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Freudenstadt Selbstjustiz mit infamer Methode

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Einen schwierigen Stoff verarbeitete das Berliner Kriminaltheater im Kurhaus zu einem sehenswerten Krimi auf der Basis von Sebastian Fitzeks Thriller "Der Seelenbrecher". Foto: Keck Foto: Schwarzwälder Bote

Das Berliner Kriminaltheater brachte im Kurhaus Sebastian Fitzeks Psychothriller "Der Seelenbrecher" auf die Bühne. Die Inszenierung von Wolfgang Rumpf führte dem Publikum eine abgespeckte Version des umfänglichen Romans vor Augen.

Freudenstadt. "Der Seelenbrecher" ist eine von diesen kryptischen Geschichten, die menschliches Verhalten weitgehend außerhalb des eigenen Einflussbereichs ansiedeln. Gerade deswegen ist es zugleich entscheidend daseinssprägend. Sebastian Fitzek wird seit Jahren als Deutschlands erfolgreichster Autor von Psychothrillern gehandelt. Seine Bücher erklimmen regelmäßig die Bestsellerlisten. Auch der "Seelenbrecher" zählt zu diesem Genre.

Der Titel gibt sich martialisch, wohingegen das verbrecherische Treiben, das Eindringen in die Selbstbestimmung des Individuums, mit subtileren Mitteln der Psychologie angegangen wird. Wer die verzweigten Handlungsstränge, die absichtlich gelegten irrigen Fährten entschlüsseln will, ist gut beraten, sich den aberwitzigen Stoff nicht nur einmal zu Gemüte führen. Fitzek selbst schlägt dem Leser vor, sich zum besseren Verständnis des Werks und seiner Aktualität willen in die entsprechenden medizinischen Themen respektive die Hypnose einzuarbeiten.

Die Story, die keine große Kulisse braucht, ist natürlich am besten aufgehoben in einer Umgebung mit entsprechender Aura. Der Handlungsort: eine psychiatrische Klinik am Wannsee einen Tag vor Heiligabend. Hier richtet man sich auf sparsame Besetzung für die Feiertage ein. Nur wer unabkömmlich ist, bleibt da.

Kein Entrinnen aus der Klinik

Die männliche Hauptfigur, ein Patient namens Caspar, leidet unter "retrograder Amnesie", also Erinnerungsverlust. Betreut wird er von der Ärztin Sophia Dorn und dem Klinikchef Raßfeld. In diese scheinbare Sicherheit dringt der "Seelenbrecher", ein unbekannter Psychopath, ein. Er hat drei junge Frauen psychisch gebrochen. Sie sind "wie lebendig in ihrem Körper begraben".

Der vorgebliche Verbrecher wird unerkannt in die Klinik eingeliefert. Aus der gibt es wegen eines Schneesturms und technischer Ausfälle im Haus kein Entrinnen. Für die Anwesenden folgt ein Katz-und-Maus-Spiel auf Leben und Tod.

Caspar, in Wirklichkeit der Seelenarzt Haberland, gewinnt Stück um Stück seine Erinnerungen zurück. Er muss erkennen, dass er einem Racheakt ausgesetzt ist für einen schicksalsträchtigen Fehler während der Behandlung seiner eigenen Tochter. Der Seelenbrecher will Selbstjustiz ausüben. Am Ende kommt alles anders, als der zuvor noch uninformierte Theaterbesucher denkt.

Wolfgang Rumpf nimmt sich in seiner Inszenierung viele Freiheiten. So verzichtet er zugunsten eines stringenten Handlungsverlaufs auf das Experiment, in das Fitzek seine Kerngeschichte eingearbeitet hat. Auch beim Personal hat Rumpf den Rotstift angesetzt, allerdings ohne dass es dem Verständnis schadet.

Auf die Bühne angewiesen

Einschneidend ist seine Änderung des Schlusses. Wo der Romanautor mit den Örtlichkeiten variieren kann, ist der Theatermacher auf die Bühne angewiesen. Darunter leidet zuweilen der Spannungsbogen. So waren wichtige Geschehnisse außerhalb des Hauses nur durch ein Fenster zu beobachten. Das achtköpfige Ensemble gab alles daran, den unterschiedlichen Charakteren Konturen zu verleihen. Dies gelang ihm größtenteils gut, obwohl manche Sprechpassagen akustisch nicht zu allen Sitzplätzen durchdrangen.

Für Erheiterung und bisweilen Empörung wegen seines respektlosen Sprachgebrauchs sorgt der Sanitäter Tom (Thomas Gumpert) mit seiner typischen Berliner Schnauze. Sie bildet einen Kontrapunkt zur angespannten Situation.

Auf die Hauptfiguren Sophia Dorn (Kristin Schulze) und Haberland alias Caspar (André Zimmermann) ist der Plot zugespitzt. Erstaunlich, wie die Ärztin große Strecken der Handlung reglos im Rollstuhl verharren kann.

Gefällig wirkte auch die pfiffige Seniorin Greta Kaminsky, die angesichts der Bedrohung kühlen Kopf bewahrt. Das Publikum dankte für die unterhaltsame Aufführung mit lebhaftem Beifall.

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