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Freudenstadt Kommt Volksbanken Fusion im zweiten Anlauf?

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Sind guter Dinge, dass die Fusion diesmal klappt: die Bankvorstände Dieter Walz, Clemens Grießhaber, Jürgen Frey und Stefan Waidelich (von links). Foto: Rath

Freudenstadt/Baiersbronn - In der Finanzwirtschaft im Landkreis Freudenstadt zeichnet sich die nächste große Veränderung ab. Die Volksbanken Horb-Freudenstadt und Baiersbronn-Murgtal nehmen die Fusionsverhandlungen auf – wieder. Und diesmal offenbar mit besseren Voraussetzungen.

Fast exakt zwei Jahre nach dem ersten Anlauf für eine Verschmelzung, der vom Aufsichtsrat der Baiersbronner Seite abgebrochen worden war, nehmen die Banken die Verhandlungen wieder auf. Über den Stand der Dinge informierten am Donnerstag die Vorstände Dieter Walz und Stefan Waidelich von der Volksbank Horb-Freudenstadt sowie Clemens Grießhaber und Jürgen Frey von der Volksbank Baiersbronn-Murgtal in einer Pressekonferenz.

Im Gegensatz zum ersten Versuch schätzen die Vorstände die Erfolgsaussichten diesmal besser ein. Am Montagabend haben die Aufsichtsräte beider Häuser in einer gemeinsamen Sitzung beschlossen, die notwendigen Schritte in die Wege zu leiten. Zuvor hatten beide Gremien unabhängig voneinander beraten. Der Beschluss sei einstimmig gefallen, wie Walz betont. "So weit fortgeschritten wie jetzt waren die Gespräche noch nie."

Die Vorstände erhielten den Auftrag, einen Entwurf für den Fusionsvertrag auszuarbeiten und vom genossenschaftlichen Verband das notwendige Gutachten einzuholen. Er prüft, ob die Interessen der Mitglieder beider Häuser gewahrt werden. Die vier Vorstände sind schon jetzt davon überzeugt, dass die Mitglieder des Instituts auf jeden Fall profitieren würden, ebenso die Kunden und Mitarbeiter. Spätestens Ende Mai soll der Vertragsentwurf vorliegen, der von den Aufsichtsräten abgesegnet werden müsse. Dem soll eine Mitgliederinformation folgen. Das letzte Wort zur Bankenhochzeit hätten die Vertreterversammlungen, die Ende Mai in Baiersbronn und Ende Juni in Freudenstadt einberufen werden sollen.

Der Anstoß für die Fusion kam diesmal übrigens aus Baiersbronn. Die dortige Bank steht vor einer Zäsur. Es gab bereits personelle Veränderungen im Aufsichtsrat. 2021 geht Vorstand Grießhaber (64) in den Ruhestand. Spätestens dann sind Entscheidungen zu treffen, wie es weitergehen soll. Indessen stünden beide Häuser – wie fast alle Banken – weiter unter Druck.

Die Gründe sind bekannt: Nullzins-Politik der Europäischen Zentralbank (EZB), Änderung der Kundenwünsche, Kosten für den Ausbau der Digitalisierung der Angebote, die schwerer werdende Suche nach neuen Fachkräften und ständig steigende Auflagen und bürokratische Anforderungen der Bankenaufsicht Bafin. "Die Regulatorik ist mittlerweile dermaßen kompliziert. Das fällt uns jetzt vor die Füße. Das kann man nicht mehr einfach so nebenher machen, dafür braucht es Spezialisten im Haus", sagt Grießhaber. Einigen seiner Mitarbeiter sei längst die Lust vergangen. "Die können und wollen nicht mehr." An eine Zinswende innerhalb der nächsten Jahre glauben die Vorstände nicht, sodass die Roherträge der Häuser im Kerngeschäft – Geld zu verleihen – auf nicht absehbare Zeit mager blieben.

Die Fusion soll laut Jürgen Frey helfen, die Kosten zu senken. Bürokratie, Immobilien, Technik, Softwarelizenzen und auf absehbare Zeit zwei Vorstände weniger (auch für Walz ist der Ruhestand in Sicht) – vielfach ließen sich Doppelstrukturen abbauen. Zwar würde die Fusion zunächst Geld kosten. Mittelfristig liege der Spareffekt jedoch bei 800 000 bis einer Million Euro pro Jahr.

