Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Freudenstadt Zum Geburtstag geht’s nach Sao Paulo

Von
Die Stadtkapelle Freudenstadt kann zu ihrem 160-jährigen Bestehen auf eine bewegte Geschichte mit vielen Höhen und Tiefen zurückblicken. Fotos: Archiv Foto: Schwarzwälder-Bote

Freudenstadt (te). 160 Jahre wird die Stadtkapelle 2015 alt. Ein Orchester wie jedes andere und doch wieder nicht. Am 19. April startet das offizielle Jubiläumsjahr mit einem Festkonzert in der Stadtkirche.

Zum Geburtstag gibt es einen Blick in die Archive. Die Geschichte der Stadtkapelle war immer auch die Geschichte der Stadt: Goldene Champagnerjahre um die vorletzte Jahrhundertwende, danach vom Inferno des Zweiten Weltkriegs weggefegt. Neue Blütezeiten in den pulsierenden Jahren des Kurbetriebs, dann deren jähes Ende mit der wachsenden Finanznot der Stadt. Am Schluss die Entscheidung, in der mancher das Todesurteil witterte: Die Stadtkapelle wird aufgelöst, kurze Zeit nach deren 150. Geburtstag.

Doch heute ist das Orchester da. Wieder oder immer noch. Wie eine alte unverwüstliche Dame – die zwar ein paar Schrammen hat, aber immer wieder aufgestanden ist. 1855 war die Geburtsstunde der Stadtkapelle, doch 1615 bliesen bereits die ersten Vorfahren vom Turm, als Herzog Johann Friedrich einzog. Knapp 200 Jahre später wurde dann offiziell ein "städtischer Musikverein" gegründet. Damit Kapellmeister und Musiker "Ersprießliches leisten können", wie es in den Geschichtsbüchern heißt, wurden sie aus der Stadtkasse für Probenarbeit und Konzertauftritte entlohnt.

Freudenstadt war inzwischen Luftkurort, über den Marktplatz flanierten die Gäste, Unterhaltung war beliebt und gewünscht. Die Ansprüche an das Orchester stiegen. Für Operettenaufführungen im ersten Kurtheater Freudenstadts wurden während der Hauptsaison Berufsmusiker hinzugeholt.

Wurde der Erste Weltkrieg noch verwunden, kam unter der Naziherrschaft das vorläufige Ende des Orchesters. 1939 wurden alle bis auf eine Handvoll Mitglieder zum Militärdienst einberufen. Am Ende des Krieges war keine Stadt mehr da. Bis 1949 gelang beiden die Wiederauferstehung, ein Jahr später wurde das erste Konzert gegeben. Das Publikum, heißt es in der Chronik, sei begeistert gewesen – die Stadtkapelle war wieder da.

In den folgenden 30 Jahren folgte, parallel zum Wiederaufblühen Freudenstadts, die Hochzeit des Orchesters: Radiosendungen, Konzerte in Fülle, bei zahllosen honorigen Veranstaltungen war die Stadtkapelle der Mittelpunkt, die Jugendkapelle feierte Erfolge auf Landesebene. Aus dem Stadtleben waren die Musiker wieder nicht wegzudenken.

Die Erinnerungen an die Zeit vor 1945 mussten mühsam wieder zusammengesucht werden, denn beim Stadtbrand war auch das Archiv der Kapelle zerstört worden. Die Nachkriegsgeschichte der Stadtkapelle ist jedoch in vielen Büchern und Köpfen lebendig geblieben – und mit ihr auch die der Stadt. Außergewöhnliches findet sich in den Erinnerungen, etwa die Taufe des Lufthansa-Airbusses "Freudenstadt" und Anhaltendes, wie der Aufbau der Städtepartnerschaft mit Courbevoie.

Die Kapelle musste lernen, auf eigenen Beinen zu stehen

Ende der 90er-Jahre schließlich zeichnete sich langsam ein erneuter Zeitenwandel ab. Die finanziellen Mittel der Stadt schwanden. Die Stadtkapelle, bis dahin als städtischer Klangkörper in Lohn und Brot der Kommune, wurde zum Kostenfaktor, der nicht mehr tragbar schien. 2005 wurde das 150-jährige Bestehen nochmal groß gefeiert, dann – zwei Jahre später – wurde der Klangkörper als städtische Institution aufgelöst.

Viele sahen darin das Aus der traditionsreichen Vereinigung – nicht immer ohne Genugtuung. Die Vorzüge eines städtischen Klangkörpers, der entgegen anderer Musikvereine in selbstbewusster finanzieller Sicherheit lebte, sorgten manchenorts für Neid. Und vor allem: Wie sollte eine über 100 Jahre alte städtische Institution plötzlich lernen, auf eigenen Beinen zu stehen? Die Stadtkapelle lernte. In harten Jahren der Selbstfindung mit großen Umbrüchen und Dank unermüdlicher Kämpfer in den Vorstandsteams.

Heute steht das Orchester musikalisch wieder da, wie in alten Tagen. Zur neu gewonnenen Ruhe der Kapelle passt die Philosophie des Jubiläumsjahrs: keine pompöse Feier, aber durchaus feierlich.

Mit einem Festkonzert am 19. April ab 17 Uhr in der Stadtkirche Freudenstadt läutet die Stadtkapelle ihren 160. Geburtstag ein. Und der führt die Mitglieder im Mai sogar zum deutsch-brasilianischen Kulturfestival ins südamerikanische Sao Paulo.

Die Geschichtsbücher der Stadtkapelle – das scheint gesichert – werden auch weiterhin mit Außergewöhnlichem gefüttert werden.

 
 

Ihre Redaktion vor Ort Freudenstadt

Flirts & Singles

 
 
0

Kommentare

Artikel kommentieren

Kommentarregeln

Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt. Alternativ können Sie sich mit Ihrem Facebook-Account anmelden.

  1. Passwort vergessen?
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!
  1. null

loading