Zwei Bärenfänger führten den Oberbürgermeister auf den Marktplatz, wo er den Rathausschlüssel abgeben musste. Fotos: Schwark Foto: Schwarzwälder-Bote

Fasnet: Bärenfänger führen Oberbürgermeister auf den Marktplatz / Auch Landratsamt gestürmt

Von Lothar Schwark

Die Narren haben sich den Rathausschlüssel von Oberbürgermeister Julian Osswald geholt. Danach zogen sie weiter zum Landratsamt.

Freudenstadt. Mit dem schmotzigen Donnerstag begann in Freudenstadt die heiße Phase der Fasnet. Bereits um 8 Uhr traf sich die Narrenzunft Freudenstadt zum Narrenfrühstück im Gasthaus Adler. Gut gestärkt zog sie am Mittag zum Rathaus, um den Oberbürgermeister über die närrischen Tage zu entmachten.

Der wehrte sich zwar nach Leibeskräften. Aus seinem Dienstzimmer rief der den Narren, die unten im starken Schneegestöber auf seine Entmachtung warteten, zu: "Ich bleibe hier, mich bekommt ihr nicht." Doch der Schultes hatte nicht mit zwei Bärenfängern gerechnet, die ihn in schweren Ketten aus seinem Büro ins Freie führten.

Tunnel und Bergbau kommen auf den Tisch

Zunftmeister Karl Heinz Schau las Osswald die Leviten. "Eine Nachricht, dia isch für unsere Narrenzunft ganz famos, mit dem Bergbau im Christophstal geht’s jetzt dann wieder los", so Schau. Und er verkündete lautstark: "Unsere Bergmännle wean beschäftigt sei bei Tag und Nacht, und bauet jede Menge Eisenerz ab, dass es nur so kracht. Und auch beim riesigen Tunnel von der Kreissparkasse bis zum Boschaloch die Bergmännle dürfet grabe noch und noch", setzte er noch einen drauf.

Viele Themen und die bevorstehende Oberbürgermeisterwahl kamen auf den Tisch. "Wirsch du dich weiterhin für uns besenne, gebet mir dir alle onsre Stemma", sagte der Zunftmeister. Zuvor solle Osswald erklären, warum man gerade ihn wählen sollte. Das sei eine gute Frage, konterte Osswald gut gelaunt, während er im Nachthemd im Schneesturm stand. "Bin OB seit fast acht Jahren, und ihr seid gut mit mir gefahren", rief er den Narren zu. "Freudenstadt ist mein Revier, und darum will ich bleiben hier" so der Oberbürgermeister. Und er fügte hinzu: "Die erste Amtszeit war grandios, und jetzt leg ich erst richtig los."

Der Zunftmeister meinte, der OB habe seine Sache gut gemacht, und er solle den Narren nun endlich den Schlüssel zur Macht übergeben. Danach zog sich die Narrenschar mit dem OB ins Rathaus zurück. Begleitet wurde das Ganze von den Grenzweg Sinfonikern mit schmissigen Tönen.

Gegen 15.30 Uhr wurde dann das Landratsamt erstürmt. Am Abend stand die Fasnet-Party im "Vinedo" an.

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