Oberbürgermeister Julian Osswald (links) hat eine Gruppe der Nachtwanderer mit Hans-Martin Haist von der Kinder- und Jugendwerkstatt Eigen-Sinn (Zweiter von rechts) beim nächtlichen Rundgang durch die Stadt begleitet. Foto: privat

Julian Osswald sammelt Erfahrungen als Nachtwanderer. Weitere "Mitläufer" gesucht.

Freudenstadt - Bisher war er "nur" Schirmherr des Projekts. Nun weiß Oberbürgermeister Julian Osswald selbst, was es heißt, als Nachtwanderer in Freudenstadt auf Tour zu gehen.

"Ich kann für das Projekt viel besser werben, wenn ich einmal selbst live dabei war", meint Osswald.Seine Nachtwanderer-Kollegen, darunter Hans-Martin Haist von der Kinder- und Jugendwerkstatt Eigen-Sinn, traf Osswald um 21 Uhr zur Vorbesprechung. Zunächst wurden den neuen Nachwanderern die bisherigen Erfahrungen und Eindrücke vermittelt.

Nach der Besprechung der Verhaltensregeln und dem Anlegen der blauen Jacken mit dem Nachwanderer-Schriftzug ging es hinaus in die relativ kalte Nacht. Der Oberbürgermeister konnte im Laufe der drei Stunden ganz neue Eindrücke "seiner" Stadt gewinnen, die nicht nur mit dem Thema "Jugendliche" zu tun hatten. "Bei Nacht zu Fuß in der gesamten Innenstadt unterwegs zu sein, ist eine ganz neue Erfahrung", so Osswald.

Meisten Aktivitäten rund um den Stadtbahnhof

Trotz der kalten Temperaturen war eine große Zahl von Jugendlichen unterwegs. Die meisten Aktivitäten stellten die Nachtwanderer rund um den Stadtbahnhof fest. Weitere Gruppen waren in der Straßburger Straße und im Bereich des Kurhauses anzutreffen. Trotz des zu beobachtenden Alkoholkonsums blieb es den ganzen Abend sehr friedlich, und die Nachtwanderer kamen mit der einen oder anderen Gruppe ins Gespräch. Dabei interessierten sich die Jugendlichen vor allem für die Gründe, warum sich Erwachsene um sie kümmern. Der gesamte Abend lief in einer sehr ruhigen Atmosphäre ab, was sicherlich auch dem "Hinsehen" der Nachtwanderer zu verdanken ist.

Nachtwanderer sind ehrenamtlich tätige Erwachsene ab 25 Jahren, die sich in kleinen Gruppen freitag- und samstagnachts für einige Stunden an verschiedenen Orten in der Stadt aufhalten. Sie wollen für Jugendliche Ansprechpartner sein, in schwierigen Situationen deeskalierend wirken und ihre Unterstützung anbieten. Das Projekt der Nachtwanderer gibt es seit November 2009 in Freudenstadt. Es ist ein Baustein zur Ergänzung der mobilen Straßensozialarbeit. Die Träger des Projekts sind die Diakonische Bezirksstelle, die Erlacher Höhe und die Kinder- und Jugendwerkstatt Eigen-Sinn.

Bisher beteiligen sich in Freudenstadt rund 30 Ehrenamtliche. "Um wirklich regelmäßig freitags und samstags ›nachtwandern‹ zu können, suchen wir dringend weitere engagierte Mitläufer", erklärt Hans-Martin Haist. Er hofft, dass viele Freudenstädter dem Beispiel von Oberbürgermeister Osswald folgen und sich den Nachtwanderern anschließen. Auch der Rathauschef wünscht sich weitere Freiwillige: "Die Arbeit muss auf vielen Schultern verteilt werden, und es ist wichtig, dass so oft wie möglich Präsenz gezeigt wird."

Weitere Informationen:

Renate Braun-Schmid von der Diakonischen Bezirksstelle, Telefon 07441/88 40 12

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