Sandstein- und Parkettboden auf einem Niveau und es gibt keine Stolperfallen mehr. Der Holzboden auf den Emporen musste dagegen nur abgeschliffen werden. Es wurde aber auch viel erneuert, das mit bloßem Auge gar nicht sichtbar ist. So wurde die ölbefeuerte Umluftheizung durch acht Thermostationen ersetzt, die im gesamten Gotteshaus verteilt sind und künftig für eine gleichmäßige Wärme sorgen. Um die Rohre zu den Thermostationen verlegen zu können, musste der Boden in beiden Kirchenschiffen aufgegraben werden.

Eine Induktionsschleife wurde verlegt und neue, hochwertige Lautsprecher installiert, um die Akustik zu verbessern. Weil die Elektrik in Kirche und Turm noch aus der Zeit des Wiederaufbaus der Kirche stammte, hatte sich der Bauherr dazu entschlossen, sie komplett zu erneuern. Vom neuen Schaltpult aus können künftig Glocken, Beleuchtung und die Lautstärke der Mikrofone gesteuert werden. Dank eines Beamers lassen sich jetzt auch Lieder und Texte so an die Wände projizieren, dass sie von beiden Kirchenschiffen aus zu sehen sind. Dafür muss allerdings das Kruzifix versetzt werden. Die Gottesdienste können außerdem mit einer Kamera aufgezeichnet und live ins Krankenhaus oder zu den Gemeindemitgliedern nach Hause übertragen werden.

Besonders froh ist Dekan Trick über den neuen, mit Fußbodenheizung, Möbeln und Lautsprechern ausgestatteten Eltern-Kind-Raum vor der Sakristei. Familien mit kleinen Kindern können von hier aus, nur durch eine Glasfront getrennt, am Gottesdienst teilnehmen. Bei der Sanierung wurde aber auch an ältere oder gehbehinderte Menschen gedacht. Für sie wurde am mittleren Eingang der Absatz entfernt, sodass sie nun barrierefrei in die Stadtkirche gelangen können.

"Wir freuen uns sehr, dass wir unsere Stadtkirche wieder haben", bringt Dekan Werner Trick seine Vorfreude auf Sonntag, 13. Juni, zum Ausdruck. Denn an diesem Tag wird nach Abschluss der Sanierungsmaßnahmen die Wiedereinweihung der Stadtkirche mit einem Festgottesdienst gefeiert.

Orgeln werden gestimmt

Bis dahin gibt es noch viel zu tun, denn noch ist nicht alles an seinem Platz. In diesen Tagen werden noch die Orgeln neu gestimmt. Der Eltern-Kind-Raum ist noch nicht eingerichtet, die Ausstellung zur Geschichte der Kirche im Nordschiff steht noch nicht, und auch das Kruzifix muss noch an seinen Platz.

Der Einweihungsgottesdienst beginnt am 13. Juni um 10 Uhr. Coronabedingt wird es im Anschluss weder einen Festakt noch einen Stehempfang geben. Stattdessen bekommen die Gottesdienstbesucher eine 32-seitige Festschrift, in der sie alles über die Bau- und Renovierungsgeschichte der Stadtkirche erfahren, angereichert mit vielen Fotos und Grußworten kirchlicher und kommunaler Vertreter. nFür die Teilnahme am Einweihungsgottesdienst ist eine Anmeldung bei der evangelischen Kirchengemeinde unter Telefon 07441/57 26 92 oder online unter Gemeindebuero.Freudenstadt.Stadtkirche@elkw.de erforderlich. Wer in der Stadtkirche keinen Platz mehr bekommt, kann den Einweihungsgottesdienst auch über eine Live-Schaltung vom Kirchplatz aus mitverfolgen.

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