Curling Solidarität vermisst / Trotzreaktion der Rollstuhlsportler
Von Gunter Wiedemann und Arno Schade
Der Widerstand formiert sich, doch der Deutsche Curling-Verband (DCV) macht sich keine großen Hoffnungen auf den Erhalt der staatlichen Fördermittel, nachdem sich der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) gemeinsam mit dem Bundesinnenministerium (BMI) zu einem Ausschluss der Curler aus der Spitzensportförderung entschlossen hat.
Beim CC Schwenningen herrscht also weiter Frust. Dabei haben sich die Sebastian Schweizer und Co. jüngst für die EM qualifiziert. Und in dieser Woche zogen die Rollstuhlcurler nach und qualifizierten sich für die Weltmeisterschaft 2015. Der Ist-Stand. "Leider konnte der DOSB uns hinsichtlich des Erhalts der Leistungssportförderung oder einer möglichen Grundförderung, die unserem Sport das Überleben ermöglichen würde, keine Hoffnung machen", erklärte DCV-Präsident Dieter Kolb nach einem Krisengespräch mit DOSB-Vertretern. DOSB-Präsident Alfons Hörmann hat erneut die Kritik an der Streichung der Fördergelder für den Deutschen Curling-Verband (DCV) zurückgewiesen. "Sportförderung aus staatlichen Geldern ist ein Privileg und keine Selbstverständlichkeit", betonte Hörmann gegenüber der dpa. Die letzte Chance? "Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Doch ich glaube nicht wirklich, dass der DOSB oder das BMI ihre Standpunkte noch ändern", sagt Katja Schweizer, die Bundesnachwuchstrainerin aus Schwenningen. Schweizer, deren Vertrag zum 31. Dezember bereits gekündigt wurde, sieht nun nur die Möglichkeit, auf dem Rechtsweg die Situation zu ändern. Der Widerstand. Vor allem im Internet formiert sich der Widerstand. Weiter starteten Juniorenteams einen Spendenaufruf, um an der European Junior Curling Challenge teilnehmen zu können, bei der es um die Tickets für die Junioren-WM geht. "Nur die Aktiventeams, die vom 23. bis 30. November in der Schweiz an der EM teilnehmen, werden noch wirklich gefördert. Danach ist Schluss. Dies ist für die vielen Talente, die sich auch für die Olympischen Jugendspiele im Jahr 2016 in Lillehammer vorbereiten, extrem bitter. Ohne Geld ist eine gezielte Nachwuchsförderung nicht möglich", gibt Schweizer zu bedenken. Trotzreaktion in Norwegen. Trotz des Damoklesschwerts des ebenfalls drohenden Entzugs von Fördergeldern haben sich die deutschen Rollstuhlcurler beim Qualifikationsturnier in Lillehammer einen der beiden noch freien Startplätze bei der Weltmeisterschaft im Februar 2015 in Lohja (Finnland) gesichert. Bei dem bis Donnerstag ausgetragenen Qualifikationsturnier in der norwegischen Olympiastadt von 1994 setzte sich die erstmals ohne die jetzt in Bergfelden wohnende Ex-Horberin Caren Totzauer angetretenen Rollstuhlcurler um Skip Jens Jäger in den entscheidenden Spielen knapp gegen Korea (7:6) und Lettland (6:5) durch. Die Mannschaft um Bundestrainer Bernd Weisser hat damit auch die Chance sportlich erste Punkte für eine mögliche Qualifikation zu den nächsten Winter-Paralympics 2018 in Südkorea zu holen. Die Finanzierung seitens des BMI bleibt aber ebenfalls unklar. Der Kapp-Aufruf. "Ein Aufruf an die komplette Sportwelt in Deutschland! Zeigt euch mit uns Curlern solidarisch. Das ist der Anfang vom Ende der deutschen Sportkultur. Die olympische Vielfalt wird ohne Hirn einer zweifelhaften Medaillengeilheit geopfert", heißt es in einem Beitrag des mehrfachen Olympia-Teilnehmers und ehemaligen Vizeweltmeisters Andreas Kapp. So sieht es auch Katja Schweizer: "Sehr enttäuschend ist es, dass es keine Solidarität bei anderen Sportverbänden gibt".
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