Robert Marijanovic (Zweiter von rechst) aus Freudenstadt war bei der Darts-WM in London als TV-Experte Teil des Fernsehteams von Sport 1. Mit dabei zudem (von links): Jana Wosnitza, Basti Schwele und Hartwig Thöne. Foto: Sport1

Darts: TV-Experte Robert Marijanovic über die Höhepunkte des Turniers. "Spannend und hochklassig".

Darts erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Das zeigte auch die WM, die hierzulande durch deutsche Beteiligung zum Highlight wurde. Einer, der sich über den Erfolg besonders freute, war der Freudenstädter TV-Experte Robert Marijanovic.

Millionen Deutsche schalteten anlässlich des Achtelfinales der Weltmeisterschaft bei Sendern wie Sport eins ein, um beim Match zwischen Gabriel Clemens und dem Polen Krzysztof Ratajski mitzufiebern. Zwar musste sich der "German Giant" in London geschlagen geben, doch hatte vor allem sein Sieg über Darts-Größe Peter Wright für Euphorie gesorgt. "Clemens war der erste Deutsche im Achtelfinale einer Darts-WM. Das weckt natürlich Interesse", freut sich Marijanovic, der schon mehrfach bei großen Turnieren bei Sport eins seine Expertise unter Beweis stellte.

Gute Werbung

Echtes Highlight für den 40-Jährigen aus Freudenstadt war jedoch das deutsche Duell zwischen Clemens und Nico Kurz. "Das war sehr spannend und hochklassig und eine gute Werbung für den deutschen Darts. Das haben auch die Briten und Holländer anerkannt", berichtet Marijanovic. Sein enttäuschendster Moment sei damit auch das Ausscheiden des Deutschen gewesen. "Aber so ist der Wettbewerb eben. Clemens hat bewiesen, dass er ein ganz großer Sportsmann ist und hat im Nachhinein auch seine Fehler zugegeben", sagt Marijanovic.

Nicht ganz zufrieden sind für den Freudenstädter die Halbfinals gewesen. Dabei sei das Aus von Michael van Gerwen besonders überraschend gekommen. Auch dem Finale habe es an Spannung gefehlt. "Das war sehr einseitig. Gary Anderson hatte einfach keine Antwort auf das gute Spiel von Gerwyn Price."

"Ein absolut verdienter Weltmeister"

Überraschend sei der Sieg des Walisers für Marijanovic nicht gekommen. "Experten haben van Gerwen, Wright und Price vorne gesehen. Und für Price war der Weg frei nach dem Ausscheiden der anderen beiden. Allerdings hatte Price dabei keine leichte Aufgabe. Er hatte viele knappe Spiele, die sich teilweise erst ganz zum Schluss entschieden haben. Dabei hat er immer die Nerven behalten. Ein absolut verdienter Weltmeister und eine klasse Leistung", analysiert der 40-Jährige den Erfolg des Walisers, der "The Iceman" genannt wird und vor einigen Jahren noch Rugbyprofi war.

Trotz des Ausscheidens von Gabriel Clemens sei das Interesse beim deutschen Publikum für die WM geblieben. Marijanovic glaubt, dass dabei auch der Zeitpunkt eine Rolle gespielt hat. "Gerade die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr ist dafür optimal. Viele schalten da fast zufällig ein und bleiben dann hängen. Immer wieder bin ich verwundert, wie viele neue Leute dazukommen und dann die Regeln und Grundlagen des Spiels bei uns abfragen", freut sich der Experte über das Interesse.

Zwar komme das steigende Interesse der vergangenen Jahre am Darts immer wieder auch mit ein paar negativen Effekten, damit könne Marijanovic aber leben. "Mich stört dann die Kritik von Leuten, die nicht so viel Ahnung haben. Mir persönlich ist es egal, ob jemand sagt, dass Darts kein Sport ist. Es macht Spaß, das ist mir wichtig. Jeder Wettbewerb hat seinen Reiz", sagt der 40-Jährige. Darts sei vor allem mental eine Herausforderung. "Bei einem zwei bis zweieinhalb stündigen Match ist alles dabei: Wut, Trauer, Freude. Da ist man mental einfach schlapp. Das ist das Schwierige dabei."

Werbung für den Sport weiter wichtig

Der Trend und die Begeisterung für Darts habe nicht wirklich etwas mit Corona zu tun. Schon in den vergangenen Jahren habe die Euphorie für den Sport, der vor allem von Briten und Niederländern dominiert wird, immer mehr zugenommen. "Vor Corona waren die Hallen immer voller und die Ticketverkäufe hoch." Nun hofft Marijanovic auf Normalität. Allerdings sei die Werbung für den Sport weiter wichtig.

Sorgen mache er sich eher im Bereich Nachwuchs. Hier gelte es nun junge Menschen zu animieren, damit mehr und mehr Talente gefunden werden. "Ich bin mir sicher, dass in zehn Jahren ein Dutzend oder mehr Deutsche Spieler vorne mit dabei sein werden", ist Marijanovic überzeugt. In gewisser Weise habe Corona hier trotzdem etwas Hilfe geleistet. "Es wurde viel online gespielt, Turniere veranstaltet. Das geht heutzutage ja so einfach über eine Webcam." Nun hofft der 40-Jährige, dass Vereine hier die Möglichkeiten erkennen. Dabei seien auch die Verbände gefragt, die den Vereinen auf lokaler und regionaler Ebene die Basics an Hand geben müssten. "Darts hat neben Fußball bewiesen, dass es weitergehen kann – trotz Corona. Dabei gab es steigendes Interesse und eine hohe TV-Präsenz."

Für Marijanovic persönlich, der für die Darts-Abteilung des Karlsruher SC spielt, steht die Q-School bevor, die eigentlich Mitte Februar stattfinden soll. "Das sehe ich im Moment aber noch nicht", sagt er im Bezug auf Corona. Bei der Qualifying School treten 300 bis 400 Spieler an, um sich eine Tourcard zu sichern. So können sich Amateure für die Profitour qualifizieren. 2012 ist Marijanovic gelungen, was ihm große Bekanntheit in der Darts-Szene sicherte. "Das ist eines der schwersten Dinge, das zu überstehen." Nun hofft der 40-Jährige allerdings zuerst darauf, dass in allen Bereichen gemeinsam "durch Corona" kommt. "Das liegt ja jetzt an jedem selber", sagt der Darts-Experte abschließend, der auch auf einen laufenden Ligabetrieb hofft.

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