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Freudenstadt Sterbehilfe: Wer entscheidet über den Tod?

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Der Bundesgerichtshof hat das Verbot von aktiver Sterbehilfe gekippt. (Symbolfoto) Foto: dpa

Freudenstadt - Der Bundesgerichtshof (BGH) hat das Verbot von aktiver Sterbehilfe gekippt. Richtig oder falsch? Wir sprachen mit Dekan Werner Trick und Diana Schmidt vom Kinder- und Jugendhospizdienst der Maltester in Freudenstadt. Beide sind von berufs wegen nah dran am Thema. Ihre Zugänge sind unterschiedlich, die Standpunkte jedoch sehr ähnlich.

Frau Schmidt, Herr Dekan Trick, können Sie aus Ihrer beruflichen Warte kurz mit einem Satz sagen: Warum lebt der Mensch, was ist der Sinn?

Schmidt: Dies ist individuell und nicht pauschal zu beantworten. Jeder Mensch hat seine eigene Sinnhaftigkeit, die es zu respektieren und zu schützen gilt. Trick: Ich bin davon überzeugt, dass es uns Menschen gibt, weil wir von Gott gewollt, von Gott geliebt und deshalb von Gott geschaffen sind mit dem Ziel, dass wir in Gemeinschaft mit Gott und anderen Menschen leben und für Gott und für andere Menschen da sein sollen.

Was halten Sie vom Urteil des BGH zum Thema Sterbehilfe?

Trick: Ich halte dieses Urteil nicht für richtig. Es ist nicht gut, dass die Tür für die aktive Sterbehilfe weiter geöffnet wurde. Natürlich haben wir Menschen in vielen Bereichen eine Freiheit, die es zu achten gilt. Aber als Christ glaube ich, dass unser Leben eine Gabe Gottes ist, also von ihm geschenkt ist. Deshalb sollen nicht wir Menschen über unser Lebensende verfügen. Auch das Ende des Lebens steht deshalb in Gottes Hand. Schmidt: Das Urteil stellt einen Einschnitt in unsere auf Bejahung und Förderung des Lebens ausgerichtete Kultur dar. Meines Erachtens schürt dieses Urteil immer mehr die Bedenken, dass schwerkranken, alten, hilfe- oder pflegebedürftigen Menschen abgesprochen wird, ein lebenswertes, sinnerfülltes Leben zu haben.

Können Sie Menschen verstehen, die sagen: Ich kann, ich will so nicht mehr leben, ich beende das jetzt?

Schmidt: Der Mensch sagt, dass er "so" nicht mehr leben möchte. Deshalb ist der hospizliche und palliative Ansatz, dass an diesem Zustand etwas geändert werden muss. Konkret: Schmerzen und Ängste lindern, den Mensch mit seinen Bedürfnissen in den Mittelpunkt stellen, für ihn da sein, ihm ein würdevolle Leben und somit auch ein würdevolles Sterben ermöglichen. Wenn ein Mensch am Leben verzweifelt, müssen wir ihm die Verzweiflung nehmen, nicht das Leben. Trick: Ich weiß, dass es zum Beispiel schwer ist, wenn man am Bett eines Menschen steht, der starke Schmerzen hat und man ihm nicht helfen kann. Ich weiß auch, dass Schmerzen so stark sein können, dass sie zermürben und jemand sagt: "Ich kann nicht mehr." Deshalb ist für mich die Palliativmedizin, die Schmerztherapie wichtig. Wir sollten alles dafür tun, dass Schmerzen erträglich sind. Und es ist mir wichtig, dass wir Menschen auch auf dem letzten Weg begleiten durch Hospizdienste und auch als Familien, so gut wir eben können. Ich halte es aufgrund meines christlichen Glaubens nicht für richtig, dass wir selbst unser Leben beenden oder das Leben eines anderen durch aktive Sterbehilfe beenden. Unsere Aufgabe ist es, einander zu begleiten und zu ermutigen, für einander dazusein, Schmerzen erträglich zu machen und einander bis zum Schluss beizustehen. Auch als Pfarrer wollen wir in diesen Situationen unterstützend dasein und begleiten.

Was würden Sie einem "Assistenten" bei der Selbsttötung, einem "geschäftsmäßigen Sterbehelfer", sagen?

Trick: Ich kann nicht zu einer "Assistenz" raten, da ich das nicht für richtig halte. Ich kann mir auch vorstellen, dass eine Assistenz bei einem Suizid später auch einmal Gewissensnöte machen kann und das eigene Leben belastet. Schmidt: Ich würde ihn fragen: "Haben Sie Respekt vor dem Leben?"

Sie beide sind von Ihrer Aufgabe her nah dran am Thema. Wie erleben Sie das Sterben - als Qual oder als am Ende etwas Friedvolles, Versöhnliches?

Schmidt: Bei einer guten hospizlichen und palliativen Versorgung steht bestmögliche Lebenszeit im Vordergrund, was konkret bedeutet, dass die Wünsche und Bedürfnisse des Menschen berücksichtigt. werden. Trick: Das habe ich bei verschiedenen Menschen unterschiedlich erlebt. Deshalb ist es wichtig, dass wir sterbende Menschen begleiten, ihnen zeigen, dass jemand da ist und, so gut es geht, medizinisch Schmerzen lindern.

Kann es sinnvoll sein, diesen Prozess zu verkürzen?

Schmidt: Wer soll das beurteilen, wann es sinnvoll ist, den Sterbeprozess zu verkürzen? Trick: Nicht durch aktive Sterbehilfe. Ich kann mir vorstellen, dass man zum Ergebnis kommt, auf lebensverlängernde Maßnahmen zu verzichtet, wie es ja auch viele Menschen in ihrer Patientenverfügung festgelegt haben.

Ist das Leben auch in Siechtum, Angst und unheilbarer Krankheit lebenswert?

Trick: Jedes Menschenleben behält seine Würde. Voriges Jahr habe ich selbst meine beiden Eltern verloren. Mein Vater war viele Jahre ein Pflegefall und hat mich durch seine Demenz schon lange nicht mehr gekannt. Er ist einfach unerwartet eingeschlafen. Beim Sterben meiner Mutter war ich dabei. Aber für mich war bei beiden Eltern bis zum Ende klar: Ihr Leben ist wertvoll und hat bis zuletzt seine Würde, auch in Gottes Augen. Schmidt: Erlauben Sie mir die Gegenfrage: Ist das Leben nur dann lebenswert, wenn ich leistungsfähig, gesund, vital und jung bin?

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