Als Miteigentümer des Platzmeisterhauses im Christophstal will der Denkmalverein rund 90 000 Euro für die Sanierung des Denkmalobjekts beisteuern und dafür auch Spenden sammeln. Foto: Privat

Denkmalverein muss rund 90.000 Euro Kosten stemmen. Dachsanierung als erster Schritt.

Freudenstadt - Mit dem Teilerwerb des Platzmeisterhauses im Christophstal wurde der Denkmalverein nicht nur Mitbesitzer eines Stücks früher Eisenindustriegeschichte. Für den Verein ist der Kauf auch ein finanzielles Wagnis. Das Platzmeisterhaus und seine Zukunft sorgte in der Hauptversammlung des Denkmalvereins für reichlich Gesprächsstoff. Im Frühjahr des vergangenen Jahres erwarben der Denkmalschutzverein, der Geopädagoge Hans-Peter Maier und Tomas Rapp (Galerie "Blaues Haus") das Objekt zu gleichen Teilen. Ein "Rettungskauf", der auf positive Resonanz stieß, aber für die Erwerber auch erhebliche finanzielle Konsequenzen nach sich zieht. Noch bevor überhaupt an eine Sanierung zu denken war, stand für die neuen Eigentümer zunächst eine umfassende Entrümpelung des verwahrlosten Objekts an.

 

Wie Denkmalvereins-Vorsitzender Siegfried Schmidt anhand einiger Fotos demonstrierte, kam unter vielerlei Müll, Schutt und Tapeten ein echtes Schmuckstück zum Vorschein. Ein authentisches Biedermeiergebäude, ein (Bau-)Denkmal Christophstaler Industriegeschichte.

Michael Kitzlinger, Bauingenieur und frisch gewählter Beisitzer des Denkmalvereins, präsentierte den versammelten Eigentümern weniger erfreuliche Fakten. Die vordringlichste Aufgabe sei die Instandsetzung des maroden Dachs, so Kitzlinger. "Ansonsten geht das Gebäude neuen Schäden entgegen." Die Dachstuhlsanierung macht nur einen kleineren Teil der hochgerechneten Gesamtkosten für das Denkmalrettungsprojekt aus: 272 000 Euro stehen zu Buche, inklusive der Sanitär- und Elektroarbeiten sowie einer Muster-Möblierung im Biedermeierstil. Rund 90 000 Euro Bau- und Ausbaukosten kommen somit in den folgenden zwei bis drei Jahren auf den Denkmalverein zu.

Über die beim Landesdenkmalamt und bei der Deutsche Stiftung Denkmalschutz gestellten Förderanträge wird erst im Frühjahr entschieden. Doch auch bei Genehmigung von Zuschüssen werde der Verein rund 50 000 Euro zu schultern haben, bilanzierte Beisitzer Peter Glitza nüchtern.

Das gezielte Sammeln von Spenden wurde daraufhin ebenso diskutiert wie zinslose Darlehen von Mitgliedern. Für die Vereinsmitglieder resultiere daraus aber kein persönliches Risiko, schaffe man doch durch die Restaurierung des Gebäudes einen bleibenden Wert für den Verein, so Glitza. "Wir müssen uns darüber klar sein: Ziehen wir das nun durch oder nicht?", rief Glitza den Mitgliedern zu. Das Votum fiel dann aber eindeutig aus. Per Grundsatzbeschluss sprach sich die Versammlung einstimmig für eine baldmögliche Dachsanierung aus. Über den Umfang der weiteren Arbeiten wird in einer Sondersitzung entschieden werden, wenn auch die Zuschussbescheide vorliegen. Bis dahin gilt es für die Eigentümer der historischen Stätte, konkrete Ideen für deren künftige Nutzung zu entwickeln. Denn, so Michael Kitzlinger, eine Sanierung müsse sich letzten Endes an der geplanten Nutzung orientieren. Ein Vereinsheim mit kleiner Wohnung im Dachgeschoss, ein Hort für kulturelle Veranstaltungen – an Ideen herrschte kein Mangel. In einem waren sich alle einig: Eine rasche Annutzung des Gebäudes soll angestrebt werden.