Mit dem neuen Roman "Mord-Schwarzwald" bedankten sich Walter Trefz (Mitte) und Luis Scheuermann (rechts) beim Referenten László Maráz (links). Foto: Wiegert

Waldexperte László Maráz beleuchtet Kritikpunkte der Projektgegner in der Nationalpark-Debatte.

Freudenstadt - Ein Nationalpark vernichtet Arbeitsplätze und fördert den Holzimport aus dem Regenwald. Mit diesen Annahmen der Park-Kritiker beschäftigte sich László Maráz am Samstag bei einem Vortrag. Sein Fazit: Manche Argumente sind eher Mythen.

Volles Haus im Dobel: László Maráz, Koordinator der Plattform "Nachhaltige Biomasse" und der Arbeitsgemeinschaft Wald im Forum Umwelt & Entwicklung, gastierte auf Einladung von Greenpeace in Freudenstadt. Sein Vortrag war ein Programmpunkt im Rahmen eines Informationswochenendes, das die Umweltorganisation im Suchraum für einen möglichen Nationalpark organisiert hatte. Ihr Ziel: "Wir wollen mit den Menschen vor Ort sachlich und fair über einen Nationalpark diskutieren", so Greenpeace-Waldexperte Luis Scheuermann. Das ist beim Vortrag von Maráz gelungen, auch wenn die Park-Kritiker diesmal nur eine kleine Minderheit stellten.

Rund 2,5 Prozent der deutschen Waldfläche sind nach Maráz’ Schätzung heute geschützte Gebiete. Das soll sich ändern: Gemäß der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt soll bis 2020 auf insgesamt fünf Prozent der Waldfläche eine natürliche Waldentwicklung gewährleistet sein. Das heißt, die Zahl der Flächen mit Prozessschutz müsste verdoppelt werden. Dennoch ist dieser Zipfel für den Referenten recht klein: "95 Prozent der Waldfläche bleiben der Forstwirtschaft überlassen, die fünf Prozent Naturschutz sollten wir uns aber leisten."

u Die Behauptung, dass ein Nationalpark nicht zur Erhöhung der Artenvielfalt beitrage, sei der erste Mythos . Rund zwei Drittel der Bäume in Deutschland waren laut Referent ursprünglich Rotbuchen, die Hälfte davon sehr alt. Durch die immer frühere Nutzung der Bäume sei der Buchenbestand, der 160 Jahre und älter ist, zwischenzeitlich auf 0,27 Prozent geschrumpft. Mit ihm verschwunden seien beispielsweise Arten wie der Mittelspecht, der Kopfhornschröter-Käfer oder Baumpilzarten wie der Zunderschwamm oder der Mosaikschichtpilz. Sie brauchen alte und totholzreiche Buchenbestände als Lebensraum. Da rund zwei Drittel des natürlichen Verbreitungsgebiets der Rotbuche in Deutschland liegen, müsse man laut Maráz endlich Farbe bekennen: "Buchenwälder können wir nun mal nicht am Amazonas oder im Kongobecken schützen."

u Maráz zweiter Mythos: Die zuwachskräftigen Wirtschaftswälder spielen eine wichtige Rolle als dauerhafte Kohlendioxid-Senker, während der Kohlenstoffspeicher eines Urwalds so gut wie voll ist. Der Durchschnitt des deutschen Waldes ist laut Referent 70 Jahre alt und könne somit noch mehr als 100 Jahre Kohlenstoff speichern – und zwar mehr als junger Wirtschaftswald. Denn je älter der Baumbestand ist, umso höher sei sein Netto-Wachstum.

u Mythos Nummer drei: Der Nutzungsverzicht in einem Nationalpark führt zur Verknappung von Holz und zu Mehreinschlag in anderen Ländern. Durch die 10 000 Hektar Nationalpark würde der Regenwald nicht mehr als bislang geschädigt, so Maráz. Auch die kritisierte Verknappung des Rohstoffs Holz ist für ihn eine Frage der Betrachtung. Sein Beispiel: Der Jahresverbrauch an Papier liege in Deutschland bei 225 Kilogramm pro Kopf und sei damit im Vergleich zu vielen anderen Nationen traurige Spitze. Hier sieht der Experte ein riesiges Einsparpotenzial, um mehr Holz für Sägewerke, für Totholz und für den Ofen zur Verfügung zu haben.

u Mythos Nummer vier: Laut einem Gutachten der Holz- und Sägebranche würde der Nationalpark 670 Arbeitsplätze vernichten. Bisher, so Maráz, könne keiner sagen, auf welche Zahlen sich die Berechnungen beziehen. Er gehe davon aus, dass die Zahl des Gutachtens zu hoch sei, dennoch nehme er die Arbeitsplatzverluste ernst: "Wichtig sind präzise Berechnungen, um ausgleichend zu unterstützen." Grundsätzlich haben die gefürchteten Sägewerksschließungen für ihn allerdings andere Gründe: Die Subventionierung großer Sägewerke und Premium-Verträge hätten für Wettbewerbsverzerrungen gesorgt, ebenso die Subventionierung von Konkurrenzbaustoffen zum Holz und billige Raubbau-Holzimporte. Die Branchenschwierigkeiten auf den Nationalpark zu schieben, ist laut Maráz "zu billig".