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Freudenstadt Konzept soll Bürger vor Strahlung schützen

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Nicht schön, aber aber notwendig ist der Sendemast auf dem Friedrichsturm. Archiv- Foto: Schwark Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Alexandra Alt Freudenstadt. Man sieht ihn nicht, man riecht ihn nicht, und dennoch ist er da – Elektrosmog. Welche Risiken er birgt, ist bislang noch nicht absehbar. Die Stadt Freudenstadt will es aber genau wissen – sie lässt die Strahlenbelastung durch Mobilfunkanlagen auf städtischen Gebäuden von einem Gutachter ermitteln.38 000 Euro lässt sich die Stadt den "Schutz der Bevölkerung", so Oberbürgermeister Julian Osswald, kosten. Finanziert wird das Gutachten über bereitgestellte Mittel der Bauleitplanung. Das Geld ist nach Meinung der Räte gut angelegt. "Wir sollten ein Zeichen setzen", sagt etwa Karl Müller (SPD), der sich über "das Umdenken bei der Verwaltung" in Sachen Mobilfunkvorsorgekonzept freute. Immerhin war der Beschlussvorschlag zur Erstellung eines Konzepts ein Jahr bei der Stadtverwaltung in Bearbeitung gewesen. Rückblick: Im Oktober 2011 hatten alle Gemeinderatsfraktionen einen entsprechenden gemeinsamen Antrag bei der Stadtverwaltung eingereicht. Über das Ergebnis war sich das Gremium nach dem Ja des Ausschusses für Infrastruktur und Umwelt (AIU) in jüngster Sitzung dann auch schnell einig.

Vor allem Kinder sind von der Strahlung betroffen

Müller ist es auch, der seinen Ratskollegen die nackten Zahlen präsentiert, und die stimmen nachdenklich: Im Bereich Freudenstadt gibt es 15 Sendestandorte, allein am Krankenhaus ragen 15, am Friedrichsturm 8 Sendeantennen in den Himmel. Für die Kinder im Justinus-Kerner-Kindergarten beispielsweise bedeutet das eine Strahlenbelastung von 25 000 Mikrowatt je Quadratmeter, der sie dauerhaft ausgesetzt sind. An der Hartranftschule wurden 2900 Mikrowatt je Quadratmeter gemessen, so Müller. Zum Vergleich: Ein Schnurlostelefon gibt laut Bericht des Umweltinstituts München in 1,5 Metern Entfernung zehn Mikrowatt je Quadratmeter Strahlung ab.

"Die WHO sagt, dass die Belastung durch Mobilfunkgeräte krebserregend ist, und die IHK in Ulm hat ihr neues Gebäude gegen Elektrosmog abschirmen lassen", fasste Müller einen Bericht des Baubiologen Jörn Gutbier zusammen, der bereits in der Vorberatung des AIU einen Vortrag zum Thema "verantwortungsvoller Umgang mit Mobilfunk – Mobilfunkvorsorgekonzepte" hielt. Es sei also allerhöchste Zeit, das Konzept umzusetzen.

OB Osswald warnte vor einem Schnellschuss, schon jetzt potenziellen Interessenten keine Flächen mehr für Mobilfunkanlagen zur Verfügung zu stellen. Er empfehle, erst die Werte zu messen, dann das Konzept abzuwarten und sich dann mit den Werten zu beschäftigen. Osswald: "Wir sollten uns nicht zu früh einschränken, ehe die Messergebnisse vorhanden sind." Ein kleines Zugeständnis ließ er sich dann aber doch entlocken: Bis zur Erarbeitung des Mobilfunkvorsorgekonzepts lässt die Stadt keine neuen Mobilfunkstandorte zu.

Mit dem einstimmig verabschiedeten Beschluss folgen Rat und Stadtverwaltung der Empfehlung des Experten Gutbier, demzufolge ein Dialog mit Mobilfunkbetreibern an erster Stelle stehen solle. Ziel müsse es sein, bei Anfragen zu neuen oder geänderten Mobilfunkanlagen "auf Augenhöhe" einem Betreiber auch Standorte nennen zu können, die eine Minimierung der Strahlenbelastung für die Bürger bedeute. Gleichzeitig ist ein funktionierendes Mobilfunknetz für die Infrastruktur Freudenstadts unerlässlich. Angebote für die Erstellung des Mobilfunkvorsorgekonzepts wird die Stadtverwaltung beim Umweltinstitut München, beim EMF-Institut Dr. Niessen in Köln und der anbus analytik GmbH in Fürth einholen.

Antenne auf dem Friedrichsturm stört auch optisch

Dass die Antenne auf dem über 100 Jahre alten Friedrichsturm auch optisch eine Belastung darstellt, ist laut Martin Franz (BA) nicht von der Hand zu weisen. "An welche Stelle könnte man einwirken, dass so etwas nicht mehr passiert?", fragte er bei OB Osswald nach. Auf dem Aussichtsturm befindet sich mittlerweile auch das BOS, die Funkanlage für Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste. "Wir hätten zwei alternative Standorte finden müssen, um die selbe Sendeleitung wie auf dem Friedrichsturm zu haben", erläuterte Osswald.

Steht das Mobilfunkvorsorgekonzept, kann der Gemeinderat in einem zweiten Schritt festlegen, ob er auf den städtischen Gebäuden künftig Antennen stehen haben möchte oder nicht. "Mit der Messung kommen wir weiter", resümierte Friedrich Wolf (FWV) die Diskussion am Ratstisch. Andreas Bombel (CDU) mahnte, jetzt nicht ungeduldig zu werden: "Das ist heute der erste, nicht der letzte Beschluss, den wir fassen" – und der war einstimmig.

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