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Freudenstadt Württemberg Historic: Etappe zwei

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Pause auf dem Parkplatz bei Junghans: Volker Simon (links) und "Schorle" Radulovic besprechen die Aufgabe für die letzten Kilometer bis zur Zieleinfahrt in Freudenstadt. Foto: Privat

Freudenstadt - Bräsig, mit tiefem Brummen kommt der Sechszylinder auf Touren, unterbrochen von einem kurzen Rucken, dem Schaltvorgang, singt sich auf höhere Touren, die Tachonadel steht bei 90. Die hügelige Landschaft fliegt in grünen, gelben und braunen Farbfetzen vorüber, auf der Hutablage stiert der Wackeldackel stoisch auf das gewundene Asphaltband.

Eine Szene aus einem Roadmovie – nein, eine Momentaufnahme von der zweiten Etappe der Württemberg Historic: Entschleunigung beim Fahren. Auch für meinen Freund "Schorle" Zoran Radulovic, der das große Lenkrad mit dem dünnen Kranz und dem Stern in der Mitte fest in den Händen hält. Einer, bei dem es auf der Straße und auf den Rennstrecken immer vorangehen muss. Von Assen bis Zolder hat er alle unter die Räder genommen. Weil Rennfahrer Fahrer und keine Beifahrer sind, tauschen wir vor dem Start die Plätze. Und damit beginnt die Herausforderung – für mich.

Doch der Reihe nach: Ein Anruf bei der Organisationsleiterin der Württemberg Historic, Ilona Zink, reicht und schon starten wir für den Schwarzwälder Boten bei der Württemberg Historic. Am Donnerstagabend, gerade zwei Minuten vor Ende der Technischen Abnahme, rollt das cremefarbene Mercedes-Coupé auf die Auffahrt zum ehemaligen Hotel Waldlust. Geputzt, mit Startnummern beklebt und vollgetankt biegt der Strichachter, Baujahr 1971, am Samstagmorgen kurz nach neun zum Start der zweiten Etappe auf den unteren Marktplatz in Freudenstadt.

Eine schwarze Dose für ruhigeren Lauf und mehr Leistung

"Schorle" wartet schon, Werkzeug und eine Glühbirne für den defekten Blinker im Rucksack. Ein prüfender Blick, ein kräftiges Ruckeln: Der Blinker verrichtet wieder seinen Dienst. Freudestrahlend zieht er eine kleine schwarze Dose aus dem Rucksack. Ein Aditiv für das Motoröl. Ruhigeren Lauf, weniger Verbrauch und mehr Leistung verspricht das Etikett. Okay, wenn’s hilft. Ein kurzer Schwatz mit dem Team von Startnummer 110 und der netten Einweiserin vom ADAC Ortsclub Freudenstadt bringen uns schon vor dem Start auf Betriebstemperatur. Sonnenbrille auf, Fenster runter, wir sinken in die weichen Sitze und brummeln zum Start. Ganz entspannt gehen wir die Tour an. "Ihre Bordkarte, bitte", ruft es von rechts. "Wie viele Chinesenzeichen sind es bis zum Ziel?", fragt es von links. Eine der Fragen, die die Teilnehmer richtig beantworten sollen. Wo ist die graue Tasche mit Bordkarte, Bordbuch und der Teilnehmerbroschüre?

Die Entspannung ist so flüchtig wie ein Zündfunke. Startzeit 9.44 Uhr. Die Sekunden laufen rückwärts, Sprecher Klaus Lambert erzählt etwas über die Erfolge von "Schorle" bei der Deutschen Langstreckenmeisterschaft und dass mein Mercedes-Benz 250 CE Automatic, so die offizielle Typenbezeichnung, früher einen Notar im italienischen Padua standesgemäß chauffiert hat.

Hastig das Bordbuch aufgeschlagen. Der Start beginnt mit einer Gleichmäßigkeitsprüfung. Mein Sohn hat mir vor der Abfahrt noch die Berechnungsformel aufgeschrieben und eine App zur Messung der Durchschnittsgeschwindigkeit geladen. Zu spät: Der Countdown steht auf null, "Schorle" setzt die träge Masse mit einem kräftigen Tritt aufs Gaspedal in Bewegung. Trotz Umbauarbeiten sind uns Freudenstadt und die Umgebung nicht unbekannt. "Schorle" ist dort fünf Jahre Taxi gefahren und ich habe als Volontär beim Schwarzwälder Boten in Freudenstadt und Schramberg auch viele Kilometer abgespult. Ortskenntnis und Schilder helfen jetzt nicht, sondern ein konzentrierter Blick ins Bordbuch mit einer Abfolge von Skizzen und Pfeilen, auch Chinesenzeichen genannt, und auf den Kilometerzähler. Gut, dass der wenigstens nicht mehr hängt. Dafür hängt es manchmal am Beifahrer, dass wir eine Abfahrt verpassen.

Ein Kollege weiß, wie wichtig ein guter Beifahrer ist

Das Auto läuft und die Gespräche auch. Ansagen zu Richtung und Distanz, ein Blick auf das Smartphone wegen der Durchschnittsgeschwindigkeit und dann ein erster Blick in die schwarze Mappe mit Bildmotiven, die mir beim Start ins Auto gereicht wurde. Die sollen wir unterwegs finden. Wir drehen die Hälse, spähen mit scharfem Blick in vorbeiziehende Vorgärten. Nach 56,81 Kilometer erreichen wir Kloster Kirchberg. Längst haben wir vergessen, dass eine Fahrzeit vorgegeben ist und die App hilft uns nun auch nicht mehr. Walter Trindler lächelt verständnisvoll, als wir bei der Siegerehrung davon erzählen. Er weiß, wovon wir sprechen. Er startet mit seinem Sohn seit einigen Jahren bei der Württemberg Historic. Der freundliche Herr mit erkennbarem Schweizer Dialekt fährt einen Rolls-Royce 20/25 HP, Baujahr 1933, der nur unwesentlich älter ist als er selbst. Er macht auch keine Anstalten, das Lenkrad an seinen Sohn Adrian zu übergeben, seien die Steigungen noch so steil und die Kehren noch so eng. Er weiß, wie wichtig ein guter Beifahrer ist, der Chinesenzeichen lesen kann, Formeln umstellen und zwei Stoppuhren gleichzeitig bedienen kann. Gut, wenn er dann auch noch bei der Schätzfrage bei der Kaffeepause im Terrassenbau der Uhrenmanufaktur Junghans ein glückliches Händchen hat und eine wertvolle Uhr gewinnt. Vergessen, dass bei der Mittagspause an der "Schönen Aussicht" in Niederwasser das gleiche Team mit einem Plattfuß schnelle Hilfe der begleitenden Gelben Engel des ADAC brauchte und dem Feld hinterherfuhr.

Bei der Zieleinfahrt auf dem Marktplatz steht der Alfa Romeo Spider mit der Startnummer 110 wieder neben uns und wir sind bei einer Bratwurst und einem Radler mit Monika und Oliver Horn, sinnigerweise als Team Cornetti gemeldet, mitten im Benzingespräch. Ein guter Tag.

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