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Freudenstadt Kündigungen bei Bürkle stehen an

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Im Freudenstädter Standort von Bürkle stehen "Kapazitätsanpassungen" an. Foto: Archiv

Freudenstadt - Die Wut bei den Beschäftigten sei groß, sagt Dorothee Diehm von der IG Metall über die Pläne bei der Firma Bürkle GmbH, in Freudenstadt Mitarbeiter zu entlassen. Dabei hätten sie den Löwenanteil bei der Sanierung geleistet.

Die Rede sei von einem Drittel der Beschäftigten, so die Bevollmächtigte der IG Metall Freudenstadt. Das seien etwa 70 Mitarbeiter. Und das ausgerechnet in dem Jahr, in dem das Unternehmen seit 100 Jahren bestehe. Die Zahl habe sie bei Gesprächen mit der Belegschaft erfahren.

Olaf Rohrbeck, der verantwortliche Geschäftsführer für Vertrieb, Marketing und Technik bei Bürkle, sagte dem Schwarzwälder Boten, die Zahl sei "einfach nicht korrekt". In der Tat seien aber Betriebsrat und Mitarbeiter jüngst über anstehende "Kapazitätsanpassungen" informiert worden. Diese seien Teil einer Internationalisierungsstrategie des Unternehmens. Freudenstadt solle dann zu einem Standort ausgebaut werden, der auf hochtechnische Maschinen spezialisiert ist. Außerdem solle in die Fortbildung der Mitarbeiter investiert werden, damit sie breiter aufgestellt sind.

Der Umbau soll so schnell wie möglich erfolgen

Bürkle wolle in China im kommenden Jahr ein neues Werk beziehen, das alte sei zu klein geworden, so Rohrbeck. In dem Land stellt das Unternehmen Spezialpressen für Elektroteile her. Im Werk in Ungarn sei die Auslastung ebenfalls gut. Dort werden standardisierte Maschinen für die Holzverarbeitung hergestellt. Auch bei dem Standort in nordrhein-westfälischen Mastholte sei die Auslastung gut.

Bürkle stehe wirtschaftlich gut da, das liege aber auch daran, dass das Unternehmen so breit aufgestellt sei. Denn bei den Maschinen für die Holzbearbeitung habe es in den vergangenen Jahren einen branchenweiten Rückgang gegeben, dann sei auch noch Corona dazugekommen. Dennoch sei die Auftragslage gut. Es gehe nun darum, so schnell wie möglich den Standort umzubauen.

Dafür würden nun auch Gespräche mit dem Betriebsrat geführt. Er selbst habe keine Wut bei den Mitarbeitern gespürt. Natürlich seien es aber keine angenehmen Informationen für die Mitarbeiter gewesen.

Anders sieht das Dorothee Diehm von der IG Metall. Rohrbeck verkenne die Wut der Mitarbeiter. Die Entscheidung der Geschäftsführung rege die Mitarbeiter auf, insbesondere im Jubiläumsjahr des Unternehmens.

Sie glaube nicht, dass der Umbau des Freudenstädter Standorts so schnell vonstatten gehen werde, immerhin habe der Betriebsrat bei Betriebsänderungen noch ein Mitspracherecht, sagte Dorothee Diehm. Die Gewerkschaft sei mit dem Betriebsrat im Gespräch. Die Entscheidung sei relativ überraschend, da Bürkle wirtschaftlich gut dastehe.

Nachdem das Unternehmen 2013 kurz vor der Insolvenz gestanden habe, hätten die Mitarbeiter den größten Anteil daran gehabt, das Unternehmen zu retten. So verzichtete die Belegschaft auf die Bezahlung von vier Stunden die Woche sowie auf Weihnachts- und Urlaubsgeld.

Die Firma Robert Bürkle GmbH wurde 1920 von Robert Bürkle im Chris­tophstal gegründet. Es war seinerzeit eine rund 100 Quadratmeter große Werkstatt mit vier Mitarbeitern. Schon damals wurden Maschinen wie Spindelfurnierpressen oder Furnierböcke für die Möbelindustrie gebaut.

1953 waren es bereits 247 Mitarbeiter. An der Stuttgarter Straße wurden in Abschnitten neue Produktionshallen und ein Verwaltungsgebäude errichtet.

Heute beschäftigt sich Bürkle nach wie vor mit der Entwicklung und Produktion von Maschinen, Anlagen und Systemen für die holzbearbeitende Industrie sowie für die Elektronik-, Photovoltaik-, Glas-, Bau-, Automobil- und die Plastikkartenindustrie.

2013 stand Bürkle kurz vor einer Insolvenz, die durch den Einstieg der Finanzgesellschaft Nimbus aus den Niederlanden abgewendet wurde. Damals wurde auch der Sanierungstarifvertrag mit den Mitarbeitern abgeschlossen. 2017 wurde die mechanische Fertigung zur Haug Group in Freudenstadt verlegt.

2018 übernahm die Aktiengesellschaft Auctus Capital Partners mit Sitz in München die Mehrheit der Geschäftsanteile der Robert Bürkle GmbH und löste das holländische Investmentunternehmen Nimbus ab.

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