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Freudenstadt Zum Ausgleich geht es aufs Trampolin

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Krankenhaus-Seelsorgerin Susanne Thierfelder muss große Herausforderungen meistern. Foto: Meinert Foto: Schwarzwälder Bote

Tagsüber ist sie Seelsorgerin, und nach Feierabend macht sie hohe Sprünge: Susanne Thierfelder ist Seelsorgerin am Krankenhaus in Freudenstadt.

Freudenstadt. Es gibt Zeiten, erzählt Susanne Thierfelder, da sei sie jeden Tag bei zwei oder drei Sterbenden. Das sei dann auch nicht einfach für sie. Irgendwie müsse sie dann schauen, dass sie selbst in der Balance bleibe, sie brauche dann einen Ausgleich. "Dann spiele ich Gitarre oder ich gehe aufs Trampolin", erzählt die Seelsorgerin am Krankenhaus Freudenstadt.

Eine Pfarrerin, die tagsüber Schwerkranke in den Tod begleitet und nach Feierabend hohe Sprünge macht – das scheint wie ein gewaltiger Spagat, zu dem wohl nur wenige Menschen fähig sind. 59 Jahre alt ist die Theologin, sie ist klein und zierlich, und sie sieht jünger aus, als sie ist. Vor allem aber: Sie ist lebhaft, sie lacht viel, und sie kann über sehr ernste Dinge wunderbar leicht und unbeschwert sprechen.

Ursprünglich wollte sie im Gefängnis arbeiten

Seit 2013 ist die Frau mit den kurzen Haaren und den wachen Augen Seelsorgerin am Krankenhaus Freudenstadt. Aber Seelsorgerin wollte sie immer schon werden, nichts anderes – und das schon seit der Schulzeit. Kurz vor dem Abitur in Schorndorf habe der Religionslehrer ihre Klasse ins Tübinger Stift geführt, dort sei sie einem Gefängnispfarrer begegnet. "Nach dem Gespräch habe ich mich entschlossen, Theologie zu studieren und Seelsorgerin in einem Gefängnis zu werden."

Aus dem Job im Gefängnis wurde zwar nichts – aus dem Studium der evangelischen Theologie allerdings schon. Der Weg nach Freudenstadt war lang, Thierfelder arbeitete als Vikarin, beim Diakonischen Werk, als Dorfpfarrerin und in der Altenpflege. "Aber die Seelsorge war der rote Faden." Zu ihren Schwerkranken und Sterbenden geht sie wenn es sein muss mehrmals täglich, sie hat sogar ein kleines Team an Freiwilligen, das sie dabei unterstützt. Ob das denn nicht schwierig sei, vor allem dann, wenn die Patienten selbst gar nicht an Gott glauben?, will man wissen. Die Antwort kommt ohne Zögern und überraschend: "An irgendetwas glauben die Menschen immer." Allerdings seien viele enttäuscht "vom Bodenpersonal der Kirche".

"Mein Leben hat an Tiefe gewonnen"

Und wie reagiert Susanne Thierfelder dann auf solcherart Enttäuschten? Wieder überrascht die Antwort: "Ich bete dann trotzdem." Es gibt auch eine kleine Kapelle im Krankenhaus, ziemlich nüchtern ist das Gotteshaus, aber es ist jederzeit für jedermann geöffnet. Einmal in der Woche hält die Pfarrerin hier einen Gottesdienst samt Abendmahl.

Hinter der Eingangstür zeigt Thierfelder auf einen Gebetsteppich – die Kapelle steht auch für Muslime offen. In einem Buch können die Gläubigen Dankesworte und eigene Gedanken eintragen. Das Buch ist vollgeschrieben, manches in klarer, aufrechter Schrift, manches in krakeligen Buchstaben, als seien sie von kraftlosen und hilflosen Menschen geschrieben. "Ein Herz, das liebt, wird niemals sterben", ist da zu lesen. Andere Einträge klingen hochdramatisch: "Mein Vater, ich sehe keinen Ausweg mehr, ich habe große Schuld auf mich geladen. Bitte zeige mir einen Weg, damit ich weiterleben kann."

Es gibt kaum Zweifel: Nur wenige Menschen könnten die Herausforderung aushalten, der Susanne Thierfelder täglich gegenübersteht. Auch manche Theologen würden daran wohl zerbrechen. "Aber das ist meine Berufung, mein Leben hat sehr an Tiefe gewonnen", bekennt die kleine, zierliche Frau. Und wenn es einmal zu viel wird, wenn sie wieder "die Balance braucht", wie sie es nennt – dann geht sie eben aufs Trampolin.

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