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Freudenstadt Stürmischer Start für neue Forstchefin

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Neue Chefin in der Villa Poppe: Susanne Kaulfuß, ihr Stellvertreter Björn Uerpmann (Mitte) und Reinhard Geiser. Foto: Rath Foto: Schwarzwälder Bote

Start ohne Schonfrist: Susanne Kaulfuß ist neue Leiterin des Kreisforstamts in Freudenstadt. Eigentlich wollten sie und ihr Stellvertreter Björn Uerpmann, gleichzeitig Leiter des Geschäftsbereichs Ost in Horb, ihre Behörde nach der Reform erst mal neu aufstellen. Dann kam Sturm "Sabine".

Freudenstadt. "Kein Sturmwurf. Die wurde planmäßig gefällt", sagt Kaulfuß und lacht. Prüfend zupft sie an den Nadeln des Baums, der direkt vor der Villa Poppe in der Landhausstraße 34 im Garten liegt. Hier, eine Querstraße oberhalb des Landratsamts, hat das Kreisforstamt seinen Sitz. "Tanne", sagt Kaulfuß.

Liegende Bäume, ob nun vom Sturm direkt oder als Folge des Orkans von Menschenhand gefällt, sind derzeit beherrschendes Thema in der Forstwirtschaft. Einen umfassenden Überblick, was "Sabine" im Landkreis angerichtet hat, gibt es noch nicht. Erste Erkenntnisse lassen den Schluss zu, dass es nicht so heftig war. Es hat wohl vor allem Einzelbäume erwischt, dazu einige "Nester", aber vermutlich keine ganzen Flächen. "Toi, toi, toi", sagt Kaulfuß, seit Jahresbeginn neue Leiterin des Forstamts.

Erfahrung im Forst als Krisenmanagerin

Ihre Mannschaft, nach der Reform von 114 auf 31 geschrumpft, hat mit der Aufarbeitung begonnen. "Wir müssen zügig an die Arbeit gehen." Erst würden Straßen und Wege geräumt, dann geht es in den Bestand. "Aber mit Bedacht. Sicherheit geht vor", so Kaulfuß. Bis April oder Mai will das Forstamt "alles raus haben" aus den Wäldern, es sei ein Wettlauf gegen den Borkenkäfer. Bislang spiele das Wetter mit. Die Frau wirkt fröhlich und entspannt. Grünes Tuch um den Hals geschlungen, aber die typische tannengrüne Fleecejacke mit dem gelben Forstwappen hat sie auch. Kaulfuß zeigt auf ihren Bürostuhl, die Försterjacke hängt über der Lehne. Mit forstlichem Krisenmanagement hat sie sich in ihrer Zeit bei der Forstlichen Versuchsanstalt (FVA) befasst. "Das kommt mir jetzt zugute", sagt Kaulfuß, "außerdem haben wir eine sehr erfahrene und eingespielte Mannschaft."

Die muss sich jetzt neu sortieren, weil drei Viertel der alten Truppe zur Anstalt öffentlichen Rechts gewechselt ist. Sie mit Simon Stahl, dem bisherigen Leiter des Kreisforstamts, an der Spitze kümmert sich jetzt um den Staatswald. Das Kreisforstamt ist unter anderem für die Beratung der Privatwaldbesitzer und Stiftungswälder, den Berieb von acht kommunalen Revieren, die Forsthoheit und die fachliche Beratung zuständig. Die Holzverkaufsstelle gibt es auch noch beim Landratsamt, die mit Michael Hamm jedoch einen eigenen Leiter hat. Baiersbronn, Glatten, Freudenstadt und Bad Rippoldsau-Schapbach haben eigene Förster zur Betriebsleitung ihrer Wälder eingestellt. Der Nationalpark Schwarzwald hat ohnehin eine eigene Forstverwaltung. In Summe ist alles sehr undurchsichtig geworden nach dem Kartellrechtsstreit und seinen Folgen. Ein Flickenteppich.

"Wir wollten so viel wie möglich retten vom einstigen Einheitsforstamt. Viel geblieben ist nicht", sagt Reinhard Geiser, Erster Landesbeamter im Landratsamt. Der Kreis sei froh, mit Kaulfuß (42) Uerpmann (47) zwei Leute an der Spitze des Forstamts zu haben, die sich auch von der jeweiligen Berufserfahrung "hervorragend" ergänzen. Die studierten Forstwirte kennen sich schon seit dem Referendariat 2005, sind dann beide in der Branche rumgekommen. Kaulfuß – ihr Mann ist ebenfalls im Forst tätig – bringt eher die praktische Erfahrung ein, Uerpmann die ministeriale. "Beides ist wichtig. Das passt", findet Geiser.

Zur Staatswaldleitung pflegen die beiden "ein gutes Miteinander" und den fachlichen Austausch. "Sie ist ja in direkter Nachbarschaft. Da gehen wir öfter kurz auf einen Kaffee vorbei", sagt Kaulfuß. Sie stammt aus Sachsen und kam nach dem Studium an der TU Dresden in den Schwarzwald, weil sie "mal Tannen und Fichten" sehen wollte. So landete sie in Freudenstadt und ist nun wieder hierher zurückgekehrt. Uerpmann kam Anfang 2019 in den Kreis.

Waldschutz, Holzvermarktung, Naurschutz, Waldpädagogik – was an Arbeit am Kreisforstamt hängt, findet Kaulfuß "vielfältig und anspruchsvoll". Auch der Umbau der Wälder hin zum stabilen Forst, der den Klimawandel abkann, soll fortgesezt werden. "Der Prozess ist ja seit 30 Jahren am Laufen", sagt die Leiterin. Die Zahl der Laubbäume in tieferen Lagen werde steigen, die Kiefer-Monokulturen dort verschwinden. Nadelhölzer wie Tanne und Douglasie würden künftig bevorzugt die höheren Lagen prägen. Die rund 7100 Privatwaldbesitzer will das Amt betreuen und auf diesem Weg mitnehmen. Der Großteil von ihnen hat Flächen im Ostteil des Kreises. Eine Mammutarbeit, da viele Walderben nicht mal vor Ort wohnen oder viele Flächen durch Teilung nur noch sozusagen eine Handtuchgröße haben. 2,5 Hektar ist die durchschnittliche Besitzgröße. Kaulfuß strahl trotzdem. "Wir haben ja ein tolles Team."

55 600 Hektar Wald gibt es im Kreis Freudenstadt, das sind 63 Prozent der gesamten Fläche. 41 Prozent gehören dem Land, 25 Prozent den Städten und Gemeinden und 32 Prozent den rund 7100 Privatwaldbesitzern. Das Kreisforstamt berät Waldbesitzer kostenfrei und hilft, Zuschüsse zu bekommen. Kostenpflichtig ist die Bewirtschaftung der Wälder durch das Forstamt. Privatwaldbesitzer haben die Wahl, ob sie das Angebot des Kreises in Anspruch nehmen, etwa bei Einschlag oder Holzverkauf sowie der Aufarbeitung von Sturm- und Käferholz, oder ob sie das selbst oder über private Dienstleister erledigen wollen. 90 Prozent des vermarkteten Holzes der Kreisverkaufsstelle geht an Sägewerke in der Region. 14 Revierleiter gibt es im Kreisforstamt.  Wer wissen will, welcher Förster für ihn zuständig ist, kann sich im Forstamt oder auf der Internetseite des Landratsamts informieren: Telefon 07441/9 20 30 01, E-Mail forst@kreis-fds.de und Internet www.landkreis-freudenstadt.de

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