Ex-Ministerpräsident Kurt Beck outete sich als Befürworter des Nationalparks. Foto: Wiegert

Auch in Rheinland-Pfalz soll 2014 ein Schutzgebiet entstehen. Beck: "Die Schilder kommen mir bekannt vor".

Freudenstadt - Er kam nicht nur als Unterstützer für Projekt und Partei, sondern auch in eigener Sache: Bei einem Besuch auf dem Ruhestein (Kreis Freudenstadt) machte sich gestern der rheinland-pfälzische Ex-Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) ein Bild vom Nationalpark Nordschwarzwald.

 

Er zeigte sich nicht gerade von seiner freundlichen Seite, der Nordschwarzwald: Als der SPD-Politiker gestern auf dem Ruhestein sozusagen die Keimzelle des künftigen Nationalparks Nordschwarzwald besucht, regnet es Bindfäden.

Das Wetter erinnert an den Besuch von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) vor knapp einem Jahr – die Sätze auch: "Es wäre geradezu jämmerlich, wenn wir den Menschen im Regenwald sagen, sie sollen ihre Umwelt schützen, und wir selbst nicht einmal einen kleinen Teil des Walds aus der Nutzung nehmen", sagt Beck und lässt sich mit diesen Worten als neuer Prominenter auf die Unterstützerliste des Freundeskreises Nationalpark setzen.

Eine klare Botschaft für die Nationalparkdiskussion in Baden-Württemberg und in Rheinlad-Pfalz. Denn auch dort soll nach dem Willen von Grün-Rot 2014 ein solches Schutzgebiet entstehen, wie im Nordschwarzwald fast 10.000 Hektar groß und ebenfalls nicht ohne Proteste der Bevölkerung vor Ort. "Die Schilder der Gegner kommen mir bekannt vor", sagt Beck denn auch auf Nachfrage, ebenso die Argumente und die Emotionen, die bei der Nationalparkdebatte mitschwingen. "Ja zur Natur – Nein zum Nationalpark", heißt der Gegnerverein im Nachbarbundesland, und auch dort werden im Zusammenhang mit dem geplanten Schutzgebiet wirtschaftliche Einbußen, Holzverluste und Schädlingsplagen befürchtet.

Das ist uns alles sehr vertraut, mag sich der Leiter des Naturschutzzentrums Ruhestein, Wolfgang Schlund, gestern denn auch gedacht haben, als er Beck sowie drei Bundestagskandidatinnen aus dem Nordschwarzwald über das rund 10.000 Hektar große Schutzgebiet informierte, das im Bereich Schliffkopf/Ruhestein (Kreis Freudenstadt/Ortenau) und Hoher Ochsenkopf/Baden-Baden (Stadtkreis Baden-Baden/ Kreis Rastatt) entstehen soll.
Es gibt viele Parallelen – etwa die Haltung der CDU zu den Projekten

Und noch eine Parallele sieht Beck zu Baden-Württemberg: Die Haltung der CDU zum geplanten Nationalpark. "Ich halte es geradezu für politischen Missbrauch, wenn man diesem Projekt im Grund zustimmt, sich bei Protesten vor Ort dann aber in die Büsche schlägt", kritisiert der Ex-Landeschef die Christdemokraten und ihren Kurs in der Schutzgebietsdebatte.

Im Mainzer Landtag geht es der Opposition dabei wohl vor allem auch um die Finanzierung des Projekts. Die scheint in Baden-Württemberg zwischenzeitlich durch: "Du brauchst Dir keine Sorgen zu machen, der Nationalpark kommt, das geht alles klar", hat Finanzminister Nils Schmid dem Freudenstädter SPD-Kreisverbandsvorsitzenden, Gerhard Gaiser, jetzt zugesichert.

Vielleicht war diese Prophezeiung wenigstens ein kleiner Lichtblick für den ehemaligen SPD-Bundesvorsitzenden und die bevorstehenden Nationalpark-Diskussion in Rheinlad-Pfalz. Ansonsten blieb die Aussicht auf dem Ruhestein für den Ex-Ministerpräsidenten gestern eher trüb.