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Freudenstadt Vollblutgolfer, Skilehrer und Ritter

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Gerold Fischer kurz vor seinem 90. Geburtstag in seinem Arbeitszimmer, das mit vielen Auszeichnungen geschmückt war. Foto: Breitenreuter Foto: Schwarzwälder Bote

Die Golfwelt trauert um Gerold Fischer. Im Alter von 92 Jahren ist er in Freudenstadt gestorben. Weit über die Stadt hinaus war er bekannt und mit zahllosen Auszeichnungen und Würdigungen dekoriert.

Freudenstadt. Geboren wurde Gerold Fischer in Tetschen Bodenbach an der Elbe im heutigen Tschechien. Dort besuchte er das Staatsoberrealgymnasium. Von 1943 bis 1945 war er Luftwaffenhelfer und Soldat und kam danach nach Farchant bei Garmisch-Partenkirchen, wo er als Caddie auf dem von den Amerikanern besetzten Golfplatz arbeitete und das Golfspielen lernte.

Durch seine Englischkenntnisse brachte es Gerold Fischer bis zum stellvertretenden Sportdirektor des Erholungszentrums der amerikanischen Streitkräfte aus Europa in Garmisch-Partenkirchen. Im Winter verschrieb er sich dem Skisport. Durch seine vielen Kontakte konnte er seinerzeit Garmisch-Partenkirchen als Austragungsort für die Arlberg-Kandahar-Skirennen etablieren.

1957 war Gerold Fischer Golflehrer in Innsbruck. Dort erreichte ihn der Ruf des Präsidenten des Deutschen Golflehrerverbands. In Deutschland wurden Golflehrer gebraucht. Kassel und Freudenstadt standen damals für Fischer zur Wahl. Er entschied sich für den Schwarzwald. Da er nicht nur Golfexperte war, sondern sich auch im Wintersport auskannte, gründete Gerold Fischer eine städtische Skischule, die zur größten im Nordschwarzwald wurde.

Beim Golfclub stets ein gerne gesehener Gast

Beim Golfclub Freudenstadt, einer der ältesten in Deutschland, war Fischer 1959 der erste Golflehrer und brachte vielen Golfern die Grundlagen bei. Präsidentin Gisela Gaiser erinnert sich noch an das von ihm veranstaltete "Krabblerturnier" speziell für Anfänger, bei dem der Schlechteste die Trophäe gewann. Viele Anekdoten habe Gerold Fischer stets auf Lager gehabt und auch Geschichten geschrieben, so Gaiser, die bei ihm in Freudenstadt auch das Skifahren lernte. 17 Jahre lang organisierte Fischer den Traube-Tonbach-Cup beim Golfclub Freudenstadt mit prominenten Spielern. Er war Ehrenmitglied im Club und im Verein Wintersport Stokinger. Bis zum vergangenen Jahr wurde er zu Veranstaltungen der Golfer eingeladen und war ein gerne gesehener Gast. Im Golfsport war Gerold Fischer auch überregional hoch geschätzt. von 1965 bis 1968 war er stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Golflehrerverbands, von 1972 bis 1986 war er dessen Präsident. In dieser Zeit führte er Golf-Länderspiele in Deutschland ein.

Von 1974 bis 1986 war Gerold Fischer Kapitän der deutschen Golf-Professionalmannschaft. 1986 wurde er zum Ehrenpräsident der Professional Golf Association (PGA) in Deutschland ernannt. Als ehrenamtlicher Mitarbeiter war er für das deutsche Golfarchiv der Sporthochschule in Köln tätig. Seine Länderspieltasche steht im Deutschen Golfmuseum in Köln. 2011 wurde Gerold Fischer an der Universität von Birmingham als einziger Deutscher mit der Auszeichnung "A Lifetime of Dedication and Service to Golf" bedacht.

Gerold Fischer war stets bescheiden. Er lebt alleine in einem Reihenhaus in der Manbachsiedlung. Seine Frau Ilse starb bereits 2001. Auch Sohn Roland lebt nicht mehr. Sein Sohn Rainer wohnt in Mannheim. Auch wenn Gerold Fischer gesundheitlich viele Rückschläge einstecken musste, seinen knitzen Humor hat er immer bewahrt. 2012 verfasste er seinen Lebenslauf in Form einer humorvollen Zeitreise.

Auch der Verein Schlaraffia, "Reych" Hohenfreudenstadt, trauert um Gerold Fischer, genannt Ritter Lluja. 56 Jahre war er Mitglied der Männervereinigung und hat das "Reych" in Freudenstadt mit aufgebaut. 17 Jahre war er "Kanzelar", der Vertreter der Schlaraffia nach außen. Oberschlaraffe Gustav Keinath erinnert sich gerne an seine fröhlichen, humorvollen aber auch kritischen Vorträge in bayerischer Mundart. Auf Fischers Initiative entstand die "Weißwurst-Sippung", deren Erlös für einen guten Zweck bestimmt ist.

In Erinnerung ist Gerold Fischer vielen Freudenstädtern auch noch in einer ganz anderen Funktion: Zehn Jahre lang war er der Stadtnikolaus und brachte damals viele Kinderaugen zum Leuchten. Gerold Fischer wurde in Freudenstadt beigesetzt. Die Trauerfeier für den Vollblutgolfer fand – wie konnte es anders sein – im Clubheim des Golfclubs Freudenstadt statt.

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