Horst Bäuerle hat eine enorme Sammlung an Grenzsteinzeugen – jetzt hat er sein Wissen auch zu Papier gebracht. Foto: Heinzelmann

Horst Bäuerle stellt neues Buch vor. Ausstellung bis 6. Juli in der Kreissparkasse Freudenstadt.

Freudenstadt - Horst Bäuerle bekommt am Samstag Post. Eine ganze Pallette voll. 500 Bücher, in denen mehr als 800 Zeugen und Grenzsteine abgebildet sind. Auf mehr als 200 Seiten, alle feinsäuberlich beschrieben von Horst Bäuerle. Bei den 500 Büchern mit dem Titel "Geheime Grenzsteinzeugen" wird es nicht bleiben.Aber fangen wir ganz von vorne an. Es war damals, als junger Mann, als Horst Bäuerle eine Vermessungstechniker-Lehre beim Stadtmessungsamt Stuttgart absolvierte und noch keiner ahnte, dass er einmal der große Beamtenbunds-Vorsitzende im Land werden würde. Da ergab es sich, dass Horst Bäuerle in Weingarten den Grundstock für eine später beeindruckende, wenn auch überaus ungewöhnliche Sammlung legte. Grenzsteinzeugen. Diese wurden unter einem Grenzstein eingegraben, um bei Grenzstreitigkeiten oder bei Verlust des Steins dessen genaue Lage zu bezeugen.

 

Da Weingarten eine reiche Gemeinde war, waren die Zeugen aus Ton, die Horst Bäuerle aufhob, sogar glasiert. Doch seine Leidenschaft für die Zeugen aus Ton, Glas oder Porzellan sollte erst später, in seiner Zeit beim Vermessungsamt in Freudenstadt, zu voller Größe heranreifen. Knapp 5500 Grenzsteinzeugen sammelte Horst Bäuerle, heute 75, in all den Jahren, trotz zehnjähriger, beruflich bedingter Pause. Ein Teil der Sammlung ist auf Tafeln im Vermessungsamt in Freudenstadt ausgestellt. Der größte Teil aber hängt an den Wänden seines Hauses – nicht jedoch im Schlafzimmer, da hat seine Frau Sieglinde schließlich auch noch ein Wörtchen mitzureden.

Immer wieder kommen neue Funde hinzu. Auch seine weitreichenden Bekanntschaften, die er während seiner Gewerkschaftstätigkeit schloss, haben Horst Bäuerle schon zur einen oder anderen "Kostbarkeit" verholfen. Im Tausch mit anderen Zeugen. Nicht lange her, ist er in Crailsheim auf den Inhalt des Musterkoffers von Karl Weckerle gestoßen, ein Kaufmann, der mit Grenzsteinzeugen handelte und der in den 1950er- und 1960er-Jahren auch im Kreis Freudenstadt tätig war. Auf dem Dachboden eines Hauses hatte Horst Bäuerle die Gelegenheit, rund 20 Kartons zu sichten. Das nahm Stunden in Anspruch und führte unter anderem zu der enttäuschenden Erkenntnis, dass ein Großteil der Zeugen Fälschungen sind. Aber unter all dem Schutt verbargen sich auch die Weckerle-Muster.

Bei seiner intensiven Beschäftigung mit den Zeugen seit seinem Ruhestand, der aufgrund der Vielzahl an Aufgaben, die Horst Bäuerle immer noch wahrnimmt, eher ein Unruhestand ist, hat er sich auch zu einem Experten in Sachen Geschichte entwickelt. "Es gibt keinen Freudenstädter, der sich besser im Kanton Schaffhausen auskennt als ich", sagt Horst Bäuerle mit einem überzeugten Lächeln auf den Lippen. Aber nicht nur sein geschichtliches Wissen über den Schweizer Kanton ist enorm, auch mit Historischem in der Region kennt er sich sehr gut aus. Die Tragweite seiner Sammlung wurde bei einer Ausstellung im Landratsamt in Freudenstadt vor wenigen Jahren deutlich. Damals soll der ehemalige Landrat Peter Dombrowsky in etwa Folgendes gesagt haben: "Mensch, Herr Bäuerle, dieses Wissen darf doch nicht verloren gehen." Das war für den Vermessungsingenieur mit ein wichtiger Anstoß dazu, seine Erkenntnisse in einem Buch niederzuschreiben. "Ich möchte dieses Kulturgut transportieren", sagt Horst Bäuerle über seine Grenzsteinzeugen. Im Blick hat er eine breite Öffentlichkeit. Deshalb hat er sich auch für eine Auflage von 1000 Stück entschieden, auch wenn es sich um ein absolutes Spezialgebiet handelt. Die Lieferung der ersten 500 Stück steht am Samstag an. Auch eine weitere Überlegung hat Horst Bäuerle umgetrieben: "Meine Söhne und Enkel können in Erinnerung an mich mal ein Buchgeschenk machen", sagt der 75-Jährige.

Dafür hat Horst Bäuerle einiges auf sich genommen. Bereits im Jahr 2009 begann er mit den Vorarbeiten für sein Buch. Insgesamt hat er über 1000 Stunden investiert, so seine vorsichtige Schätzung, wenn’s denn mal reicht. Er war in der Schweiz, aber auch in Thüringen und Bayern unterwegs, fotografierte unzählige Grenzsteine und betrieb stundenlange Recherchen in Archiven, vor Ort auch unterstützt von Karoline Adler vom Stadtarchiv.

Jetzt ist sein Buch fertig, und Horst Bäuerle präsentiert es am Mittwoch geladenen Gästen in der Kreissparkasse Freudenstadt. Gleichzeitig eröffnet er die Ausstellung "Grenzsteinzeugen – Dokumentation der Vielfalt" – seine 226 Exponate sind dann noch bis 6. Juli in der Kreissparkasse zu sehen. Sechs Tafeln, die die Geschichte von Grenzsteinen und Zeugen aufarbeiten, werden anschließend noch im Landkreis-Pavillon auf der Horber Gartenschau ausgestellt.

Weitere Informationen: Geheime Grenzsteinzeugen. Dokumentation der Vielfalt von Grenzsteinzeugen im Landkreis Freudenstadt (den ehemaligen Landkreisen Freudenstadt und Horb) sowie anderen Ländern (Bayern, Schweiz, Thüringen), Herrschaften, Städten und Gemeinden. 208 Seiten. ISBN 978-3-87863-174-3. 34,90 Euro.

Der Vermessungsingenieur aus Freudenstadt war unter anderem Vorsitzender des Bezirkspersonalrats beim Landesvermessungsamt und des Hauptpersonalrats beim Innenministerium Baden-Württemberg. Horst Bäuerle gründete den Bund der Technischen Beamten Baden-Württemberg und war fast zwei Jahrzehnte BTB-Landesvorsitzender sowie stellvertretender Bundesvorsitzender. Zwölf Jahre war er stellvertretender Landesvorsitzender des Beamtenbunds im Land, ebenso lange dessen Vorsitzender. Dem Landesrundfunkrat im Südwestrundfunk saß er ein Jahrzehnt lang vor. Auch war er Gründungsmitglied der Ingenieurkammer Baden-Württemberg und lange Zeit deren Vizepräsident. Die Liste seiner Tätigkeiten ließe sich noch fortsetzen.

Für sein großes Engagement erhielt Horst Bäuerle das Verdienstkreuz am Bande und das Verdienstkreuz erster Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland sowie die Verdienstmedaille des Landes.