In einem detaillierten Vortrag schilderte Landrat a.D. Gerhard Mauer die Anfänge des Landkreises Freudenstadt. Foto: Eberhardt Foto: Schwarzwälder-Bote

Landrat a.D. Mauer referiert über Amüsantes und Animositäten

Freudenstadt (te). Nur schwer wollte sich die häusliche Harmonie zwischen den Städten Horb und Freudenstadt nach der Landkreisgründung einstellen. Doch Landrat a.D. Gerhard Mauer hatte eine beruhigende Erkenntnis: Anderen Kreisen ging es bei der Sache nicht besser.

In einem Vortrag anlässlich der Hauptversammlung des Heimat- und Museumsvereins blickte Mauer auf die turbulente Zeit der Gründung der Landkreise zurück und zeichnete ein informatives Bild der langen Kette aus Konzepten, Plänen und Beschlüssen, bis aus 120 badischen Bezirksämtern und 65 württembergischen Oberämtern schließlich die heutige Verwaltungsstruktur Baden-Württembergs entstand.

"Ziel der Landkreisreform sollte die Erhöhung der Leistungsfähigkeit der Verwaltung sein", erklärte Gerhard Mauer. Doch dieses Anliegen vermochte bei den widerborstigen Kommunen nur wenig Kooperationswillen zu wecken. "Das Ziel, mit dem Denkmodell der Landkreise eine Diskussion über die Verwaltungsreform einzuleiten, ist voll erreicht worden", scherzte Mauer mit Blick auf das nachfolgende kommunalpolitische Stechen und Pieken. Mehrere Jahre hatten Kreistage und Gemeinderäte über dem Thema gehadert. Praktische Probleme plagten die Ämter, die ihre badische Ablagesysteme auf die nun geltenden württembergischen Vorgaben anpassen mussten und selbst nach 25 Jahren brachen noch gelegentliche Animositäten durch.

Lange war unklar, aus welchen Teilen sich der neue Landkreis Freudenstadt zusammenfügen sollte, berichtete Mauer. Der Sitz in Freudenstadt war für Stadt und Land beschlossene Sache – von den anderen Beteiligten aber deshalb noch lange nicht akzeptiert. Horb reichte 1970 eine seitenlange Ausarbeitung ein, in der sie ihren Status als Kreisstadt einforderte. "Da sie absolute Lage- und Entwicklungsvorteile gegenüber Freudenstadt besitzt", rezitierte Gerhard Mauer das Protestwerk. Dem hartnäckigen Statuskampf verdankt die Kommune schließlich auch ihre verschachtelte Stadtteilstruktur: Nur durch sie war es Horb möglich, sich die Zuständigkeiten einer Großen Kreisstadt zu sichern. Dennoch wurde sie auf Anordnung des Landes für den neuen Landkreis Freudenstadt zum Lebensspender wider Willen, schilderte Mauer. Denn letzterer wäre nicht zukunftsfähig gewesen, hätte sich Horb wie von 98 Prozent seiner Bürger gewünscht dem Kreis Tübingen zugeschlagen.

Versöhnt mit dem Schicksal zeigte sich Horb, als der Zentralitätsverlust durch Ausgleichszahlungen kompensiert wurde. Diese trieben eigentümliche Blüten: Dornstetten verlangte ebenfalls Schmerzensgeld. "Denn Napoleon habe schließlich der Stadt den Kreissitz gestohlen", gab Mauer den amüsierten Zuhörern die Begründung zum Besten.

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