Die Malerin Hildegard Rath in einem Selbstbildnis. Foto: Schwarzwälder Bote

Geschichte: "Wohltäter der Stadt": Katz-Kollsman stand seiner Heimat mit einer hochherzigen Spende bei

Die Suche des Heimat- und Museumsvereins für Stadt und Kreis Freudenstadt nach weiteren Bildern von und Dokumenten über die "vergessene" Freudenstädter Malerin Hildegard Rath hat ein überraschendes Ergebnis gebracht. Hildegard Rath hatte Kontakt mit Paul Katz-Kollsman, dem "Wohltäter seiner Heimatstadt".

Freudenstadt (rt). Katz-Kollsman hatte in den Jahren 1946 und 1947 mit zwei Lebensmittel-Sonderzügen den nach dem Kriegsende hungernden Menschen in seiner Geburtsstadt geholfen. Die erste Spende 1946 jährt sich in diesem Jahr zum 75. Mal.

Wie berichtet, ist der Heimat- und Museumsverein nach dem Hinweis eines Bürgers und über mancherlei Umwege auf die in ihrer Zeit berühmte Malerin Hildegard Rath gestoßen. Eine vielseitige Freudenstädter Künstlerin, die in die USA auswanderte und dort erfolgreich und berühmt wurde (siehe Info).

Seit September 2020 versucht Hans-Jürgen Schnurr, Geschäftsführer des Museumsvereins, an weitere Bilder und Informationen über die Künstlerin zu kommen, um die künstlerischen Verdienste der Freudenstädterin in ihrer Heimatstadt nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Der Verein hat inzwischen einige Rath-Bilder erworben oder als Leihgabe erhalten. Doch weitere Bemühungen sind nicht zuletzt Opfer der Corona-Einschränkungen und Reiseverbote geworden. Schnurrs Suche in Archiven und Bibliotheken hatten nur bescheidene Erfolge. Doch er stieß dabei auf den Namen Paul Katz-Kollsman – und da klingelte es.

Beide Freudenstädter, die Malerin und der Ingenieur Katz-Kollsman, beide nicht unvermögend in den USA lebend, kannten sich und pflegten Kontakte miteinander. Mehr noch. Katz-Kollsman wurde zwischenzeitlich zum Förderer und Mäzen der Künstlerin, die sich damit ganz ihrer Malerei widmen konnte.

Ihre beiden Brüder waren in einem von Katz-Kollsmans betriebenen Ski-Zentrum in Vermont beschäftigt. Beim Eintauchen via Internet in amerikanische Archive grub Hans-Jürgen Schnurr sogar Passagierlisten von Schiffen und Flugzeugen aus den 30er- bis 50er-Jahren aus. In den Routen London-New York entdeckte er, dass Hildegard Raths Mutter Emma, geborene Katz, und deren Bruder Paul, gemeinsam mit einer Lufthansamaschine geflogen sind.

Bürgermeister Rothfuß schreibt Brief

Im Übrigen existiert ein Bild von Hildegard Rath mit einem Portrait von Katz-Kollsman. Das Entstehungsdatum des Porträts – es ist im Besitz der Stadt Freudenstadt – ist nicht erkenntlich.

Es war wohl ein Brief von Freudenstadts Bürgermeister Rothfuß, der dem ausgewanderten Paul Katz-Kollsman zur ersten Spende veranlasste. Weihnachten 1946 rollte in Loßburg ein Sonderzug ein – das Viadukt in Lauterbad war noch zerstört – und 33 000 Dosen Zuckermilch von der Pestalozzi-Gesellschaft in der Schweiz wurden als Spende an die Bürger Freudenstadts entladen.

Auf ausdrücklichen Wunsch des Spenders sollte davon ausnahmslos jeder der damals 10 045 Freudenstädter berücksichtigt werden. "Es war wie ein Wunder", berichteten die Freudenstädter Heimatblätter, als im Sommer 1947 ein weiterer Transport ankam, ein Zug beladen mit 26 460 Kilo Mehl und 4000 Kilo Schmalz. Davon bekam jeder Freudenstädter fünf Pfund Weißmehl und 400 Gramm Fett.

Wer war dieser edle Spender? Er wurde im Februar 1900 als Paul Katz in Freudenstadt geboren, studierte Maschinenbau in Stuttgart und München und reiste 1923 in die USA ein, wo er 1930 die Einbürgerungsurkunde erhielt. Er versuchte sich als Automotordesigner, arbeitete als Mechaniker und machte sich 1928 mit der Kollsman Instrument Co. in New York selbständig. Seine erste Erfindung sollte das erfolgreichste seiner über 200 Patente sein, der barometrische Höhenmesser für die Luftfahrt. Dieser erlaubte erstmals den so genannten Blindflug. Mit seinen Geräten belieferte er sowohl den zivilen als auch den militärischen Flugverkehr. Seine Firmen beschäftigten bis zu 2500 Mitarbeiter, darunter viele Deutsche und viele aus dem Schwarzwald.

Die Baronin aus Hollywood

Kollsman war verheiratet mit dem Hollywoodstar Julie "Luli", Baronin von Bodenhausen und heiratete nach deren Tod Eva Franzen. Der Verkauf seiner Fabriken machte ihn zu einem reichen Mann, der sich ein fantastisches Anwesen im kalifornischen Beverly Hills erlauben konnte.

Paul Allan, Mitbegründer von Microsoft, erwarb das Anwesen von Kollsmans Witwe 1997 für 20 Millionen Dollar. Paul Katz-Kollsman ist 1982 in Kalifornien gestorben. Er war Träger hoher Auszeichnungen für seine Erfindungen in der Luftfahrt.

Obwohl Katz-Kollsman in seiner Heimatstadt Freudenstadt als "großer Wohltäter" und "großherziger Spender in tiefster Not" gefeiert wurde, dauerte es bis ins Jahr 1988 und benötigte einen Hinweis von Stadtrat und Stadthistoriker Gerhard Hertel, zugleich Redakteur der "Heimatblätter", bis der Gemeinderat beschloss, einen Platz in Freudenstadt nach dem Sohn der Stadt zu benennen: Den Katz-Kollsman-Platz an der Hartranftstraße, auf halber Höhe zum Kienberg.

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