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Freudenstadt Rege Beteiligung als größter Erfolg

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Sylvia Marquardt vom Vorstand des Freien Radios Freudenstadt am Mischpult.Foto: FRF Foto: Schwarzwälder Bote

Freudenstadt. Seit 25 Jahren ist das Freie Radio Freudenstadt auf Sendung. Im Interview erzählt Sylvia Marquardt vom Vorstand über die Menschen, die dort Sendungen machen, und von den Erfolgen des Vereins.

Frau Marquardt, Freies Radio Freudenstadt sendet seit 1995 – das ist eine lange Zeit. Wie erklären sie sich den Erfolg des Senders?

Freies Radio Freudenstadt fügt sich ein in eine internationale Tradition selbstbestimmter und offener Medien, oft auch als "community radio" bezeichnet. Wir bieten Kreativräume, in denen ganz normale Bürger Zugang zur öffentlichen Sphäre erhalten und zu Gehör bringen können, was ihnen wichtig ist – unabhängig von Alter oder Herkunft, unabhängig auch von der Frage, welches Thema wohl am meisten Hörerquoten verspricht. Und wer einmal Gefallen daran gefunden hat, den lässt die Lust am Radiomachen oft nicht mehr los.

Wegen Corona müssen größere Feierlichkeiten zum Jubiläum ausfallen. Gibt es dennoch einige Events, die man im Auge behalten sollte?

Für unser Jubiläumsjahr 2020 hatten wir viele Veranstaltungen geplant, bei denen wir Menschen begegnen wollten, zum Beispiel mit einer Live-Übertragung vom Afrikafest oder bei einem Radio-Café aus dem Kulturzentrum im Kloster Horb. Diese Veranstaltungen möchten wir unbedingt nachholen, sobald das wieder möglich ist. So mussten wir unsere Aktivitäten aufs Radioprogramm konzentrieren, zum Beispiel mit Extra-Sendungen zum Mitmachen oder mit 25 kurzen Audio-Specials zu unserer Geschichte und unserem Programm.

Ihr Sender will Bürgern und gesellschaftlichen Gruppen Gehör verschaffen, die beim kommerziellen oder öffentlich-rechtlichen Rundfunk eher nicht zum Zuge kommen. Können Sie uns solche Gruppen nennen, die bei Ihnen Programm machen?

In unserer Sendereihe "Mein Verein im Radio" zum Beispiel haben sich bereits an die 100 lokale Vereine und Initiativen vorgestellt. Der Sendeplatz wird von erfahrenen Moderatorinnen und Moderatoren betreut, die das Gespräch gemeinsam mit dem jeweiligen Verein gut vorbereiten und anschließend gemeinsam auf Sendung gehen. Das ist eine Möglichkeit, wie auch Menschen ohne journalistische Vorerfahrung und ohne unsere Kurse durchlaufen zu haben, bei uns auf Sendung gehen können.

Kann jeder mitmachen im Programm - oder gibt es konkrete Voraussetzungen oder Beschränkungen?

Es gibt keine von "oben" bestimmte redaktionelle Linie oder ein vorgegebenes Musikformat. Wir sind offen für alle gesellschaftlichen Gruppen, die ihre Interessen und Meinungen einbringen können, im Einklang mit einem selbst beschlossenen Redaktionsstatut. Selbstverständlich gelten die üblichen Regeln des Zivil- und Strafrechts. Wir bewegen uns im Rahmen der Medien- und Pressegesetze.

Was sind denn die Höhepunkte des Programms? Auf welche Sendungen sind Sie persönlich besonders stolz?

Es freut uns besonders, wenn einzelne Sendungsmachende oder Redaktionsgruppen Auszeichnungen von außen erhalten, zum Beispiel beim baden-württembergischen Medienpreis 2002 oder beim Schülermedienpreis 2016, denn das bedeutet Anerkennung für ihre und unsere Arbeit. Letztes Jahr hat uns Sozialminister Lucha besucht, um sich über unsere inklusive Arbeit zu informieren. Auch diese Form der Anerkennung freut uns sehr, ebenso wie die Spende der Stadt Freudenstadt zu unserem Jubiläum. Als größten Erfolg für alle bisher Aktiven betrachten wir ihre rege Beteiligung. Dass sie sich in der Öffentlichkeit bewegen und ihre Stimmen einbringen, ist für uns gelebte Bürgerkultur. Nebenher haben eine Menge junger Leute, die "irgendwas mit Medien" machen wollten, über den Einstieg bei uns einen für sie interessanten Beruf gefunden.

Die Programmmacher sind ja in aller Regel Rundfunk-Laien, haben keine Medienkompetenz. Ihr Sender gibt aber Hilfestellung? Wie sieht das konkret aus?

Interessierte erlernen in Workshops, persönlichen Einweisungen und durch laufende Unterstützung journalistische und technische Grundlagen des Radiomachens. Die Angst vor der Technik ist dabei übrigens über die Jahre hinweg immer kleiner geworden bei den Neulingen. Nach wie vor beachtenswert – auch und gerade heute, im Zeitalter von Big Brother, Social Media und Influencern – sind Dinge wie Diskretionspflichten, sorgfältige Recherche, die Trennung von Bericht und Meinung. Idealerweise gewinnt man dadurch auch ein kritischeres Ohr für die Meldungen, die täglich in Massen auf uns einprasseln: Unsere Sendungsmachenden erfahren Medien nicht nur, indem sie sie konsumieren oder kommentieren, sondern indem sie sie selber machen.  Die Fragen stellte Peer Meinert.

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