Die Badische Landesbühne konnte mit ihrer schillernden Aufführung des Stücks "Danton! Tod?" punkten. Foto: Keck Foto: Schwarzwälder-Bote

Vorstellung der Badischen Landesbühne vor über 250 Schülern / Pflichtlektüre gewinnt neue Aspekte

Von Gerhard Keck

Freudenstadt. Mehr als 250 Schüler ließen sich gestern im Kurtheater von einer Matinee-Aufführung der Badischen Landesbühne inspirieren. Georg Büchners Revolutionsdrama "Dantons Tod" trat ihnen in einem ungewohnten Gewand gegenüber, das ihm Olivier Garofalo mit einer Neuinterpretation und in einer Inszenierung von Mehdi Moinzadeh verordnet hat: appellativ durch die veränderte Interpunktion des Titels ("Danton! Tod?"), dramaturgisch in Form der Konzentration auf drei Figuren und eine rational-technische Ausstattung von Ines Unser.

Ein stählernes Gerüst in Gestalt eines Dodekaeders, grelle Lichtreflexe, weiße Kleidung, einfarbige, ins Graue changierende Vorhänge und Überwürfe, Menschen, die mit Drähten miteinander verbunden sind und vielfach marionettenhafte Bewegungen und stereotypes, an Roboter erinnerndes Sprachverhalten an den Tag legen: Moizinadeh macht es dem Zuschauer nicht leicht.

Verfremdung ist ein Prinzip, das typisch ist für die Arbeitsweise der Badischen Landesbühne – weg vom allzu Vertrauten, hin zum Provokativen. Wer mit dem Stück nicht vertraut ist, tut sich zunächst nicht leicht mit den sozialkritischen Auseinandersetzungen.

Danton und Robespierre, herausragende Figuren der französischen Revolution, sind einander fremd geworden. In der Spätphase der gesellschaftlichen Umwälzung droht sie in eine (selbst-) mörderische Diktatur, ins Chaos umzuschlagen. Robespierre will an der Spitze einer neuen Regierung für Ordnung sorgen. Danton will von einer neuen Macht nichts wissen. Statt ihrer soll das Volk lernen, Verantwortung zu übernehmen. Schließlich muss er resigniert anerkennen: "Der Mensch will nicht frei sein." In den beiden Revolutionsführern stehen sich zwei Grundhaltungen gegenüber: Danton, dem guten Leben und Genießen nicht abhold, und Robespierre, ein Tugendbolzen, der seine Abstinenz als politische Waffe einsetzt. Dazwischen bewegt sich die Masse des ausgebeuteten Volks. Garofalo und Moinzadeh haben die Büchner’sche Vorlage auf drei Protagonisten heruntergebrochen und ihnen die gesamte dramaturgische Last aufgebürdet. Andrea Nistor (vorwiegend als Gattin von Danton), Andreas Krüger als Robespierre und Ole Xylander, der Danton verkörpert, bringen physisch und verbal, verbunden mit höchst disziplinierter Körpersprache, eine Spitzenleistung auf die Bühne.

Das rund 80-minütige Stück verlangt gleichbleibende Aufmerksamkeit, die allem Anschein nach von der großen Schülerschaft auf den Rängen voll erbracht worden ist. Unter der Regie von Mehdi Moinzadeh gewinnt die sogenannte Pflichtlektüre im Literaturunterricht neue Aspekte. Das Publikum dankte mit lebhaftem Beifall für einen anregenden Theatermorgen.

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