Der Ortschaftsrat Musbach mit Ortsvorsteher Günter Züfle (Dritter von rechts) befestigte Holzschilder mit den Namen alter Gewanne an den enstprechenden Stellen im Ortsgebiet. Foto: Altendorf-Jehle Foto: Schwarzwälder-Bote

Alte Gewann-Namen feiern in Musbach Auferstehung / Ortschaftsrat bringt Schilder an / Faltblatt angedacht

Von Bärbel Altendorf-Jehle Freudenstadt-Musbach. Es war kein Schildbürgerstreich, und Günter Züfle will auch keinen Schilderwald aufbauen. Die Idee des Ortsvorstehers war und ist, die alten Gewann- und Wegenamen der Nachwelt zu erhalten.Eine etwas andere Ortschaftsratssitzung gab es jüngst in Musbach. Statt am großen Tisch in der Verwaltungsstelle über die Belange des Ortes zu debattieren, zog der Ortschaftsrat mit Leiter, Hammer und Nägeln durch den Ort und den Wald und setzte die Idee von Ortsvorsteher Günter Züfle in die Tat um. Fast 30 Holzschilder wurden an Bäumen oder bestehenden Beschilderungen angebracht, mancherorts musste auch erst ein Pfahl in die Erde gerammt werden, um die Schilder überhaupt befestigen zu können.

Schafloch, Saugass,  Stadtergass, Junge Hecke,  Schnepfenloch oder Brunnentrögerweg – solche und ähnliche überlieferte Namen sind nun in Musbach sichtbar für jedermann. Die Auszubildenden des städtischen Forsts hatten die Schilder angefertigt, vom Baubetriebsamt kamen die Pfähle, und die städtischen Schreiner bohrten die Löcher vor.

Woher die Namen kommen, darüber diskutierten die Räte bei jedem Schild, das sie befestigten. So wurden zum Beispiel durch die Saugass früher die Schweine auf die Weide getrieben. Bei Schafloch gingen die Meinungen über die Herkunft des Namens auseinander, denn früher gab es keine Schafe in Musbach. Vielleicht hängt der Name aber auch mit dem Abfluss der kalten Luft in dieser Gasse zusammen, die die Schafskälte so spürbar in den Ort  brachte. Im Schnepfenloch gab und gibt es noch heute scheinbar die Schnepfen und der Gallusweg erinnert an den sagenumwobenen Einsiedler mit gleichem Namen.  

Die Ortschaftsräte waren ganz vertieft in ihre Arbeit, als sie plötzlich beim Hämmern bemerkten, dass sie vor lauter Diskutiererei das falsche Schild an einen Pfahl genagelt hatten. Der Irrtum wurde jedoch noch rechtzeitig erkannt. Dennoch verlässt sich Ortsvorsteher Günter Züfle auf seine Musbacher. "Wenn wir ein Schild falsch aufgehängt oder einen Namen falsch geschrieben haben, wird es mir sicherlich zugetragen und dann sofort geändert." Man überlegt sich auch, ein Faltblatt herauszugeben, in dem die Weg- und Flurnamen erklärt werden. Doch dazu bedarf es auch der Mithilfe der Bevölkerung, vor allem der Hobbyhistoriker aus dem Ort, die zur Aufklärung, so Züfle, sicher viel beitragen können.