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Freudenstadt Mobilfunk im Interessenskonflikt

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Im vergangenen Jahr wurde die Sendeanlage in der Hartranftstraße auf LTE umgerüstet, was bei Mobilfunkkritikern für einigen Unmut sorgte. Foto: Blickle

Freudenstadt - Die Mobilfunkversorgung ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits wollen die Menschen möglichst schnelle mobile Datennetze, andererseits soll die Strahlenbelastung so gering wie möglich sein. Allen Interessen gerecht zu werden, ist auch für die Stadt Freudenstadt fast unmöglich.

Seit einigen Jahren wird das Thema Strahlenbelastung durch Mobilfunksender in den Gremien der Stadt thematisiert. Aus diesem Grund wurde auch das EMF-Institut Dr. Nießner aus Köln mit einem Gutachten zur Strahlenbelastung beauftragt, das Ende 2013 vorgelegt wurde. Im Februar 2014 wurde vom Gemeinderat ein "Mobilfunkversorgungskonzept unter dem Aspekt der Strahlenminimierung" beschlossen. Dessen wesentlicher Inhalt ist die Immissionsbelastung der Bürger auf ein verträgliches Maß zu reduzieren und dazu in einen Dialog mit den Mobilfunkbetreibern zu treten. Dem Konzept zugrunde liegt die Idee, Sendeanlagen in Zukunft an die Peripherie des Stadtgebiets zu verlegen. Dazu sollte das Fachbüro Dr. Nießner die Grundlagen erarbeiten.

Am 23. Juni vergangenen Jahres gab es einen "Runden Tisch Mobilfunk" mit verschiedenen Interessengruppen, Vertreten des Gemeinderats und der Stadtverwaltung sowie der Mobilfunkanbieter. Dabei gab es unterschiedliche Auffassungen, aber kein konkretes Ergebnis.

Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt Christoph Gerber, Leiter des Baurechts- und Ordnungsamts, den Stand des Mobilfunkversorgungskonzepts. Das Büro Dr. Nießner sei kurz vor dem Abschluss der Ausweisung von Positivstandorten. Vermutlich in der Mai-Sitzung des Ausschusses für Infrastruktur und Umwelt (AIU) würden die Ergebnisse vorgelegt. Doch auch wenn man diese Positivstandorte habe, sei es nicht einfach, die Mobilfunksender an den Stadtrand zu verbannen, denn es gebe bestehende Verträge über die Sendeanlagen im Stadtgebiet, die die Mobilfunkanbieter meist sehr langfristig abgeschlossen hätten. Die Stadt könne eine Sendeanlage auch nicht einfach verbieten, denn für die Genehmigung sie die Bundesnetzagentur zuständig, die jeweils Standortbescheinigungen erteilen müsse, erläutert Gerber.

Von sich reden machte in diesem Zusammenhang vor allem eine Sendeanlage auf dem staatlichen Gebäude Hartranftstraße 19. Dort installierte die Deutschen Telekom einen LTE-Sender. Mobilfunkkritiker wie SPD-Stadtrat Karl Müller kritisierten deshalb, dass damit die Strahlenbelastung steige und das Mobilfunkversorgungskonzept der Stadt geradewegs unterwandert werde.

Inzwischen wurden im Umkreis dieser Anlage von der Telekom auf Drängen der Stadt Freudenstadt Messungen eines unabhängigen Sachverständigen veranlasst, bei denen auch Sandra Zepf vom Baurechts- und Ordnungsamt dabei war. Wie sie auf Anfrage unserer Zeitung mitteilt, liegen die Ergebnisse noch nicht vor, müssten aber in Bälde eintreffen. Auch am Kindergarten in der Alfredstraße seien in Sichtweite zum Sendemast zwei Messungen vorgenommen worden.

Ein kritischer Begleiter und Beobachter der Entwicklungen an der Mobilfunkanlage in der Hartranftstraße ist auch Siegfried Blickle, der die Stadtverwaltung immer wieder auf angebliche Ungereimtheiten bei den Standortbescheinigungen hinweist. Er will erfahren haben, dass das Haus in der Hartranftstraße inzwischen verkauft wurde und der neue Eigentümer den Vertrag für die Mobilfunkanlage auf dem Dach gekündigt hat. Sind die Tage der Sendeanlage mitten in der Stadt deshalb bald gezählt? Blickle ist der Überzeugung, dass die Antennen ohne Leistungseinbußen auf einem bestehenden Mast am Hüttenteich angebracht werden könnten.

Doch Christoph Gerber von der Stadtverwaltung ist wenig optimistisch. Ein Vertrag über eine Sendeanlage bestehe auch weiter, wenn der Eigentümer wechselt, sagt er. Doch die Stadt sei dabei, die Eigentümer zu sensibilisieren, ihre Verträge nicht zu verlängern, wenn sie ablaufen. Nur so könne man einzelne Senderstandorte aus der Stadt herausbringen, so Gerber. "Natürlich wollen wir die Bürger in unserer Stadt so wenig wie möglich belasten, doch jeder will überall Empfang haben", schildert er die Problematik. Die Zahl der Smartphone-Nutzer wachse täglich.

Siegfried Blickle ist auch aufgefallen, dass auf dem Herzog-Friedrich-Turm auf dem Kienberg, der ebenfalls von einem großen Antennenmast geziert wird, vier Sendeanlagen abgebaut wurden. Nach Ansicht von Blickle hätte deshalb eine neue Standortbescheinigung beantragt werden müssen. Laut Bundesnetzagentur seien immer noch acht Sendeanlagen genehmigt. Dieses Thema ist Christoph Gerber zwar bekannt, doch er meint, dass in der Standortbescheinigung nicht drinstehe, dass es genau acht Anlagen sein müssen, folglich also auch vier Sender genehmigt seien. Man habe das aber zur Prüfung an das Büro Dr. Nießner weitergegeben. "Das Mobilfunkthema wird uns noch lange beschäftigen", ist sich Gerber sicher. "Es wird keine einhellige Lösung geben, denn die Belange sind grundverschieden", fasst der Amtsleiter die Situation zusammen.

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