Ihren Protest gegen den Nationalpark bringen Landwirte und Waldbauern mit einem Schilderwagen zum Ausdruck. Foto: Blaich

Bauernverbände und Waldbauern üben Kritik am Gutachten zum Nationalpark. Borkenkäfer nicht beherrschbar.

Region - Harsche Kritik am Gutachten der Landesregierung zum geplanten Nationalpark im Nordschwarzwald üben die Kreisbauernverbände Freudenstadt und Calw sowie der Waldbesitzerverein Nordschwarzwald.

Mitglieder aus der Arbeitsgruppe Bauernwald und die Vorsitzenden der Kreisbauernverbände Calw, Friedrich Großhans, und Freudenstadt, Gerhard Fassnacht, sowie Jochen Bier, Vorsitzender des Waldbesitzervereins Nordschwarzwald trafen sich in Besenfeld, um über das Gutachten zu diskutieren und es genauer zu durchleuchten.

Die Waldbesitzer fühlen sich von der Landesregierung übergangen, nicht beachtet und bevormundet, betonten die Vertreter in einer Pressekonferenz. Sie seien von Anfang an nicht mit in den Prozess einbezogen worden. Das Gutachten sei nicht neutral. Diejenigen, die es erstellt hätten, seien hauptsächlich "Schreibtischtäter", nicht vor Ort und nicht ausreichend informiert und befähigt gewesen.

Der Kreisbauernverband habe relativ früh seine Position gegen einen Nationalpark abgegeben, und damit die Interessen der regionalen Waldbesitzer kundgetan. Aus Stuttgart sei man dann erst mal vertröstet worden, bis das Gutachten vorliegt. "Naturschutzverbände werden beteiligt, und die Menschen, die in den Wäldern leben und arbeiten, dürfen nicht mitreden", so eine Stimme aus der Runde. Wenn man die große Gutachten-Version aufmerksam durchlese, seien sehr wohl viele kritische Aspekte zu entdecken, die den Mehrwert eines Nationalparks in Frage stellen, so ein Vertreter des Bauernverbands. Gleichwohl sei es wichtig, dass die Mitglieder, also die Waldbesitzer, das Gutachten kennen lernen und eine sachliche Diskussion mit der Landesregierung möglich ist. Die Bevölkerung wisse sehr gut, diesen Wald zu pflegen und auch zu nutzen, die Waldbesitzer würden generationsübergreifend und nachhaltig denken.

"Borkenkäfer in keiner Weise beherrschbar"

Die Borkenkäferproblematik ist nach wie vor die Hauptkritik. Sie ist nach Meinung der Bauernverbände nicht so einfach in den Griff zu bekommen. Das Gutachten habe eindeutig belegt, dass der Borkenkäfer in keiner Weise beherrschbar sei und auf angrenzende Wälder übergehe. Die Sorgen der Waldbesitzer seien im Gutachten bestätigt worden. Die 500-Meter-Pufferzone würde auf keinen Fall ausreichen.

Auf Sturmszenarien und auf die Entschädigung der Waldbesitzer sei man im Gutachten gar nicht eingegangen, so ein weiterer Kritikpunkt. Die Waldbauern arbeiteten eng mit der Sägeindustrie zusammen und wollten durch weniger Holzeinschlag nicht geschwächt werden. Minister Alexander Bonde habe zwar zugesagt, Holz aus anderen Regionen an die hiesigen Sägewerke anzuliefern, dieses Holz fehle dann aber anderswo, so eine weitere Meinung der Bauern. Zudem würden höhere Transportkosten anfallen, die im Gutachten gar nicht berücksichtigt worden seien und der Verkehr nehme deutlich zu.

Falls trotz des Widerstands der Nationalpark eingerichtet wird, müssten auf jeden Fall die angrenzenden Wälder rechtlich besser geschützt und Entschädigungen gesetzlich geregelt werden. Die Beweislast müsse bei der Landesregierung liegen und nicht bei den Waldbesitzern, so die Aussage der Landwirte und Waldbauern.