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Freudenstadt Läuft alles rund, beim Rettungsdienst?

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In neun von zehn Fällen werden im Kreis die Hilfsfristen eingehalten. (Symbolbild) Foto: Jansen

Kreis Freudenstadt - Schnelle Hilfe in medizinischen Notfällen über Berge und Täler hinweg: In neun von zehn Einsätzen halten die Rettungsdienste im Kreis Freudenstadt die gesetzlichen Hilfsfristen ein. Das teilte das Innenministerium in Stuttgart auf Anfrage des FDP-Landtagsabgeordneten Timm Kern mit. Er sieht dennoch Probleme.

Bei Herzinfarkten oder Schlaganfällen kommt es oft auf Minuten an, die über Leben und Tod oder auch Lebensqualität entscheiden. Im Nachbarkreis Rottweil tobt derzeit eine interne Debatte, weil sich einige Notärzte auf dem Weg zum Einsatzort vom Rettungsdienst erst noch zu Hause abholen lassen. Auch im Kreis kochte dieses Thema jüngst hoch. Voriges Jahr seien Rettungs- und Notarztwagen in 92,3 Prozent der Fälle innerhalb der vorgegebenen Frist beim Patienten eingetroffen. Die notärztliche Hilfsfrist wurde laut Ministerium in 90,4 Prozent der Fälle eingehalten. Die Hilfsfrist beträgt 15 Minuten vom Notruf bis zum Eintreffen vor Ort, ist aber eine "planerische Größe". In der Praxis kann es vorkommen, dass Staus, Schnee oder andere Hindernisse die Rettungskräfte ausbremsen.

83 von 87 Planstellen bei Rettungsdiensten besetzt

Auch personell sind die Rettungsdienste im Kreis Freudenstadt insofern gut aufgestellt, als dass die Planstellen weitgehend besetzt sind. Beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) seien aktuell vier von insgesamt 73 Stellen offen (5,5 Prozent). Der Malteser Hilfsdienst (MHD) mit seinen 14,28 Personalstellen sei voll besetzt; eine frei werdende Stelle im vierten Quartal sei bereits zur Neubesetzung ausgeschrieben. Laut Bereichsausschuss Freudenstadt seien im ersten Halbjahr 2019 lediglich fünf von insgesamt 4163 Schichten ausgefallen, weil kein Personal zur Verfügung stand. Dies entspreche einer Ausfallquote von 0,1 Prozent.

Um auch künftig genug Personal zu haben, seien die Ausbildungskapazitäten aufgestockt worden. Das Berufsbild soll nach dem Willen des Landes attraktiver gestaltet werden, was jedoch in die Zuständigkeit des Bundesministeriums falle. Außerdem soll es mehr simulationsgestützte Trainingsangebote in der Ausbildung der Notfall-Sanitäter geben. Wie das aussehen kann, sei aber noch offen. Die Attraktivität als Arbeitgeber zu steigern, ist Sache der Organisationen selbst, so das Ministerium. Das DRK biete dazu ein betriebliches Gesundheitsmanagement, eine betriebliche Altersvorsorge sowie individuelle Schichtmodelle. Der MHD setze auf Gesundheitsförderung, eine Zusatzversorgung und Weiterbildungen.

Auf die rund 117 500 Einwohner im Kreis kommen laut Ministerium acht Rettungswagen – sechs davon seien rund um die Uhr an sieben Tagen die Woche einsatzbereit, zwei stünden täglich von 6 bis 21 Uhr zur Verfügung. Auch mit Hilfe aus der Luft sei der Kreis gut versorgt: Rettungshubschrauber könnten aus Leonberg, Villingen-Schwenningen und vom Baden-Airpark angefordert werden. Intensivtransporte decke die Maschine ab, die in Freiburg stationiert sei.

Alles gut also im Kreis Freudenstadt? Der Landtagsabgeordneten Kern kommentiert die Antwort der Landesregierung auf seine aktuelle Anfrage so: "Auch wenn das Innenministerium um eine schöne Darstellung der Situation bemüht ist, sind die realen Herausforderungen im Rettungsdienst unbestreitbar. Denn seit Jahren werden die gesetzlichen Hilfsfristen nicht eingehalten." Die Rettungsdienste litten unter einem enormen Personalmangel, der zum Ausfall von Einsatzschichten führten. Gleichzeitig reichten die Ausbildungskapazitäten nicht aus. Rettungswagen würden zum Krankentransport eingesetzt, weil sich der Einsatz der Fahrzeuge "lukrativer" abrechnen lasse, während der Krankentransport als solcher "nicht rentabel" sei.

Abgeordneter fordert mehr Ausbildungsplätze

Nicht entschieden sei, wann Krankentransport und Rettungsdienst ernsthaft getrennt und die Zahl der Einsatzfahrzeuge erhöht werden solle. "Leider aber bewegt sich die grün-schwarze Landesregierung nur sehr langsam. Zeit aber ist das Letzte, was man sich im Rettungsdienst leisten kann", so Kern. Es geht dort jeden Tag um Menschenleben. Die FDP-Fraktion fordere deshalb, dass die Landesregierung ihren Aufsichtspflichten nachkomme und deutlich mehr Ausbildungsplätze für Notfallsanitäter zur Verfügung stelle. Es müsse auch mehr Geld in den Rettungsdienst fließen, unter anderem von den Krankenkassen, um mehr Personal und Material einsetzen zu können.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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