Keine Kündigungen

Sämtliche Mitarbeiter beider Häuser sollen übernommen werden, fusionsbedingte Kündigungen seien ausgeschlossen. Mittelfristig gebe es dennoch weniger Personal, etwa wenn Kollegen selbst kündigen oder in Rente gehen. Grießhaber sagt, die Mitarbeiter in seinem Haus hätten die Fusionspläne positiv aufgenommen. Ein größeres Unternehmen biete mehr Chancen und Sicherheit. Außerdem atmeten Beschäftigte auf, die als "Generalisten" mächtig unter Stress gestanden hätten und nun hoffen, sich bald auf Spezialgebiete konzentrieren zu können, anstatt sich thematisch zu verzetteln.

Außerdem habe die Volksbank Baiersbronn-Murgtal in einem größeren Verbund mit mehr Eigenkapital ganz andere Möglichkeiten. Die Großkunden seien der Bank mit ihren Kreditvolumina entwachsen, sollen durch die Fusion aber gehalten werden. Nach einer Fusion hätte die neue Bank eine Bilanzsumme von 1,16 Milliarden Euro und würde in einer anderen Liga spielen.

Wenngleich die Volksbank Horb-Freudenstadt von den Zahlen her als der stärkere Partner wirkt, betonen beide Seiten, dass die "Verhandlungen auf Augenhöhe" geführt würden. Die Volksbank Baiersbronn-Murgtal habe 2019 ein "sehr gutes Ergebnis" erwirtschaftet. "Wir sind nach wie vor eine begehrenswerte Braut", so Grießhaber, "und für uns könnte es im zweiten Anlauf doch noch eine echte Liebeshochzeit werden." Walz schob hinterher, dass von Seiten Horb-Freudenstadt schon vor zwei Jahren die Liebe gebrannt habe.

Übrigens kommt der Bräutigam im Falle einer Hochzeit auch nicht mit leeren Händen: Die Sektion Horb-Freudenstadt würde ihre Kunden und Geschäfte im Murgtal an die Baiersbronner übertragen. Denn sie ist in Mitteltal und Obertal bereits präsent. Deshalb sei auch nur eine Fusion mit den Genossen Horb-Freudenstadt infrage gekommen, so Grießhaber und Frey. "Es soll schließlich nur eine Volksbank in der Gesamtgemeinde Baiersbronn geben." Waidelich ergänzt: "Und wir wissen, wie die Menschen hier ticken."

Drei Hauptstellen

Wie die neue Filialstruktur aussehen soll, ist noch nicht bekannt, ebenso wenig der potenzielle Namen des neuen Instituts. Beide Häuser zusammen hätten 22 Standorte. Ob sie sich halten lassen, müsse sich zeigen. "Das werden wir analysieren. Im Augenblick ist das alles eine völlig neue Lage für uns", so Walz, der auch Vorstandssprecher eines zusammengeschlossenen Hauses wäre. Einen Kahlschlag, wie ihn die Kreissparkasse angekündigt hat, solle es aber nicht geben. Mit dem Projekt "Kunde im Fokus" wollen sich die Genossen neu aufstellen, um die Kunden zu erreichen und zeitgemäß beraten zu können. Dies erfolge durch persönlichen Kontakt, per Internet und soziale Medien, am Telefon und möglicherweise per Videokontakt.

Darüber hinaus würden Mitarbeiter spezialisiert und für ihre Aufgaben qualifiziert, so Stefan Waidelich. Auf jeden Fall soll es in allen drei Regionalbereichen – Horb, Freudenstadt und Baiersbronn – Hauptstellen geben, die ähnliche Größe haben und die alle Finanzdienstleistungen anbieten können. Juristischer Sitz wäre Freudenstadt. Ob sich die vergleichsweise kleinparzellige Bankenlandschaft im Kreis Freudenstadt in naher Zukunft weiter verändert, vermögen die vier Vorstände nicht zu beurteilen. Aus Sicht von Dieter Walz müsste die aktuelle Fusion, wenn sie denn komme, nicht die letzte sein: "Wir sind offen für weitere Formen der Zusammenarbeit."

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