Eindringlicher Appell beim Neujahrsempfang / Hansi Müller verknüpft Spitzensport und Wirtschaftsleben / Nostalgischer Fußballrückblick

Von Tina Eberhardt Kreis Freudenstadt. Jahreswechsel sind Zeiten des Ausblicks. Beim Neujahrsempfang des Landkreises und der Kreissparkasse Freudenstadt gab es dafür eine klare Ansage: "Suche nicht was Dir fehlt, finde was Du hast". So zumindest lautet die Devise von Fußballprofi und Gastredner Hansi Müller. Vertreter aus Wirtschaft und Politik, Behörden, Verbänden und Vereinen waren in der voll besetzten Halle der Kreissparkasse zum Neujahrsempfang gekommen. Selten dürften die Herzen der Teilnehmer angesichts des Vortragsgasts so hochgeschlagen haben wie bei Hansi Müller, Fußball-Europameister und Vize-Weltmeister, der über "Analogie von Fußball, Führung und Wirtschaft" sprach.

Landrat Klaus Michael Rückert – seines Zeichens bekennender VfB-Fan – schwelgte schon zu Beginn seines Grußworts in Erinnerungen an die Stadionbesuche der Kinderzeit, bevor er einen Schwenk einlegte und das vergangene Jahr Revue passieren ließ.

40 Jahre Landkreis und die erste Jugendkonferenz waren die größten Meilensteine, und für 2014 hat man im Landkreis den ersten ebenfalls schon hinter sich: Die Einrichtung des Nationalparks und des Nationalparkrats mit dem Freudenstädter Landrat an der Spitze. "Wenn wir es richtig machen, kann der Nationalpark auch Impulsgeber für den Landkreis sein", zeigte sich Rückert überzeugt. Dieser müsse Wege finden, um attraktiv zu bleiben. Dazu gehören für den Landrat auch die Bürger, an die er eindringlich appellierte: "Seien Sie Botschafter für Ihren Landkreis."

Wie man seine Mannschaft hinter einem Ziel sammelt, lernten Rückert und die Anwesenden von Hansi Müller, der Regeln des Spitzensports beleuchtete und diese auf das Wirtschaftsleben transferierte. Der kurzweilige Vortrag bot fachlich weitgehend Bekanntes, doch die Besonderheit kam mit der Verpackung. Anhand der Stationen seiner Fußball-Laufbahn und mit reichlich Hintergrundgeschichten geschmückt, zog Müller einen argumentativen Faden vom Umgang mit Stärken und Schwächen, über die Bedeutung von Neugierde und Entwicklungsbereitschaft hin zu Verantwortungsbewusstsein und der Wichtigkeit von gemeinsamen Strategien.

Dass der Vortrag vielerorts zum nostalgischen Fußballrückblick geriet, schien ganz nach dem Geschmack des Publikums zu sein. Zwischengestreute Querverweise zu Unternehmen und Wirtschaftsbetrieben sicherten den Bezug zum Thema. Etwa als Müller seinen Wechsel in den VfB-Vorstand beschrieb und die Konsequenzen von Einzelkämpfer-Aktionismus schilderte, mit welcher der Verein stellenweise geführt wurde. Mit solchen Verknüpfungen traf Müller immer wieder den Nerv des Publikums. "Jeder Spieler braucht das Gefühl, gebraucht zu werden", lautete eine seiner Thesen. Und bei autoritären Führungskräften, die Mitarbeiteranregungen brüsk vom Tisch fegen fiel dem Ex-Fußballprofi nur eines ein: "Das geht gar nicht." Als er mahnte, auch Mitarbeiter in den hinteren Reihen beim Lob nicht zu vergessen, brandete spontaner Beifall durch die Zuhörerreihen.

Mit einem Brückenschlag zu Klaus Michael Rückerts Appell an die Bürger als Botschafter kam Müller schließlich zum Ende. Und das Fazit dort lautete: Schauen, was man in seinem Umfeld hat, und dankbar sein. "Denn wir klagen auf hohem Niveau", meinte der Sport-Profi.

Den Hang zur Klage eliminierte elegant Schlussredner und Kreissparkassen-Vorstand Uwe Braun, der zum Finale einen Abriss über die Entwicklungen der Finanzwelt gab und für 2014 "ein Jahr des Wachstums prognostizierte". Ein historisch niedriger Zinssatz habe zu einem Boom an Privatfinanzierungen geführt und die Anlage in Sachvermögen attraktiv gemacht.

Während ein Ensemble der Musik- und Kunstschule noch einen instrumentalen Beitrag leistete, wurde auf der Galerie das gut bestückte Büfett eröffnet.