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Freudenstadt/Ruhestein Nationalpark: Verbot löst Shitstorm aus

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Natur und Mensch - im Nationalpark häufig ein Spannungsfeld. Foto: Arne Kolb/Nationalpark

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Freudenstadt/Ruhestein - Was macht ein begeisterter Hobbyfotograf, wenn das Wochenende naht? Er packt seine Kamera aus. Das hatten auch die Mitglieder des Vereins Photoworks Freudenstadt vor. Allerdings mitten im Gebiet des Nationalparks Schwarzwald und bei Nacht. Nichts da, sagte die Nationalparkverwaltung. Die Behörde verwies auf den Schutz des Auerwildes und blies die Astrofotografie-Session kurzerhand ab. Was folgte, war ein Shitstorm in den Sozialen Medien.

Doch von vorn. "Photoworks" hatte am vergangenen Wochenende ein ganz besonderes Shooting geplant. Abgelichtet werden sollte die Milchstraße. Und zwar von einem Aussichtspunkt oberhalb des Hotels Schliffkopf aus. Dorthin führen gut ausgeschilderte Wanderwege, die Autos sollten am Hotelparkplatz stehen bleiben. Der Verein machte die Veranstaltung auf seiner Facebook-Seite publik, sechs Fotografen meldeten sich an.

So weit, so gut. Wäre nicht einen Tag vor dem lange geplanten Workshop das böse Erwachen gekommen. Die Parkverwaltung meldete sich bei "Photoworks" und untersagte das Treffen. Das Problem: Unweit des Aussichtspunktes lebt das bedrohte Auerwild. Zudem hatte der Verein den Workshop nicht angemeldet. Bei "Photoworks" war die Enttäuschung groß. "Aber wir haben das dann akzeptiert", erzählt Vorsitzende Simone Weniger. "Wir wussten nicht, dass wir die Veranstaltung hätten genehmigen lassen müssen." Auch das Auerwild wolle man selbstredend nicht stören, stellt sie klar. "Als Fotografen lieben wir die Natur und gehen entsprechend rücksichtvoll mit ihr um."

SWR-Video stößt Fotografen sauer auf

Damit wäre die ganze Sache wohl abgehakt gewesen - wäre da auf Facebook nicht dieses Kurzvideo des SWR aufgepoppt. Was darin zu sehen ist, passt schwerlich zur Vorstellung von unberührter Natur: Touristenströme ziehen durch den Park, bei einer Drückjagd werden Wildtiere gezielt aufgescheucht und erlegt. Der Sender wirft die provokante Frage auf: "Ist der Nationalpark Schwarzwald eine Mogelpackung?" Für "Photoworks" bringen diese Szenen das Fass zum überlaufen: Drückjagden sind also okay, aber Fotografen stören das Wild? Der Verein macht seinem Ärger in einem Facebook-Post Luft, bezeichnet das Vorgehen der Parkverwaltung vor dem Hintergrund des SWR-Beitrags als "schallende Ohrfeige" und fordert eine Erklärung ein. Der Post verbreitet sich viral und löst einen Shitstorm aus, der sich gewaschen hat. "Diese Affen haben doch nicht mehr alle Latten am Zaun", gehört noch zu den freundlicheren Nutzer-Kommentaren.

Mittlerweile haben sich die Wogen geglättet. Vertreter des Vereins und der Parkverwaltung haben den Sachverhalt in einem persönlichen Gespräch geklärt. Simone Weniger bezeichnet das Treffen als konstruktiv. "Ich glaube, beide Seiten konnten viel mitnehmen."

Die Parkverwaltung, meint sie, habe die Fotografen bislang einfach zu wenig auf dem Schirm gehabt. Der Informationsfluss müsse besser werden. Die Regeln für das Fotografieren im Schutzgebiet müssten beispielsweise auch auf der Homepage des Parks nachlesbar sein. "Außerdem haben wir eine Info-Veranstaltung speziell für Fotografen angeregt." Also alles im grünen Bereich zwischen Nationalpark und "Photoworks"? "Ich sage jetzt mal: Ja", meint Weniger und lacht.

Info-Abend für Fotografen in Planung

Und wie sieht man das bei der Parkverwaltung? Wolfgang Schlund, einer der beiden Leiter des Nationalparks, gibt sich zerknirscht: "Das ist dumm gelaufen." Hätte man bei der Verwaltung nicht erst kurz vor knapp von dem Workshop erfahren, "hätte ich einen wunderbaren Parkplatz empfohlen, wo es gar nicht stört". An der fehlenden Genehmigung wäre das Ganze jedenfalls wohl kaum gescheitert: Dafür, meint Schlund, hätte man schon eine Lösung gefunden. "Woher sollen die Leute das auch wissen?" Grundsätzlich seien Fotografen im Nationalpark willkommen. Man habe die Anregung des Vereins aufgegriffen und plane eine spezielle Info-Veranstaltung für Film- und Fotobegeisterte.

Nicht verhandelbar ist für den Nationalpark-Chef dagegen der Artenschutz. Beim Auerwild sei gerade Balzzeit, erklärt Schlund. Eine sensible Phase, die eine besondere Rücksichtnahme auf die Tiere erforderlich mache. Das Balzen beginne erst in der Dämmerung, die Tiere dürften dann keinesfalls gestört werden.

Und was ist mit der Drückjagd? Dass diese die Tiere stört, steht auch für Schlund außer Frage. Andererseits sei der Park verpflichtet, die angrenzenden Wirtschafswälder zu schützen - etwa vor vermehrten Verbissschäden. Ohne Jagd, sagt Schlund, gehe das nicht. Gejagt werde aber nicht während der sensiblen Brut- und Aufzuchtzeiten der Tiere, sondern nur im Herbst. Dann werde, wie im vergangenen Jahr, für kurze Zeit intensiv gejagt. Danach kehre im Park wieder Ruhe ein - für mindestens ein Jahr.

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