Die Offenheit für neue Trainingsmethoden verbindet Sven Hayer und Jürgen Klopp; hier bei einem früheren Treffen in Hannover. Foto: Archiv Foto: Schwarzwälder-Bote

Sven Hayer erster Life-Kinetik-Lizenzinhaber im Fußball-Bezirk

Von Arno Schade Mit Kugeln und gekreuzten Händen wie Artisten jonglierende Profis. Mädchenfußballerinnen, die beim Aufwärmen nebenbei Rechenaufgaben lösen. Torhüter mit einer Augenklappe, einem Tennisschläger und Bällen auf wackliger Unterlage. Life Kinetik macht neuerdings Schlagzeilen.

"Mich wundert es aber schon, dass dieses Thema gerade jetzt so groß aufgekommen ist", so der Instruktor und Juniorinnen-Auswahltrainer Herbert Hug, "schließlich hat der Württembergische Fußballverband schon vor Jahren ein Seminar dazu angeboten." Die Argumente haben Hug auch teilweise überzeugt, bei dem jetzt auch die Sindelfinger C-Juniorinnen zu Beginn des Trainings parallel zu Dehn-, auch Rechenübungen lösen müssen.

Die Trainingsmethode des Diplomsportlehrers Horst Lutz, auch Referent bei dem von Herbert Hug angesprochenen WFV-Seminar, beruht auf der Kombination von visuellen und koordinativen Aufgaben. "Sie sollen letztlich dazu dienen, die Handlungsfähigkeit und das räumliche Sehen zu verbessern", erläutert Sven Hayer, daher spiele auch die Augenoptik eine starke Rolle. Der letztjährige Landesliga-Coach beim SV Tumlingen-Hörschweiler hat in diesem Sommer als erster Trainer im Bezirk bei einem fünftägigen Lehrgang im bayrischen Schäftlern die entsprechende Lizenz erworben. Nach einem Abschluss in Theorie und Praxis ist Hayer damit einer von bislang 514 bundesweit lizenzierten Trainern, die offiziell im Sport, aber auch der Schule oder Firmen, mit der Trainingsmethode arbeiten dürfen. Vergeben werden auch Lizenzen an Vereine.

Den Anstoß zur Beschäftigung mit der Life Kinetik erhielt Sven Hayer allerdings nicht direkt aus dem Fußballbereich: "Ich hatte einige Berichte über den Skifahrer Felix Neureuther und dessen Fortschritte im Spezialslalom mit dieser Methode gesehen und bin neugierig geworden." Befördert wurde das Interesse durch den aus Glatten stammenden Trainerkollegen Jürgen Klopp, in der Bundesliga einer der Pioniere bei der Einführung der neuen Methode. "Er hat sogar gesagt, dass Life Kinetik der Baustein ist, der zu seinem Training bislang immer gefehlt hat", so Sven Hayer.

Nicht weniger als 16 Trainer bei Borussia Dortmund haben daher die entsprechende Lizenz bereits erworben. Zum Alltag gehört die neue Trainingsform auch schon bei der TSG Hoffenheim, dem SC Freiburg unter Robin Dutt und Zweitligist TSV 1860 München.

Bereits eingeführt hat Sven Hayer mittlerweile eine wöchentlich jeweils einstündige Life Kinetik-Einheit bei seiner neuen Mannschaft, den A-Junioren der Stuttgarter Kickers. "Einige Jungs haben zunächst schon etwas komisch geschaut; mittlerweile werden die Übungen von allen akzeptiert, bringen Abwechslung und machen auch Spaß", beschreibt der Waldachtäler die Anfangsphase. Schließlich war es schon ungewohnt für die jungen Fußballer, etwa mit einem Schläger in der Hand einen Ball hochzuhalten, einen Slalomkurs zu durchlaufen und Hauptstädte zu benennen. Dabei gelte es grundsätzlich zu beachten, dass die Aufgaben nicht zu lang dauern, nicht zur Routine werden und keine Automatisierungseffekte entstehen. Nur dann könne das Hirn, das nach der Methode von Horst Lutz acht unterschiedliche Bereiche eingeteilt wird, untereinander neue Verbindungen (Synapsen) herstellen.

Je mehr dieser Vernetzungen entstehen, desto leistungsfähiger wird das Gehirn, besagt die Theorie, die sich daher auch in außersportlichen Bereichen nutzen lässt. So können sich die Schüler in der Ludwig-Haap-Schule in Loßburg nach den Ferien bereits auf Life Kinetik-Übungen ihres Lehrers Sven Hayer einstellen.