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Freudenstadt Vorreiter-Schule profitiert in Corona-Krise vom Digitalunterricht

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Ein Schüler arbeitet am Tablet. Foto: Jaspersen

Freudenstadt - Die Schulen im Land sind geschlossen. An der Heinrich-Schickhard-Schule (HSS) in Freudenstadt sind viele Lehrkräfte und Klassen trotzdem ständig im Kontakt miteinander. Denn seit sechs Jahren baut die HSS Tabletklassen und einen digitalen Unterricht auf. "Das ist jetzt Gold wert", sagt Schulleiter Peter Stumpp.

Im beruflichen Schulzentrum in Freudenstadt sind fast alle Lichter aus. Der Unterricht geht aber weiter – und das nicht nur dergestalt, dass die Schüler Lernpakete, Aufgaben und Wochenpläne per E-Mail nach Hause geschickt bekommen. An der HSS können sich etwa 500 Berufsschüler und Schüler am Technischen Gymnasium von ihren Lehrkräften über die Schulter schauen lassen oder in Gruppen lernen – digital von zu Hause aus. Chats, Online-Teams und Videokonferenzen machen’s möglich, zumindest grundsätzlich. "Dazu ist natürlich eine stabile und leistungsfähige Internetverbindung Voraussetzung. Das ist derzeit im ländlichen Raum nicht überall gegeben", sagt Stumpp.

Werktags von 9 bis 12 Uhr sind die Lehrkräfte der HSS auch in Zeiten der Corona-Krise für ihre Klassen persönlich erreichbar. Wo die Strippen langsam sind, können sich die Schüler per E-Mail an sie wenden. Der Rest kann zwei Mal in der Woche an Videokonferenzen teilnehmen, in denen die Lehrer ihre Klassen in den neuen Lernstoff einführen. Dazu gibt es die Aufgaben und Arbeitsblätter. Nach drei Tagen haken die Lehrer nach, wie’s läuft. Sie können sich die Zwischenstände der Arbeiten ansehen und Tipps geben. "Mit den Abschlussklassen arbeiten wir intensiver und gehen mit ihnen auch Prüfungsaufgaben zur Vorbereitung durch", erklärt Stumpp.

Siehe auch: Unterricht in der Corona-Krise im Kreis Rottweil

Vor sechs Jahren hat sich die berufliche Schule in Freudenstadt auf den Weg ins digitale Lernzeitalter gemacht, zusammen mit elf weiteren Schulen in Baden-Württemberg, die sich für Initiativprojekt des Landes beworben hatten. Seither wird es Schritt für Schritt ausgebaut. Mittlerweile sind die Hälfte der 62 Klassen sogenannte Tabletklassen. Die Geräte, die sich im Klassenraum zu Laptops mit Tastatur umbauen lassen, bieten ganz neue Möglichkeiten. Außerdem sollen die Jugendlichen fitgemacht werden in digitalen Schulungs- und Arbeitsmethoden, die in vielen Unternehmen und an Hochschulen bereits Alltag sind.

Netzwerk-Infrastruktur wird aufgebaut, Lernmaterial digitalisiert

Zusätzlicher Stoff, interaktives Lernen, Mitarbeit in Lerngruppen von jedem beliebigen Ort aus – alles möglich. Die Klassen arbeiten dabei in geschlossenen Netzwerken, auf diese Feststellung legt Stumpp wert. Allerdings reicht es laut HSS nicht aus, dafür nur die Geräte zu kaufen. Netzwerk-Infrastruktur muss aufgebaut, Lernmaterial digitalisiert werden. Schüler wie Lehrkräfte müssten gleichermaßen vertraut gemacht werden mit den Geräten, technischen Anwendungen und den neuen Unterrichtsmethoden. Dazu gibt es an der Schickhardt-Schule Kurse, Fortbildungen und auch "Qualitätstage", in denen Zwischenbilanz gezogen wird, ob sich die erhofften Verbesserungen tatsächlich einstellen. Ein Ziel ist es nämlich auch, die Schüler fürs Lernen zu motivieren. Mittlerweile kommen Vertreter vieler anderer Schulen nach Freudenstadt, um sich das Modell anzuschauen und von den Erfahrungen im digitalen Neuland zu profitieren.

Es gibt jedoch auch noch offene Baustellen. Stumpp sagt, die Motivation sei vor allem bei den Gymnasiasten und Abschlussklassen hoch, außerdem bei den Lehrlingen der großen Unternehmen in der Region. Von anderen Jugendlichen fehlten öfter mal die "Rückkopplungen", wie weit sie mit der Bearbeitung ihrer Aufgaben sind, wo sie im Moment stehen. Hier hänge möglicherweise auch viel vom jeweiligen Ausbildungsbetrieb ab. Stumpp sagt, das sei letztlich auch "ganz normal". Schule könne keine Mitarbeit erzwingen, ob der Unterricht nun herkömmlich oder digital ist.

Für einen "Vollausbau", den Schulleiter Peter Stumpp für "sinnvoll" hält, fehle es darüber hinaus an Kapazitäten. Rund 75 Lehrkräfte und etwa 1000 Schüler hat die HSS und arbeitet mit etwa 170 Betrieben diverser Branchen in der dualen Ausbildung zusammen. Und da ist die Frage, wer die "mobilen Endgeräte" bezahlt. An der HSS gibt es unterschiedliche Modelle. Am Technischen Gymnasium bezahlen die Schüler oder deren Eltern einen Eigenanteil von 25 Prozent der Anschaffungskosten, die zwischen 500 und 700 Euro liegen. Die Geräte müssten über ein entsprechendes Betriebssystem und die passenden Programme verfügen. Für Berufsschüler hängt es vom jeweiligen Betrieb ab, ob es einen Eigenanteil gibt und wie hoch er dann ausfällt. Für den Schulleiter ist das auch eine "soziale Frage". Für weniger gut betuchte Familien sei das viel Geld. Und nur mit dem Handy lasse sich am digitalen Unterricht nicht mitarbeiten.

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