So sahen die Verkaufsräume von „Ginger & Fred“ aus, kurz bevor der Laden geschlossen wurde. Foto: Carolin Schöffler

Tim Fahrion gibt seinen Spirituosenladen „Ginger & Fred“ auf. Was den Barkeeper dazu bewogen hat, welche Rolle die Stadt dabei spielt, und wie es für ihn als Unternehmer jetzt weitergeht.

Und wieder hat ein Laden am Freudenstädter Marktplatz geschlossen. Tim Fahrion hat sein Geschäft „Ginger & Fred“ aufgegeben. Bis zum Spätsommer 2024 konnten Kunden hier diverse Spirituosen erwerben. Mittlerweile ist der Laden allerdings zu. Seine Produkte vertreibt Fahrion stattdessen in den umliegenden Geschäften.

 

Seit 2022 bot Fahrion in seinem Laden „Ginger & Fred“ insgesamt 26 eigene Spirituosen und diverse Produkte anderer Hersteller an. Zudem bietet der gelernte Barkeeper auf seiner Homepage mobile Tastings, Event-Barkeeping und – jetzt neu – eine zur mobilen Bar umfunktionierte Ape, also einen dreirädrigen Kleintransporter, genannt „APE-ritivo“ an.

Außerdem hat er mittlerweile zwei Franchisenehmer und bezog 2024 zeitweise noch den Pop-up-Store in Nagolds Innenstadt. Nun ist sein Laden am unteren Marktplatz allerdings zu. Als Begründung für die Schließung führt der Unternehmer direkt ein paar Punkte an.

Flaue Konjunktur

Neben der flauen Konjunktur und dem allgemein zu beobachtenden Sterben des Einzelhandels, was sich auch auf sein Ladengeschäft auswirke, bemängelt er vor allem fehlendes Verständnis zwischen der Stadt und den Händlern. Ihm sind es zu viele Anforderungen, die an ein junges Start-up gestellt werden.

Zudem fehlten seiner Meinung nach in der Innenstadt die Geschäfte für den täglichen Grundbedarf. Niemand müsse zwingend auf den Marktplatz, und so entdeckten viele leider gar nicht erst die dort ansässigen Läden. Dazu komme der Fremdenverkehrsbeitrag, den man als Händler zahlen müsse, ohne zwingend vom Tourismus zu profitieren. Ihm gehe es dabei jedoch nicht um die Abgaben an sich, sondern eher um ein falsches Verhältnis von Geben und Nehmen.

Er würde sich von Seiten der Stadt in manchen Punkten mehr Fingerspitzengefühl und Menschlichkeit wünschen, sagt er. Was Fahrion jedoch wichtig ist: Es geht ihm nicht darum, die Stadt an den Pranger zu stellen. Er möchte vielmehr eine Lanze für den Einzelhandel brechen.

Fokus auf Catering

Ein weiterer Grund mit seinem Laden abzuschließen, waren die verstärkten Buchungen als Caterer. Durch sein Event-Barkeeping war er zuletzt so eingespannt, dass er kaum noch selbst im Laden stehen konnte. Der Unternehmer spricht auch ganz offen über die hohe Arbeitsbelastung der letzten Jahre, den ständigen „Wechsel zwischen Geldsorgen und Geldregen“ und sein Burnout. Dazu äußert er sich auch öffentlich auf seinem Instagram-Account „gingerandfred.cocktailwelt“.

Jetzt möchte er sich im neuen Jahr auf das Wesentliche konzentrieren. Und das heißt für Fahrion: seine neue Ape, seine Franchisenehmer, seine Shop in the Shops, sein nun auf zehn Produkte reduziertes Angebot, seine Freunde, ganz viel Ostsee und Golf.

Sein Ziel wäre es, in Zukunft fünf bis zehn Apes in ganz Deutschland anbieten zu können. Zudem hat Fahrion beschlossen, nur noch Geschäfte mit Menschen zu machen, die ihm persönlich gut tun.

Einer davon ist für ihn Elke Schönmaker, Inhaberin des Geschäfts „Schoenmaker lifestyle“ und des „Schwarzwaldladen“ am unteren Marktplatz, in denen Fahrion seine Produkte ab sofort über ein „Shop-in-Shop“-Konzept anbietet. Zudem bietet er seine Artikel noch vereinzelt in Bars und im Freudenstädter Hotel Palmenwald an.

Dem Handel zuhören

Welches Geschäft nun in die Räumlichkeiten am Unteren Marktplatz einzieht, ist noch unklar. Vorerst herrscht hier nun Leerstand – kein Einzelfall. Wer sich in der Innenstadt umsieht, kann diverse leerstehende Läden mit „Zu Vermieten“-Schildern in den Schaufenstern, entdecken.

Für Inhaber Fahrion ist die „gründerfreundliche Kommune Freudenstadt“ jedenfalls mehr Schein als Sein. Seine Botschaft an die Stadt lautet daher: „Wenn ihr wollt, dass der Handel läuft, müsst ihr anfangen, ihm zuzuhören!“

Das sagt die Stadt zu den Vorwürfen

Gründerfreundlichkeit
Und was sagt die Stadt Freudenstadt dazu? Schriftlich teilt die Stadtverwaltung unserer Redaktion mit, sowohl Oberbürgermeister Adrian Sonder, als auch die Wirtschaftsbeauftragte Elka Latscha, bedauerten die Schließung. Die Plakette „gründerfreundliche Kommune“ habe man 2022 jedoch nicht umsonst erhalten, schreibt die Stadt. Die Verwaltung verweist unter anderem auf das Konzept der Pop-up-Stores, von denen allein im letzten Jahr sechs eröffnet wurden, Angebote zur Gründerberatung und Netzwerktreffs, wie das „Gründerfrühstück“.

Kommunikation
Zudem besuchten Sonder und Latscha jedes Jahr vier bis acht Betriebe, um über die jeweilige Situation und die Erwartungen an die Stadt zu sprechen, teilt die Verwaltung mit. So auch Fahrions „Ginger & Fred“ im Jahr 2023, damals noch mit als Julian Osswald, als Oberbürgermeister. Aus Sicht der Stadt sei man regelmäßig in Kontakt gewesen. Es habe – so sieht es die Verwaltung – Möglichkeiten gegeben, offen zu sprechen.

Steuereinnahmen
Die Einnahmen aus dem Fremdenverkehrsbeitrag flössen in den Unterhalt von städtischen Anlagen, Parks und Blumenschmuck. Diese machten die Stadt für Tagestouristen attraktiver, wovon auch die Ladenbetreiber profitierten. Auch fehlt es aus Sicht der Verwaltung am Marktplatz nicht an Geschäften für den täglichen Grundbedarf. Es gebe Bäckereien, Metzgereien, Konditoreien und Cafés.