Der Ausbau der Windkraft bereitet ihnen Sorge (von links): Theo Feger, Gerold Wein, Wilhelm Schmider, Harald Weber, Minister Peter Hauk, MdL Norbert Beck, Carl Glauner, Peter Heimberger und Robert Glück. Foto: Privat Foto: Schwarzwälder-Bote

Windkraft: Bürgerinitiativen aus der Raumschaft fordern bei Minister Hauk strengere Regulierung

Die neuen Pläne für den Ausbau der Windkraft im Nordschwarzwald gefallen nicht jedem. Die Bürgerinitiativen aus Alpirsbach, Dornhan und dem Wolftal besuchten deshalb den Minister für ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk.

Kreis Freudenstadt. Mit dabei war beim Treffen in Stuttgart auch der Landtagsabgeordnete Norbert Beck (CDU). Thema des Gesprächs war der "massive Ausbau der Windkraft im Schwarzwald" und die damit einhergehenden Auswirkungen für Mensch, Landschaft und Natur. Laut Beck sei "der ungezügelte Ausbau der Windenergie in unserer windschwachen Region nicht der sinnvollste Beitrag zur Energiewende". Die Gemeinden könnten mit einem Teilflächennutzungsplan "die schlimmsten Auswüchse" zu verhindern, heißt es in einer Pressemitteilung der Initiativen.

Feger: Plötzlich fließt nur noch trübes Quellwasser

Minister Hauk sagte, es sei unmöglich, mit dem grünen Koalitionspartner neu über den Koalitionsvertrag zu verhandeln. Er sehe sich aber als Minister "auch verpflichtet, die Dinge nicht ins Uferlose laufen zu lassen". So sei durch sein Ministerium veranlasst worden, die Abstände von Rotoren, die im Staatswald genehmigungsfähig sind, auf 1000 Meter zur nächsten Wohnbebauung anzuheben. "Auch die Kommunen sollten eine solche Abstands-Empfehlung für die Kommunalwälder einhalten", so Hauk.

Gerold Wein, Biologe aus Alpirsbach, verwies auf "die Bedeutung des Waldes für das örtliche und überregionale Klima und den harmonisierenden Regulierungszyklus für Mensch, Tier und Wasser." Die Eingriffe würden "noch weitaus schlimmer" als ohnehin schon, wenn unberührte geschlossene Waldgebiete und Plenterwälder für eine "äußerst bedenkliche Technologie geöffnet und geopfert" werden sollten. Das wertvolle Kleinklima gehe durch die "massiven Eingriffe" durch zahlreiche verstreute Windenergieanlagen auf Jahrzehnte unweigerlich verloren.

Theo Feger von der "Windvernunft an Wolf und Kinzig" kritisierte die Maßstäbe der TA-Lärm zu den Abständen von Windenergieanlagen zur Wohnbebauung. Nach den Abstandsempfehlungen in Baden-Württemberg ist es möglich, die 230 Meter hohen Windkraftanlagen bis 400 Meter an Einzelgehöfte heranzubauen. Gerade der von Lärmquellen bisher unberührte sensible Außenbereich, der touristisch einen hohen Stellenwert habe, könne so nachts bis 45 Dezibel beschallt werden. Hinzu kämen die Störfaktoren Schattenwurf, das nächtliche Blinkleuchten sowie die "bedrängende Wirkung" auf Anwohner und Gäste. Dabei hätten Hofbetreiber und Hotellerie viel Geld investiert, um Gäste für die Region zu begeistern. Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen seien bereits zu neuen Erkenntnissen gekommen und hätten den Waldverbrauch stark reduziert. Die Abstände zur Wohnbebauung sind deutlich erweitert worden. Laut Hauk habe Windkraft im Schwarzwald "zweifelsfrei auch Auswirkung auf den Tourismus". Alle drei Gruppen äußerten jedoch den Wunsch, die TA-Lärm an aussagefähige Messmethoden anzupassen. Darüber hinaus sei es nicht hinnehmbar, weiterhin die Öffentlichkeit bei Großwindanlagen von 230 Metern Höhe auszuschließen.

Eines der wichtigsten Themen sei der Quell- und Wasserschutz. Carl Glauner, Chef der Alpirsbacher Klosterbrauerei, sorgt sich "erheblich um seine Quellen". Das sensible und geologisch äußerst komplizierte Ökosystem Wasser folge nicht "theoretischen Modellen von Gutachtern", so Glauner. Er hob die Bedeutung seiner "qualitätsmäßig einmaligen Quellen" hervor. Seine Brauerei werbe mit dem "berühmten Brauwasser".

Theo Feger aus Schapbach stand Glauner in dieser Frage bei. In Schapbach auf dem Kupferberg wurden die Quellen der Anwohner vor dem Bau als unbedenklich eingestuft. Nach dem Bau und dem Betrieb der Windräder lieferten mehrere Quellen nur noch trübes Wasser, welches nur noch durch eine Aufbereitung in der nachträglich installierten Filteranlage verwendet werden könne. Hauk erläuterte, dass es ihm nicht bewusst war, dass Quellen durch den Bau von Windkraftanlagen gefährdet sind.

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