Die Grafik macht’s deutlich: In Freudenstadt wird es in den kommenden Jahren immer mehr ältere Menschen geben. Foto: Brändle

Geht es um die Bevölkerungsentwicklung, gehört die Stadt Freudenstadt derzeit zu den Gewinnerinnen im Kreis.

Freudenstadt - Die Stadt Freudenstadt ist eine Gewinnerin – zumindest was die jüngsten Zahlen des statistischen Landesamts anbelangt. Nach dem großen Cut, den der Zensus mit sich brachte, entwickeln sich die Einwohnerzahlen nun wieder nach oben.

Minus 5,62 Prozent. Der Schock saß tief im Freudenstädter Rathaus, als mit dem Ergebnis der großen Volkszählung – Zensus 2011 – die Freudenstädter Einwohnerzahl um 1317 nach unten korrigiert wurde. Demnach lebten in der Kreisstadt 22 137 statt 23 454 Menschen. Doch diese Zahl ist überholt: Wie einer neuen Statistik zur Bevölkerungsentwicklung zu entnehmen ist, holt Freudenstadt auf. 106 zusätzliche Einwohner zählt Freudenstadt nach den neuesten Daten. Dass es nicht mehr sind, daran ist vor allem das Geburtendefizit schuld. Glaubt man der Erhebung, so starben im vergangenen Jahr mehr Menschen (248) als geboren wurden (194). In Zahlen heißt das: -54 gegenüber -83 im Vorjahr.

Vor allem bei der Zuwanderung konnte Freudenstadt 2012 punkten. 160 Menschen zog es nach Freudenstadt und in die Stadtteile. 2011 wurde laut Statistik noch ein Minus beim Wanderungssaldo verzeichnet. Das dicke Plus muss allerdings durch das Minus bei den Geburten korrigiert werden, weshalb am Ende für die Stadt nur 106 Einwohner mehr herausspringen. Damit lebten in Freudenstadt zum 31. Dezember 2012 22.253 Menschen. 10 665 davon sind übrigens Männer.

Zum Vergleich: Ganz anders sie die Entwicklung beispielsweise beim städtischen Nachbarn Horb aus. Hier muss die Stadt nach dem Zensus-Verlust von 622 Einwohnern (-2,49 Prozent) nach den neuen Zahlen weitere Verluste verkraften: Die Einwohnerzahl in Horb verringerte sich zum 31. Dezember 2012 um weitere 116 auf 24.292 Einwohner. Damit ist Horb beispielhaft für eine Entwicklung, die sich auch an der Bevölkerungsschwindsucht im Kreis erkennen lässt. Dieser steht mit einem Einwohnerverlust von -165 auf Platz 39 im Landkreisvergleich. Nur im Kreis Calw (-281), im Zollernalbkreis (-471), im Kreis Rottweil (-496), im Neckar-Odenwald-Kreis (-588) und im Main-Tauber-Kreis (-589) steht man noch schlechter dar.

Eine Entwicklung, die eher bedenklich stimmt ist das, was Experten mit dem Begriff "demografische Entwicklung" umschreiben. Während laut Vorausrechnung des statistischen Landesamts bis 2030 die Einwohnerzahl Freudenstadts sinken wird, nimmt die Zahl derer, die 60 bis 85 Jahre alt sind zu. Schon heute ist die größte Altersgruppe (rund 7000) der in Freudenstadt lebenden Menschen zwischen 40 und 60 Jahre alt. Im Jahr 2030 wird der stärkste Jahrgang zwischen 60 und 85 Jahre alt sein (6994). Die Vorausberechnung besagt auch, dass die 1000er Grenze derer, die 85 Jahre und älter sind, etwa 2016 geknackt werden wird.

"Für uns ist diese Entwicklung nicht neu", sagt Bürgermeister Gerhard Link im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Stadt unternehme viel, um junge Familien nach Freudenstadt zu ziehen. Hier nennt Link den Nachlass beim Grundstückspreis für Familien, die im Neubaugebiet Kohlstätter Hardt bauen möchten oder die Investitionen der Stadt in Sachen Kinderbetreuung. Auf der anderen Seite stehe die Stadt aber auch vor der Herausforderung, infrastrukturell auf eine immer älter werdende Bürgerschaft reagieren zu müssen.

Nach dem Schlag, den der Zensus der Stadtverwaltung verpasst habe, freue man sich aber nun über die neueste Bevölkerungsentwicklung in Freudenstadt, so Link. "Wir punkten beispielsweise damit, dass bei uns die Versorgung des täglichen Bedarfs gedeckt werden kann", interpretiert Link die Entwicklung. Auch die gute Zuganbindung sei ein wesentlicher Attraktivitätsfaktor. Und: Freudenstadt profitiert offenbar auch davon, dass der Trend vom Dorf zurück in die Stadt geht.

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