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Freudenstadt Praktikant aus Burundi im Krankenhaus

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Ein gelungenes Krankenhausprojekt über Kontinente hinweg (von links): Florian Bea, Chefarzt für Kardiologie und der Altheimer Allgemeinmediziner Rainer Schach sind begeistert über die Arbeitsfreude des Praktikanten Blaise-Machel Bisabwa aus Burundi. Foto: Morlok

Horb - Zum Gesamtpaket vom Burundi-Krankenhaus-Projekt des Altheimer Allgemeinmediziners Rainer Schach wird derzeit im Freudenstädter Krankenhaus ein weiteres kleines Puzzleteil zum großen Ganzen beigefügt. Der burundische Arzt Blaise-Machel Bisabwa bekam von Professor Florian Bea, dem Chefarzt für Kardiologie an den Krankenhäusern im Landkreis Freudenstadt, die Chance, in seiner Abteilung ein achtwöchiges Praktikum zu machen.

"Vor rund sechs Wochen kam Rainer Schach auf mich zu und fragte, ob der junge Arzt bei uns ein Praktikum machen kann", erinnerte sich Florian Bea im Gespräch mit unserer Zeitung. Da sich beide Mediziner gut kennen und sich gegenseitig sehr schätzen, war dieser Wunsch kein Problem, und vor zwei Wochen reiste der 28-jährige Mediziner aus Schwarzafrika an.

"Für ihn war es nicht nur ein Kultur- und Arbeitsschock", schmunzelte Bea über die ersten Tage seines Schützlings in Freudenstadt. "Es war ein Komplett-Schock – krasser hätte die Umstellung nicht sein können."

Bea berichtet weiter: "Wir bauen hier einen Herzschrittmacher in einer halben Stunde ein und am nächsten Tag geht der Patient nach Hause – das ist in Burundi undenkbar, dort fallen die Patienten mit Herzrhythmusstörungen einfach um", nannte Bea ein Beispiel, und Rainer Schach, der bei dem Gespräch mit dabei war, ergänzte, dass es in Burundi auch derzeit noch nicht möglich ist, einen Stent zu setzen.

Für diesen sehr schnellen und effektiven Eingriff, der im KLF zum täglichen Geschäft gehört, müsste der Patient 2000 Kilometer ins Nachbarland Kenia nach Nairobi fliegen. Aber nicht nur über den hohen medizinischen Standard wunderte sich der Gastarzt, auch über die Pünktlichkeit – jeder Tag beginnt um 7.40 Uhr mit einer Teamsitzung – bis hin zu den Hygieneanforderungen, der technischen Ausstattung des Krankenhauses, der ausgefeilten Diagnostik und den klaren Strukturen im Arbeitsablauf und in der Hierarchie konnte er nur staunen.

Es sind für ihn wertvolle Neuigkeiten, die Blaise, so nennen ihn im Krankenhaus alle wegen seines fast unaussprechlichen Nachnamens, aufsaugt wie ein Schwamm. "Wir alle sind von ihm positiv überrascht", lobte ihn auch sein aktueller Chef. "Er ist handwerklich überaus geschickt, sehr wissbegierig und engagiert und hat sich bei uns innerhalb kürzester Zeit durch seine freundliche Art sehr beliebt gemacht", so Bea, der das Engagement von Gastärzten auch ganz anders kennt. "Viele stehen nur blöd rum – Blaise dagegen möchte aus jeder Minute rausholen was geht." Blaise-Machel Bisabwa fühlt sich am Freudenstädter Krankenhaus richtig wohl: "Es macht Spaß, hier zu arbeiten."

Kein Wunder, ist doch dieser erste Aufenthalt in Deutschland für den jungen afrikanischen Arzt das Sprungbrett zu seinem großen Traum. Er möchte seine Facharztausbildung in Europa machen. Um an eines der begehrten Visa zu kommen, ist der Job im KLF für Blaise fast schon wie ein Sechser im Lotto. Die Arbeitsbescheinigung, die er für sein Praktikum erhält, öffnet ihm die ersten Türen zu dem begehrten Platz in einer europäischen Klinik.

Und dafür nimmt der Nachwuchsmediziner auch einiges in Kauf. So hat er sich das Geld für sein Flugticket selbst besorgt und gönnt sich neben einem täglichen Waldlauf und ab und zu einem kleinen Kick auf einem nahegelegenen Bolzplatz keine Freizeit während seines Aufenthaltes im Schwarzwald. Kein Sightseeing, kein Schwarzwaldmädel mit Bollenhut, sondern Arbeit, Arbeit und nochmals Arbeit – so sieht sein Tagesplan in den Abteilungen Kardiologie, Angiologie und der Intensivmedizin von Professor Bea aus.

Er wohnt bei freier Kost und Logis im Gästehaus des Krankenhauses und geht an den Wochenenden Rainer Schach in der Notfallaufnahme zur Hand. "Wir lassen ihn zwar praktisch am Mann arbeiten", betont der Leiter der Abteilungen der Medizinischen Klinik II, "aber nie ohne Aufsicht". Bea versichert, dass man, schon allein aufgrund der Geschichte mit dem falschen Horber Notarzt, die Approbation von Blaise sehr sorgfältig geprüft habe und er tatsächlich studierter Arzt sei, sein Aufenthalt in Freudenstadt jedoch wirklich nur als Praktikum zu sehen ist, bei dem er zwar vieles lernen, aber nichts falsch machen kann.

Ihre Redaktion vor Ort Freudenstadt

Ihre Redaktion vor Ort Horb

Florian Ganswind

Fax: 07451 9003-29

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