Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Freudenstadt Wegen Körperverletzung zu Geldstrafe verurteilt

Von
Bei der Verhandlung am Amtsgericht Freudenstadt ging es um Körperverletzung – und verletzte Gefühle. Foto: Archiv

Freudenstadt - Eine "Live-Seifenoper mit theatralischer Darstellung eines Beziehungsdramas", wie es der Verteidiger nannte, erlebten Richter, Staatsanwältin und Zuhörer bei einer rund vierstündigen Verhandlung im Amtsgericht Freudenstadt. Die Angeklagte wurde wegen Körperverletzung zu 60 Tagessätzen von acht Euro verurteilt.

Die Protagonisten waren eine 29-Jährige und ihre gleichaltrige, ehemals beste Freundin. Die Freundin hatte mit dem Freund der Angeklagten, einem 24-Jährigen, mehrmals Sex. Aus Eifersucht habe die Angeklagte die Freundin geschubst, an den Haaren gezogen und mit dem Kopf gegen einen Tisch geschlagen. Mehrere Kratzspuren und Hämatome habe die Geschädigte dabei davongetragen, hieß es in der Anklageschrift.

Die Geschädigte führte bei ihrer Aussage die Situation auf dem Boden vor. Zunächst sagte sie, sie wüsste nicht, wann sie mit dem Mann Sex gehabt haben solle, behauptete aber anschließend, dass er sie vergewaltigt habe und sie auch nicht auf seinen Typ stehe. Der Mann – er befindet sich momentan in Abschiebehaft – kam in Hand- und Fußfesseln in Polizeibegleitung in den Gerichtssaal. Er behauptete, mit der Angeklagten verlobt zu sein. Diese lachte über diese Behauptung.

Der 24-Jährige gab zu, dass er die Angeklagte, mit der er eine gemeinsame Tochter hat, betrogen habe – und zwar mit deren bester Freundin. Er habe der Freundin vier Mal jeweils 30 Euro für den Sex gezahlt.

Mehrere Eintragungen im Vorstrafenregister

Die Angeklagte behauptete, dass ihre beste Freundin sie ins Gefängnis bringen wolle und sich die Verletzungen selbst zugefügt habe. Allerdings sagte eine Sozialpädagogin des Landratsamts, die kurz nach dem Vorfall bei der Geschädigten eingetroffen war und diese ins Krankenhaus begleitet hatte, aus, dass die Angeklagte für die nichtblutenden Verletzungen verantwortlich gewesen sei.

Die Staatsanwältin beantragte angesichts mehrerer Eintragungen im Vorstrafenregister und einer Bewährungsstrafe eine dreimonatige Freiheitsstrafe, ausgesetzt zu einer allerletzten Bewährung, in der der Frau ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt wird. Zusätzlich sollte die Angeklagte innerhalb von sechs Monaten 40 Stunden Sozialarbeit ableisten.

Der Verteidiger nannte den Vorfall eine "Live-Seifenoper mit theatralischer Darstellung eines Beziehungsdramas". Die Beweisaufnahme habe aus seiner Sicht nichts gebracht. Der Geschädigten attestierte er eine rege Fantasie. Der Befund über die Hämatome und Kratzspuren beruhe nur auf Aussagen. Er habe nicht mit Fotos belegt werden können.

Außerdem habe die Geschädigte den Sex mit dem Mann zunächst abgestritten, dann zugegeben und später sogar als Vergewaltigung deklariert. Insofern beantragte der Rechtsanwalt Freispruch gemäß dem Grundsatz "in dubio pro reo", also im Zweifel für den Angeklagten. Vor der Urteilsverkündung sagte die Angeklagte, dass die Geschädigte zu viel über sie gewusst habe – auch von der Bewährungszeit – und sie in den Knast bringen wolle, um ihr Leben zu zerstören. Auch war sie der Auffassung, dass sich die Geschädigte die Verletzungen selbst zugefügt habe.

Wut und Enttäuschung über den Betrug

Amtsgerichtsdirektor Michael Gross verhängte eine Geldstrafe in Höhe von 480 Euro, zahlbar in 20 monatlichen Raten. Er begründete sein Urteil mit der tiefen Verletzung, die der frühere Freund der Angeklagten zugefügt habe, wodurch sie ihre Impulse nicht mehr unter Kontrolle hatte. Sie habe aus Wut und Enttäuschung über den Betrug gehandelt.

Für ihn habe Aussage gegen Aussage gestanden, wobei die Aussage der Geschädigten besonders kritisch zu würdigen sei. Die Körperverletzung habe es gegeben, jedoch müsse man mit der Strafe, da keine schweren Verletzungen vorlagen, auf dem Boden bleiben. Deshalb sei es nur eine Geldstrafe.

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.