In der fast fertigen Freudenstädter Stadtkirche fanden über Ostern Baustellengottesdienste statt. Das Bild zeigt Dekan Werner Trick (rechts) und Kirchenmusikdirektor Jörg Michael Sander mit einem kleinen Auswahlchor der Freudenstädter Kantorei. Fotos: Günther Foto: Schwarzwälder Bote

Religion: Baustellengottesdienste geben auch Einblick in Fortschritte bei der Renovierung der Stadtkirche

Für evangelische Christen ist der Karfreitag einer der wichtigsten Feiertage im Kirchenjahr. Für die Kirchengemeinde Freudenstadt galt dies in diesem Jahr in doppelter Hinsicht, denn in der Stadtkirche wurde – nach fast zweijähriger Bauzeit – der erste Gottesdienst gefeiert.

Freudenstadt. Eingeladen hatte die evangelische Stadtkirchengemeinde Freudenstadt zu einem "Baustellengottesdienst". Wer allerdings erwartet hatte, den Karfreitagsgottesdienst zwischen Zementsäcken, Baumaterialien oder gar stehend oder auf Bierbänken erleben zu müssen, wurde angenehm überrascht. Bei den zahlreichen Gottesdienstbesuchern, die den von Dekan Werner Trick geleiteten feierlichen Gottesdienst live miterlebten – viele andere verfolgten die Feier digital vom heimischen Wohnzimmer aus – war die Freude über ihr neu gestaltetes Gotteshaus sicht- und spürbar.

Einiges muss nochfertiggestellt werden

Nicht verwunderlich, denn nach den coronabedingt strengen Einlasskontrollen konnten sich die Besucher an einer in neuem Glanz erstrahlten Stadtkirche erfreuen: Da sorgt die weiß getünchte Kirchendecke – auch die ehemals sandsteinfarbenen Rippungen erstrahlen nun in Weiß – samt zusätzlicher Deckenbeleuchtungen für ein Leuchten von oben, da tauchten die neu renovierten Buntglasfenster die Stadtkirche in warme Farben. Zusätzlich tragen der neue Sandsteinboden, das Echtholzparkett zwischen den Sitzreihen und vor allem die trefflich renovierten Bänke zum gelungen Gesamtbild bei. Mit Blick auf die aufgemöbelten Sitzgelegenheiten bemerkt eine aufmerksame Gottesdienstbesucherin spontan anerkennend: "Endlich fällt mir von der Ablage mein Gesangbuch nicht mehr immer runter." Erst auf den zweiten Blick wurde deutlich, dass Dekan Tricks Einladung zu den österlichen "Baustellengottesdiensten" doch keine schwäbische Untertreibung war, sondern dass in der Stadtkirche noch einiges fertiggestellt werden muss. Der noch fehlende Altar wird bisher noch durch einen dekorierten Esstisch ersetzt, anstatt des Kruzifixes steht daneben ein selbst gebasteltes Kreuz aus Ästen. Auch Lesepult und Taufstein fehlen noch. Beide wurden für die Zeit der Umbauphase dem Alpirsbach Kloster ausgeliehen und sind erst bei der am 13. Juni geplanten Eröffnung wieder in der Stadtkirche zu sehen. Denn vorher müssen noch die notwendigen Sicherheitsanlagen angebracht werden.

Fertiggestellt werden müssen auch noch das Altarpodest, die Vitrinen, die künftig die bisher an der Wand angebrachte Ausstellung zur Geschichte der Stadtkirche beherbergen, sowie der neue Eltern-Kind-Bereich, der am Ende eines Seitenflügels mit direktem Blickkontakt zum Altar eingerichtet wurde. Bis zur Eröffnung gilt es auch noch, die bislang noch verhüllte große Orgel zu reinigen und anzuschließen. Dass nach der langen Bauphase der erste Gottesdienst in der Stadtkirche so scheinbar mühelos gefeiert werden konnte, ist wohl in erster Linie das Verdienst von Mesnerin Galina Mass und deren Stellvertreterin Sonja Haas. Galt es doch im Vorfeld, vieles wegzuräumen und Bänke und Boden von Unmengen Staub zu befreien.

Positive Rückmeldungenvon Besuchern

Unter diesen positiven Vorbedingungen stand somit einem feierlichen und sinnbringendem Karfreitagsgottesdienst nichts mehr im Wege, den Kirchenmusikdirektor Jörg Michael Sander auf dem kleinen Orgelpositiv gewohnt souverän musikalisch begleitete. Zudem überbrachten vier Sänger der Kantorei – allesamt unmittelbar vor dem Gottesdienst von einem Chormitglied negativ getestet – mit ihren volltönend, wohlklingend vorgetragenen Stücken "Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld" von Paul Gerhardt sowie Friedrich von Bodelschwinghs "Nun gehören unsere Herzen" die Karfreitagsgeschichte musikalisch, während Barbara Busch-Wurster die Schriftlesung übernahm.

In seiner Festpredigt ging Dekan Werner Trick auf Aussagen aus dem Buch Jesaja zum stellvertretenden Leiden Jesu ein und stellte der "Welt voll Hunger, Flüchtlingsnot, Pandemie und Einsamkeit" den Plan Gottes zur Errettung durch Jesus entgegen. Mit dem Segenslied von "Kreuz, auf das ich schaue" endete ein in mehrfacher Hinsicht Mut machender Baustellengottesdienst, den einige interessierte Gottesdienstbesucher mit einem kleinen Rundgang durch die Kirche beendeten. Aussagen wie "Die Kirchenbänke sind doch neu", "Gut, dass der Charakter unserer alten Stadtkirche erhalten geblieben ist" oder "So schön hell und freundlich" spiegelten deren Zufriedenheit wider. Viele weitere positive Rückmeldungen waren auch bei den Baustellengottesdiensten am Ostersonntag und Ostermontag zu hören.

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