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Freudenstadt vor Lockdown Gastronomen und Hoteliers bangen um Existenz

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Viele Gastronomen fürchten, dass die zweite verordnete Schließung in diesem Jahr die Krise in der Branche nur verschärft, und zweifeln am Sinn der Maßnahme. Foto: © studio v-zwoelf – stock.adobe.com

Freudenstadt/Baiersbronn - Bestürzung, Unverständnis und Existenzängste hat die Ankündigung des sogenannten Lockdown light im November bei den Gastronomen und Hoteliers im Kreis ausgelöst, berichtet die Dehoga-Kreisvorsitzende Beate Gaiser.

Jede Menge Anrufe von schockierten, aufgebrachten und verzweifelten Kollegen habe sie am Donnerstagmorgen, dem Tag, nachdem die Bundesregierung die neuen Vorgaben für den November verkündet hatte, erhalten, sagt Gaiser im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Stimmung bei den Kollegen sei unterirdisch.

Sie könne die Entscheidung der Bundesregierung, touristische Übernachtungen zu verbieten, nur schwer nachvollziehen, sagt Gaiser. Sie sei "unverhältnismäßig". Das Robert-Koch-Institut (RKI) habe der Gastronomie und der Hotellerie ja bestätigt, kein Pandemietreiber zu sein. Wirte und Hoteliers hätten viel Geld investiert für Desinfektionsspender und Hygienekonzepte, um unter Coronabedingungen weiter wirtschaften zu können. Und nun ignoriere man bei der Entscheidung die Zahlen des RKI. In der Branche komme man sich wie die "Sündenböcke" vor.

Vor allem sie die Branche breiter gefächert, als die Leute allgemein denken. Einige hätten seit den Lockerungen im Sommer gute Geschäfte machen können, aber eben nicht alle und überall. Besonders schwer getroffen habe es die getränkeorientierte Gastronomie. Wellness-Hotels hätten es dagegen leichter gehabt, aber der Lockdown falle nun in eine Zeit, in der dort die Geschäfte besonders gut laufen. Andere Hotels hätten im November traditionell Ferien.

Sorge, dass Betriebe wieder durch das Raster fallen

Tausende Betriebe im Land seien in ihrer Existenz bedroht, und auch im Kreis werde man welche verlieren, sagt Gaiser. Man müsse jetzt auch abwarten, wie es mit den zugesagten Hilfen aussehe. Betriebe sollen 75 beziehungsweise 70 Prozent des Umsatzes erhalten, den sie im November 2019 erzielt haben. Doch wie genau ausgezahlt werde, sei ja noch unklar, und auch bei den Hilfen im Frühjahr seien einige Unternehmen durchs Raster gefallen. Dieses Mal sei es wichtig, dass die Hilfen schnell und unbürokratisch fließen und dem Schaden angemessen seien.

Derzeit überlege man im Dehoga auf übergeordneter Ebene, ob man gegen die Schließung klagen könne. Die Frage sei, wie sinnvoll das für die Branche sei. Denn am Ende könnten die Gäste dann dennoch ausbleiben und die Auslastung der Häuser könnte dann nicht mehr wirtschaftlich sein.

Außerdem fehle es in der Branche an Planungssicherheit: Der Lockdown solle auch dazu dienen, dass die Menschen an Weihnachten keinen strengen Beschränkungen mehr unterliegen, habe die Kanzlerin gesagt. Aber was sei im Januar, fragt Gaiser: "Schließen die Hotels dann wieder?"

Hoch- und Runterfahren kostet Geld und birgt einige Risiken

Zumal das Runter- und Hochfahren eines Gastronomiebetriebs die Betriebe ein "Heidengeld" koste. Und wenn es im Dezember weitergehe, dann sei das ja auch mit Kosten und Risiken verbunden. "Die psychologische Komponente wird da gar nicht beachtet", so Gaiser. Die Kollegen seien mit den Nerven am Ende. Bei den Betrieben der Branche, die im Kreis schließen würden, sei das bei einigen nicht nur aus finanziellen, sondern auch aus psychischen Gründen.

 Auch außerhalb der Gastro-Branche stößt die Maßnahme auf Unverständnis. Nicht nachvollziehen könne er, dass man touristische Übernachtungen und die Gastronomiebetriebe in die Schließungen miteinbezogen habe, teilt Klaus Mack, der CDU-Bundestagskandidat im Wahlkreis Calw/Freudenstadt, mit. Die Betriebe hätten ihre Hygienekonzepte umgesetzt und sich an alle Vorgaben gehalten. Sie seien nachweislich keine Infektionsherde. Die Entscheidung sollte zurückgenommen werden, meint Mack.

 Die Tourismusdirektoren von Freudenstadt und Baiersbronn äußern sich ebenfalls kritisch. Ob man die Gastronomie vollständig schließt, hätte hinterfragt werden sollen, sagt Freudenstadts Tourismusdirektor Michael Krause auf Anfrage unserer Zeitung. Zwar sei klar, dass bei diesen ansteigenden Zahlen etwas getan werden müsse. Aber fast alle in der Branche hätten peinlichst genau auf die Hygieneregeln geachtet. Die Hoteliers und Gastronomen täten ihm jetzt "unendlich leid", so Krause. Außerdem werde das Kurhaus und die Tourist-Information im November geschlossen sein. Die Mitarbeiter seien aber telefonisch erreichbar.

 Als "sehr betrübt" beschreibt Baiersbronns Tourismusdirektor Patrick Schreib die Lage des Gastgewerbes. In der Hotellerie und Gastronomie sei man traurig und enttäuscht, weil die Welle auf dem Rücken des Gastgewerbes gebrochen werden solle, obwohl es nachweislich nicht der Pandemietreiber sei. Die Betriebe hätten viel Geld und Mühe investiert, um die Hygienemaßnahmen umzusetzen. Auch deshalb sei die Enttäuschung groß.

 Derweil hat Freudenstadts Oberbürgermeister Julian Osswald einen Appell von 36 Ober- und Bürgermeistern an Ministerpräsident Winfried Kretschmann mitunterzeichnet. Darin fordern sie, die Schließung von Gastronomie und Kultureinrichtungen zu überdenken.

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