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Freudenstadt MS Aquarius ist oft die letzte Rettung

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Jeden Tag rettet die MS Aquarius im Mittelmeer viele Menschenleben. Foto: Bar Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Janna Wolf

Für Jan Vogel ist Flüchtlingshilfe Familiensache. Während der Freudenstädter Arzt sich im Freundeskreis Asyl und bei Refugio Stuttgart engagiert, rettet sein Bruder Klaus Vogel als Kapitän des Schiffs MS Aquarius Flüchtlinge im Mittelmeer vor dem Ertrinken.

Freudenstadt. "Ich möchte, dass meine Töchter an einem Ort aufwachsen, wo die Menschen frei sind", sagt die 35-jährige Dominique. Zusammen mit ihren beiden Töchtern und ihrem Mann floh sie von der Elfenbeinküste vor der politischen Verfolgung. Auf dem Weg zur libyschen Küste wurden sie zu harter Arbeit auf einer Farm gezwungen. Abermals gelang ihnen die Flucht.

Nach zwei weiteren Monaten Arbeit für eine Schlepperbande konnten sie einen Platz auf einem Boot ergattern, das sie über das Mittelmeer nach Europa bringen sollte. Doch das Schiff geriet in Seenot. Nur die Rettung durch die MS Aquarius bewahrte die Familie vor dem Ertrinken.

Schicksale wie dieses gibt es viele auf dem Rettungsschiff der Organisation SOS Mediteranee. Auch in den Kreis Freudenstadt kamen viele Flüchtlinge über das Mittelmeer. Genau wie Dominique und ihre Familie haben sie Glück gehabt. Vielen Flüchtlingen gelingt das nicht. Allein im vergangenen Jahr sind mehr als 3700 Menschen bei dem Versuch das europäische Ufer zu erreichen gestorben.

Das Rettungsschiff MS Aquarius von der dafür gegründeten Organisation SOS Mediteranee versucht möglichst viele Flüchtlinge vor dem Ertrinken zu retten. Das Schiff fährt tagsüber einen Kurs entlang der Küste zwischen Lampedusa, Sizilien und Libyen. An Bord befinden sich mehrere Ärzte und ein speziell ausgebildetes Search & Rescue-Team, das für die Rettung der Flüchtlinge aus dem Wasser zuständig ist. Im Notfall hat das Schiff Platz für bis zu 400 Menschen.

Klaus Vogel ist Kapitän der MS Aquarius und Gründungsvater von SOS Mediteranee. Obwohl er weit entfernt von Freudenstadt und seinem Bruder Jan Vogel arbeitet, ziehen beide an einem Strang: Klaus Vogel rettet die Flüchtlinge und ermöglicht ihnen eine sichere Überfahrt nach Europa, Jan Vogel engagiert sich lokal in Freudenstadt dafür, dass die Flüchtlinge gut betreut werden. Der Ursprung dieses Engagements der Brüder liegt in einem dreijährigen Entwicklungsdienst, den die ganze Familie in Solomon Islands absolvierte. "Dort haben wir Gastfreundschaft und Herzlichkeit von Menschen erfahren, die selbst fast nichts hatten. Als ich zurück nach Deutschland kam, wollte ich das zurückgeben und Menschen aus fremden Ländern etwas Gutes tun. So wurde ich Mitglied bei Refugio Stuttgart und schließlich auch beim Freundeskreis Asyl in Freudenstadt", erklärt Jan Vogel. "Mir ist die menschliche Begegnung wichtig. Viele haben Ängste gegenüber den Flüchtlingen, die können oft ausgeräumt werden, wenn Kontakt zwischen den Menschen entsteht".

Sein Bruder Klaus Vogel ist durch seine Arbeit als Handelsschiffkapitän bei der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd oft mit der Situation der Flüchtlinge im Mittelmeer konfrontiert worden. Seine Bestürzung darüber, wie viele Menschen dort täglich ertrinken, führte dazu, dass er vor gut einem Jahr die Organisation SOS Mediteranee gründete.

"Es war seine Entscheidung. Wir als Familie haben ihn dabei unterstützt und ermutigt", sagt Jan Vogel. "Ich bin stolz auf meinen Bruder und bin sehr dankbar, dass er diese Arbeit ausführt. Das ist eine große psychische Belastung." Auch er könne sich vorstellen direkt an den Rettungsmissionen der MS Aquarius mitzuwirken, vorerst sehe er seinen Platz jedoch in Freudenstadt, so Jan Vogel weiter. Momentan sei es sehr wichtig bekannt zu machen, was gerade im Mittelmeer passiert und was die Organisation SOS Mediteranee dabei für eine Rolle spielt.

Die Finanzierung der MS Aquarius ist nur für begrenzte Zeit gesichert. "Damit die Arbeit weiterlaufen kann, braucht es viele Spenden", so Jan Vogel. Als großes Problem nennt Jan Vogel die Verdrängung in der Gesellschaft: "Das Leiden, das jeden Tag im Mittelmeer stattfindet, wird oft ausgeblendet. Doch die Welt ist zusammengerückt und das Mittelmeer ist vor unserer Haustür."

Die MS Aquarius ist nun seit gut drei Monaten auf See. In dieser Zeit gelang es der Crew 1000 Flüchtlinge zu retten. Dennoch ertrinken in einer Woche bis zu 1000 Flüchtlinge im Mittelmeer. Um diesen Menschen zu helfen benötige man mehr Rettungsschiffe, doch vor allem auch einen politischen Wandel, meint Jan Vogel. Die einzige, langfristige Lösung des Problems sei, für die Flüchtlinge vor Ort ein geregeltes und geordnetes Einreisesystem nach Europa zu schaffen. "Je höher die Hindernisse werden, desto größere Gefahren nehmen die Flüchtlinge auf sich um nach Europa zu kommen", sagt der Freudenstädter Arzt.

Die Geschichte von Dominique und ihrer kleinen Familie nahm ein gutes Ende. An Bord der MS Aquarius erhielten sie medizinische und psychologische Versorgung. Als sie schließlich in Europa ankamen wurden sie an unterstützende Einrichtungen weitergeleitet. Doch Dominique weiß, dass die Notlage im Mittelmeer weiter besteht: "Die Flüchtlinge können nicht davon abgehalten werden, nach Europa zu kommen. Menschen, die nichts mehr zu verlieren haben, sind auch bereit im Meer zu ertrinken. Sie haben nur noch die Hoffnung, dass sie irgendwie gerettet werden."

 

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