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Freudenstadt Nach Orkan "Sabine": In Wäldern lauern tödliche Gefahren

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Jede Hilfe kam bei diesem Unfall bei Glatten zu spät. Ein Mann war am Dienstag bei Aufräumarbeiten von einem Wurzelstock begraben worden. Foto: Feuerwehr

Kreis Freudenstadt - Sturm "Sabine" ist vorbei. Das große Aufräumen im Landkreis Freudenstadt beginnt. Die Nationalpark-Leitung warnt: "Der Wald sollte tabu bleiben. Das Betreten kann lebensgefährlich sein!" Die Verkehrsgesellschaft Freudenstadt (VGF) kritisiert den Stress für seine Busfahrer und die Gefahr für die Kinder, weil sich die Kommunen nicht für eine einheitliche Schul-Schließung entschließen konnten.

Mehr als zwei Tage lang orkanartige Böen. Leichtsinn, Schäden, aber auch Koordinierungsprobleme. Nicht bei den Rettern, sondern bei den Kommunen. Franz Schweizer, Geschäftsführer der Verkehrsgemeinschaft Freudenstadt (vgf): "Wir hatten als Busunternehmer ein Riesen-Problem: Es gab keine einheitliche Entscheidungen, welche Schule geschlossen und welche offen sind. Denn dort, wo die Schulen offen sind, müssen wir die Schulbuslinien bedienen. Wenn das dazu führt, dass Kinder dann vergeblich an den Bushaltestellen warten oder im schlimmsten Falle sogar gefährdet werden, kann das nicht im Sinne aller sein!"

Probleme des ÖPNV

Eine Kritik, die laut Schweizer Landrat Klaus Michael Rückert ausnimmt. Schweizer: "Er hat mich am Sonntagabend gegen 20 Uhr informiert, dass alle beruflichen Schulen des Landkreises geschlossen bleiben. Im Waldachtal wurde entschieden, dass die Schule geschlossen bleibt, aber die Kita offen. Beide sind nebeneinander. Dort konnten dann auch kleinere Schüler landen, deren alleinerziehende Eltern zur Arbeit mussten und denen ad hoc die Betreuung gefehlt hat." Auch in Freudenstadt waren alle Schulen unter städtischer Trägerschaft zu. Horb dagegen hat als Schulträger entschieden, dass die Schulen am Montag offen bleiben. Das führte dazu, dass beispielsweise an der Gemeinschaftsschule 70 Prozent der Schüler fehlten. Und einige Kinder vergeblich an den Haltestellen auf den Bus gewartet hatten, wie Rektor Götz Peter bemängelt hatte (wir berichteten). Schweizer fordert deshalb von allen Kommunen im Landkreis einen einheitlichen Plan für Schulschließungen bei vorhergesagten Unwettern: "Wozu gibt es Whatsapp? Man sollte solch einen Krisenplan doch vorher machen und nicht nachher! Immerhin –­ als ich die Kritik im Technischen Ausschuss im Kreistag geäußert habe, wurden die Bürgermeister nachdenklich." Am Dienstag lief der Busverkehr wieder reibungslos, so Schweizer. Lediglich der Zwieselberg war noch gesperrt. Am Montag startete der reguläre ÖPNV nach Schulschluss wieder regulär: Alpirsbach ab 15 Uhr, in Freudenstadt der Stadtverkehr die Linien ab 14 Uhr Richtung Glatten und Bad Rippoldsau.

138 Anrufe in Leitstelle

Der Sturm schüttelte den Landkreis hauptsächlich von Sonntagnacht bis Montagabend durch. Die Feuerwehr Horb meldete den letzten Sturmeinsatz am Dienstag um 0.58 Uhr – ein umgestürzter Baum auf der B 32. Laut Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes waren in der Akutphase innerhalb von 19 Stunden 138 Anrufe in der Leitstelle eingegangen. Gegen 18 Uhr am Montag habe dann wieder der Normalbetrieb geherrscht.

Gefahren im Wald

Doch die gefährlichen Folgen des Sturms sind noch nicht vorbei, warnt Franziska Schick vom Nationalpark Schwarzwald: "Ein Betreten des Waldes kann auch nach dem Sturm lebensgefährlich sein. Deshalb darf der Wald im Nationalpark nicht betreten werden kann, bevor keine Entwarnung gegeben wurde." Am Montag hatten Autofahrer versucht, den gesperrten Straßen durch den Wald auszuweichen –­ bei Orkan. Da Bäume fielen, waren sie eingekeilt, die Feuerwehr musste die Wege freischneiden und sich selbst unnötig in Gefahr bringen. Selbst für die Förster ist das Betreten des Waldes verboten. Jederzeit könnten Bäume umstürzen oder Äste und Kronenteile herabfallen.

