Die Sanierung der Luise-Büchner-Schule liegt im Kostenrahmen, sogar etwas darunter. Foto: Rath Foto: Schwarzwälder Bote

Kommunales: Kreis soll in den nächsten zehn Jahren 27 Millionen Euro in seine Gebäude stecken

Der Landkreis Freudenstadt will vorankommen beim lokalen Klimaschutz und selbst mit gutem Beispiel vorangehen. Die Vertreter der Städte und Gemeinden im Kreistag macht das hellhörig. Ihre Sorgen: Am Ende steht der Kreis gut da, und sie zahlen die Rechnung.

Kreis Freudenstadt. In der Sitzung des Technischen Ausschusses ging das Thema in die nächste Runde. Zunächst wurde viel Papier produziert, in Form eines energiepolitischen Leitbilds und eines dazugehörenden Handlungspapiers sowie einer "unterstützenden Erklärung Klimaschutzpakt" (Info). Hier diskutierten die Kreisräte noch über Formulierungen. Stephanie Hentschel etwa fand das Leitbild "ganz gelungen", meinte aber, der Kreis solle "nicht so anmaßend sein" zu glauben, er könne den Klimawandel alleine stoppen. Ernst Wolf (FDP) fand es hingegen für zu wenig, wenn der Kreis die Folgen des Klimawandels, der "passieren wird und den wir nicht stoppen können", nur "beobachten" wolle. Er solle auch "proaktiv etwas tun, um die Folgen abzumildern". Dieter Bischoff befand, man müsse im Leitbild auch "nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen", das Papier lasse sich wohl "ohnehin nicht eins-zu-eins umsetzen". Bei sechs Enthaltungen wurden die Erklärungen am Ende verabschiedet.

Entscheidend sei ohnehin, was am Ende an CO2 eingespart werde, so der Erste Landesbeamte Reinhard Geiser. Und bei der Vorstellung konkreter Vorhaben wurde auch die Diskussion leidenschaftlicher. Dennoch erhielt die Verwaltung am Ende einstimmig den Auftrag, "detaillierte Energiekonzepte und Sanierungsfahrpläne" für die 22 Immobilien des Kreises zu erstellen – aber erst nach der Beteuerung von Reinhard Geiser, dass der Kreistag jede einzelne Investition noch mal separat beschließen müsse. "Das ist zunächst nur ein interner Arbeitsauftrag für uns", so Geiser.

2800-Seiten-Bericht

Denn bei der Umsetzung kommt was zu auf den Landkreis. Derzeit braucht er jährlich 6000 Megawattstunden für Heizung und 1700 Megawattstunden Strom für den Betrieb. Hier soll der Kreis mit Hilfe der externen Berater von "Iecos" ran, um den Verbrauch zu drosseln.

"Iecos" hat sich die Liegenschaften schon angeschaut und eine Bestandsaufnahme für die größten Energiefresser gemacht. Unter die Lupe genommen wurden Fassaden, Dächer und Fenster, Heizungen. Aber auch die Haustechnik wie Elektrik und Steuerungen sowie Verbrauchsverhalten spielen eine Rolle. Rund 2800 Seiten umfassen die Berichte im Paket.

Unterm Strich steht eine dicke Zahl: 27 Millionen Euro, verteilt auf zehn Jahre, müsste der Kreis aufbringen, um seine überwiegend Jahrzehnte alten Gebäude wie Landratsamt und Schulen auf den Stand der Technik zu bringen. Damit ließen sich pro Jahr mehr als 400 000 Euro Kosten für Energie sparen – 60 Prozent des aktuellen Aufwands oder 54 Prozent, was den rechnerischen CO2-Ausstoß betrifft. Außerdem könne der Kreis mit Zuschüssen rechnen. Der Kreis solle auf dem Weg zielgerichtet und überlegt vorgehen, erst dort investieren, wo mit dem geringstem Aufwand die größte Verbesserung zu erzielen sei.

Kreissporthalle als nächstes

Derzeit wird die Nordseite der Luise-Büchner-Schule saniert, mit Austausch der Fenster, Isolierung von Dach und Wänden sowie Installation einer Solarstromalange. Die Kosten seien geringer als geschätzt, 660 000 Euro bekommt der Kreis zugeschossen. Sinnvoll wär es laut "Iecos", als nächstes die 40 Jahre alte Kreissporthalle anzugehen. Vorschlag: Lüftungsanlage erneuern, Heizung erneuern, Regelungstechnik modernisieren, dazu eine Photovoltaikanlage mit zehn kWp Leistung aufs Dach. Rund 950 000 Euro soll das kosten, die Investition würde sich innerhalb von 15 Jahren rechnen. Der CO2-Ausstoß könne um 70 Prozent gesenkt werden, zu erwarten wäre ein Zuschuss von 20 Prozent.

Vor allem der Investitionsaufwand von 27 Millionen Euro löste Diskussionen aus. Aber auch bei Detailfragen wurden Bedenken laut. Die Beleuchtung etwa in Schulen auf 300 Lux herunterzufahren, wäre in Unternehmen von der Berufsgenossenschaft her nicht erlaubt, so Ernst Wolf. Auch mit dem Vorschlag, die Heizttemperatur in Schulen teils deutlich zu drosseln, hat er so seine Erfahrungen: "An den Shitstorm vom letzen Mal kann ich mich noch gut erinnern."

Armin Jöchle (CDU) merkte an, auch mit nicht perfekten Zuständen leben zu können: "Manche Gebäude lassen sich einfach nicht wirtschaftlich betreiben." Er wollte wissen, ob die 2,7 Millionen pro Jahr über die Budgets der Immobilienunterhaltung gedeckt seien oder "on Top oben drauf" kämen. "Städte und Gemeinden haben auch jede Menge Gebäude. Wo kommt das Geld her?", so Jöchle.

"Alter Scherbenhaufen"

Das traf den Nerv der anderen Bürgermeister im Ausschuss. Sie befürchten, dass das Landratsamt die Mittel über die Kreisumlage bei ihnen holt. "Das als zusätzliche Mittel wird uns als Kommunen schwer fallen", sagte Freudenstadts Bürgermeisterin Stephanie Hentschel (FWV). Die Kommunen bräuchten ebenfalls Geld, um ihre Gebäude sanieren zu können. Gerhard Gaiser (SPD) und Ludwig Wäckers (Grüne) begrüßten das Programm. Der Kreis müsse "Geld in die Hand" nehmen, um klimapolitisch etwas zu erreichen. Für den Straßenbau sei schließlich auch jederzeit Geld vorhanden.

Reinhard Geiser und Kreiskämmerer Ulrich Bischoff räumten ein, dass es sich um einen Spagat handele, "den wir schaffen müssen". Laut Geiser bekomme die Debatte jedoch einen falschen Zungenschlag. Der Landkreis stehe vor einem "alten Scherbenhaufen", den er beseitigen müsse. Die Maßgabe laute, dort zu investieren, wo ohnehin eine Instandsetzung notwendig sei, und "dann allerdings richtig".

Finanzdezernent Bischoff erklärte, der Kreis stehe vor einer großen Aufgabe, "ganz klar". Allerdings könne er an anderer Stelle sparen. Die Energiekosten von derzeit 1,2 Millionen Euro jährlich sollen sinken, die Mittel für Kleinreparaturen gingen ebenfalls zurück. Außerdem sei mit Zuschüssen zu rechnen. Unterm Strich verblieben dennoch "knapp zwei Millionen Euro jährlich", die der Kreis zusätzlich aufbringen müsse.

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