Rücksichtsloses Verhalten

Auch Horbs Feuerwehrsprecher Christian Volk berichtet von rücksichtslosem Verhalten. Volk: "Kurz vor 9 Uhr am Montag wurde die Drehleiter zum Stuben’schen Schlösschen beordert – Dachziegel sind heruntergefallen, das Dach muss gesichert werden. Der Steg über den Mühlkanal wurde hinterher von der Feuerwehr mit Flatterband abgesperrt, damit niemand durch herunterfallende Dachziegel geschädigt wird. Unbekannte haben diese Flatterbänder abgerissen –­ obwohl es immer noch die Warnung vor Orkanböen gab!" Der nächste Weg über den Mühlkanal am Bärensteg ist nur ein paar Schritte entfernt.

Viele Straßen wieder frei

Am Dienstag war dann für die Retter vor allem Aufräumen angesagt. Marc Fischer, Sprecher des Kreisfeuerwehrverbands: "Am Montagabend bis 17 Uhr wurden die wichtigsten Straßen wieder freigeräumt. Die Einsatzbereitschaft wurde um 17.30 Uhr aufgelöst. Vorsorglich ist die Bereitschaft in den Führungshäusern am Dienstag geblieben. Dazu wurden Dienstagvormittag alle nicht mehr zeitrelevanten Einsätze abgearbeitet – also: Bäume von der Straße räumen oder hier und da noch Ziegel wegräumen!" In Horb deckte Sturm Sabine nicht nur Ziegel des Stubenschen Schlösschens ab, sondern auch die Kirche in Altheim ist betroffen. Feuerwehrsprecher Volk: "Zu 95 Prozent betrafen unsere 51 Einsätze Bäume, die auf die Straße gestürzt waren."

Noch drei Sperrungen

Um 15.30 Uhr gestern meldet Landkreissprecherin Sabine Eisele: "Die Landesstraße Obertal nach Ruhestein ist ab sofort wieder befahrbar. Die Strecke Zwieselberg –­ Bad Rippoldsau bleibt voraussichtlich noch einige Tage gesperrt, um gefährliche Bäume zu beseitigen. Am Abschnitt Freudenstadt-Zwieselberg arbeitet das städtische Forstamt –­ der Abschnitt ist nur für die Anwohner mit Einschränkungen und Vorsicht befahrbar. Die Kreisstraße Rohrdorf Eyach muss wegen Aufräumarbeiten noch einige Tage gesperrt bleiben."

Strom fließt wieder

Auch die Stromversorgung läuft halbwegs rund. Ein Netze-BW-Sprecher: "Lediglich im Bereich Dornstetten, Waldachtal, Schopfloch und Glatten haben wir wenige Störungen, die meine Kollegen von der Technik voraussichtlich bis Ende der Woche beheben werden."

Die Lage innerorts

Auch innerhalb der Gemeinden und Städte dauern die Aufräumarbeiten noch geraume Zeit. Der Bauhof Horb beispielsweise ist im Dauereinsatz, um Bäume zu entfernen. Betroffen seien Straßen, Radwege und Gemeindeverbindungsstraßen, so Christian Volk, Pressesprecher der Stadt. Schmutz- und Geröllfänge sowie Gullieinlässe mussten gereinigt werden, verschobene Ziegel und Abdeckungen an städtischen Gebäuden in Ordnung gebracht werden, heruntergestürzte Ziegel und verstreuter Unrat zusammengekehrt werden. Die Reinigungsarbeiten würden noch die ganze Woche andauern.

Gefährliche Holzarbeiten

Die Schäden am Wald sind wohl geringer als befürchtet, so die Kreisforstamtsleiterin Susanne Kaulfuß. Das genaue Ausmaß werde sich jedoch erst in den kommenden Wochen zeigen. Erste Rückmeldungen aus den Revieren zeigten, dass immer wieder einzelne Bäume oder kleinere Baumgruppen umgeworfen oder abgebrochen wurden. Großflächige Sturmwürfe wie 1999 bei Sturm "Lothar" seien bisher keine gemeldet. Die Wege würden nun nach und nach freigesägt. Auf Waldbesitzer, Revierleiter und Waldarbeiter komme in den nächsten Wochen viel Arbeit zu. Einzel- und sogenannten Nestwürfe – kleinere umgeworfene Baumgruppen – müssten zügig aufgearbeitet und aus dem Wald geschafft werden. Ansonsten böten sie im Frühling "bestes Brutmaterial für die Borkenkäfer", die nach den warmen Sommern 2018 und 2019 noch zahlreich in Bäumen und im Boden überwintern. Die Aufarbeitung der geworfenen Bäume sei sehr gefährlich und sollte nie allein ausgeführt werden. Das Holz stehe meist unter Spannung, die Aufarbeitung solle am besten Profis überlassen werden. Privatwaldbesitzer könnten sich jederzeit an die Revierleiter des Kreisforstamts wenden.

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